Augsburg: Wasserkraftwerk geht wieder ans Netz

Autor: Stefan Krog , 02.05.2016

Die Stadtwerke steigen nach dem Bau des Hochablass-Kraftwerks 2013 erneut in den Bau einer Wasserkraftanlage ein, wenn auch in deutlich kleinerem Maßstab.

Auf dem Firmengelände der Papierfabrik UPM sollen im Herbst 2016 an einer bestehenden Wehranlage zwei Turbinen eingebaut werden. Sie werden rechnerisch Strom für 750 Augsburger Durchschnittshaushalte erzeugen. Die Anlage dürfte das leistungsstärkste Kraftwerk werden, das an den Lechkanälen steht, so Stadtwerke-Projektleiter Anton Asam. Grund: Stadt- und Schäfflerbach führen kurz vor ihrer Mündung in den Lech relativ viel Wasser.

Beitrag zur Energiewende
„In Zeiten der Energiewende ist es notwendig und sinnvoll, die Möglichkeiten für Wasserkraftwerke zu nutzen“, so Stadtwerke-Geschäftsführer Walter Casazza. „Wenn dies in einer bereits bestehenden Infrastruktur geschehen kann, ist das umso ökologischer.“

UPM bzw. das Vorgängerunternehmen Haindl erzeugten an der Wehranlage bis in die 70er Jahre selbst Strom. Zwar habe UPM selbst daran gedacht, die Anlage wieder zu reaktivieren, doch seien andere Investitionsmaßnahmen im Werk immer wieder vorgezogen worden, so UPM-Werkleiter Wolfgang Ohnesorg. Nun investieren die Stadtwerke zwei Millionen Euro, um das alte Turbinenhaus mit modernem Innenleben zu füllen. Dafür bekommt UPM künftig jährlich eine Zahlung aus dem Stromertrag.

Gefälle von zwei Metern
Wenn die Turbinen dann laufen, wird das Wasser ein Gefälle von rund zwei Metern nutzen und 275 Kilowatt Leistung ermöglichen. Zum Vergleich: Das neue Hochablasskraftwerk am Lech bringt mehr als die achtfache Leistung. Eingebaut werden sollen die Turbinen in einem knappen Jahr. Im Herbst schließt das Tiefbauamt immer für einige Wochen die Schleuse für den Eiskanal am Hochablasswehr, sodass alle Lechkanäle für die jährliche Reinigung trockenfallen.

Danach gibt es 43 Kraftwerke
Wenn die beiden Turbinen in einem Jahr ans Netz gehen, wird es im Stadtgebiet insgesamt 43 Wasserkraftwerke an Lech, Wertach, Singold und deren Nebenkanälen geben. Historisch erklärt sich das aus der Vielzahl an Kanälen, die für Handwerk und Industrie gebaut wurden, und dadurch, dass viele Fabriken früher eigene Kraftwerke unterhielten. Eine dritte Haindl-Turbine ist übrigens immer noch am Netz: Sie liegt unter der Villa an der MAN-Kreuzung und wird vom Malvasierbach gespeist, der unter der Kreuzung durchgeleitet wird.

Ein Drittel der Privathaushalte könnte versorgt werden
Im Jahr 2014 brachten alle Turbinen knapp 80 Gigawattstunden ins Stromnetz. Die Wasserkraftwerke – zum großen Teil Kleinkraftwerke in privater Hand – reichen aus, um etwa ein Drittel der Privathaushalte in Augsburg zu versorgen. In den vergangenen Jahren modernisierten Betreiber teils ihre Technik, sodass eine Leistungssteigerung erzielt wurde. Neue Standorte sind, wenn UPM umgesetzt ist, hingegen kaum noch möglich.

Kraftwerk beim Stadtbad?
Als weiteres Kraftwerk im Stadtgebiet ist aktuell das Eon-Projekt im Lech an einer Schwelle nördlich der Staustufe 23 geplant. Allerdings ist das Kraftwerk wegen seiner ökologischen Auswirkungen auf die geplante Renaturierung „Licca liber“ umstritten. Aktuell ruhen die Planungen. Zudem hat die Stadt ein Modell für ein Kleinkraftwerk am Stadtbad-Parkplatz (Ölhöfle) erarbeitet. Dafür würde die Schwelle genutzt, an der momentan eine stehende Welle entsteht, die von Surfern genutzt wird. »Kommentar

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Augsburg nutzt die Wasserkraft bereits mit 41 Anlagen. Nun sollen zwei Turbinen dazukommen.

Foto: Silvio Wyszengrad