BAHNSTROM-KRAFTWERK BERTOLDSHEIM: DONAUWASSERKRAFT AG ERÖFFNET NEUEN FISCHAUFSTIEG

Autor: Mario Kogler , 24.10.2017

Mit einem symbolischen Knopfdruck öffneten am 17. Mai zahlreiche Vertreter der Donau-Wasserkraft AG und der Rhein-Main-Donau AG, der Betreibergesellschaft Uniper, sowie aus Politik, der Fischerei ...

... und den Kommunen, feierlich die Schleusen und fluteten den neuen Fischaufstieg am Bahnstrom-Kraftwerk Bertoldsheim im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Mit einer Gesamtinvestition von rund 2,85 Millionen Euro ist diese Fischwanderhilfe das bisher aufwändigste Projekt zur Um­setzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie im gesamten deutschen Donauraum.

Die Laichwege unzähliger Fischarten enden allzu oft an den vielen Staustufen und zahlreichen Querbauten in unseren Gewässern. Sie sind nicht mehr im Stande ihre Laichhabitate aufzusuchen. Am Bahnstrom-Kraftwerk Bertoldsheim kann die Fauna ihre alten ­Lebensräume nach vielen Jahren wieder neu zurückerobern. In nicht ganz 16-Monater Bauzeit realisierte die Donau-Wasserkraft AG unter der Projektleitung der Betreibergesellschaft Uniper Kraftwerke GmbH einen neuen Fischwanderweg im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Die Planung und Projektüberwachung wurde von der Rhein-Main-Donau AG-eigenen Ingenieurgesellschaft RMD Consult GmbH ausgeführt, die auch die Bauaufsicht innehatte. Das gesamte Bauvorhaben wurde in enger Abstimmung mit den zuständigen Ämtern und Behörden sowie der Fischerei, den Grundeigentümern und allen anderen Partnern durchgeführt. „Nur so war es möglich, dieses Musterbeispiel für eine umweltverträgliche Nutzung der regenerativen Wasserkraft zu verwirklichen“, erläuterte Dr. Albrecht Schleich, Aufsichtsratsvorsitzender der Donau-Wasserkraft AG und Vorstandsmitglied der Rhein-Main-Donau AG und betonte dabei die positive Zusammenarbeit in diesem Projekt. „Dabei ist es gelungen, Ökologie und Ökonomie bei der Nutzung der Wasserkraft in Einklang zu bringen, so Dr. Albrecht Schleich weiter.

ENERGIEWENDE BRACHTE NEUE IMPULSE
Anlässlich der Energiewende zur Unterstützung der energiepolitischen Ziele der Bundesregierung und der bayerischen Staatsregierung, wird die Gewässerökologie durch den Bau von Umgehungsgewässern kontinuierlich verbessert. So ist auch das Bahnstrom-Kraftwerk in Bertoldsheim eines der fünf Bahnstrom-Kraftwerksprojekte, die jetzt im Rahmen dieser Renaturierungsbemühungen einen 33 Kilometer langen Durchgangsweg für die Fauna wieder zugänglich macht. „Der letzte Durchgängigkeits-Baustein beim Kraftwerk Bittenbrunn bei Neuburg wird in Angriff genommen, sobald der Baufortschritt des Flutpolders Riedensheim es erlaubt. Dann ist die Bahstrom-Kraftwerkskette der Donaukraftwerk GmbH komplett für Fische durchgängig“, so Schleich abschließend. „Die Anlagen ermöglichen den Fischen nicht nur zu wandern, sondern finden dabei in den neuen, ober- und unterwasserseitig angelegten Verbindungsgewässern an das bestehende Umgehungs-Fischgewässer hochattraktive, zusätzliche Lebensräume vor, die in der Donau sonst infolge vielfacher menschlicher Nutzungen und Einflüsse fehlen. So ist es den Fischen jetzt möglich, vom über sieben Meter tiefer gelegenen Unterwasser in den Staubereich von Bertoldsheim zu gelangen. Gleichwohl bleibt zu hoffen, dass wir in der Zukunft gemeinsam genauso überzeugende Lösungen für einen gefahrlosen Fischabstieg finden und realisieren können“, zeigt sich Professor Göttle, Präsident des Bayerischen Landesfischereiverbandes zuversichtlich. Dr. Klaus Engels, Direktor Wasserkraft Deutschland der Uniper Kraftwerke GmbH und Mitglied des Vorstands der Rhein-Main-Donau AG, geht in seiner Festrede auf die ökologische Verantwortung der Kraftwerksbetreiber ein. „Mit der feierlichen Einweihung dieser Anlage dokumentieren wir einmal mehr unsere Umweltverantwortung und leisten damit einen wichtigen Beitrag für eine ökologische Durch­gängigkeitsverbesserung an unseren rund 100 Kraftwerksstandorten in Bayern.“

VERBESSERUNGSMASSNAHMEN
Der erste Nass-Testlauf wurde bereits Mitte Dezember letzten Jahres geprobt, worauf einzelne Nachbesserungen an der Gefälleabstufung im oberwasserseitigen Raugerinne durchgeführt wurden. Dazu musste die Fischaufstiegsanlage wieder trockengefahren werden und auch dieses Unterfangen erfolgte in Abstimmung mit den Sachverständigen für Wasserwirtschaft und Fischerei sowie Vertretern des Wasserwirtschafts­amts Ingolstadt und des Landratsamts Neuburg-Schrobenhausen. Bis die  Ausbesserungsarbeiten abgeschlossen waren blieb vorerst die Anlage bis einschließlich Januar außer Betrieb.

DER FISCHAUFSTIEG
Die Fischwanderhilfe am Bahnstromkraftwerk Bertoldsheim überwindet abhängig vom Wasserstand bis zu 7,2 Meter Gesamthöhendifferenz und benötigt dafür insgesamt eine Konstruktionsläng von rund 1.150 Meter. Der Einstieg beginnt am linken Ufer etwa 500 Meter unterhalb der Staustufe und wurde anhand fischgerechter Ausgestaltung mit Wassersteinen und einer vorgelagerten künstlichen Insel zur Erzeugung der Lockströmung angelegt. Die Anbindung an das Parallelgewässer erfolgte über ein 120 Meter langes Raugerinne mit 20 versetzten Becken­strukturen in Naturbauweise, die eine Höhendifferenz von 1,8 Meter überbrücken. Der Ausstieg befindet sich rund 150 Meter oberhalb des Kraftwerks und das Raugerinne mit 210 Meter Länge überwindet mittels 39 versetzten Beckenstrukturen den Niveauunterschied von 3,2 Meter.
Der Technikteil der Fischaufstiegsanlage wird als „Schlitzpass“ bezeichnet bzw. „Vertical Slot“-Bauweise. Der Schlitzpass besteht aus 21 Schlitzwänden, mit je rund 10 Zentimeter abgestufte und versetzt angeordneten Betonbecken und einer Tiefe von rund 1 bis 1,6 Metern. Die Schlitzbreite beträgt rund 35 Zentimeter. Die Anbindung an den oberwasserseitigen Stauraum erfolgt mittels eines betonierten Trogbauwerks, indem sechs Einlaufschütze die Wassermenge entsprechend des Wasserstands automatisch regeln.
Die Anlage ist durchschnittlich auf einen Durchfluss von 500 Liter pro Sekunde ausgelegt – das entspricht ungefähr drei volle Badewannen. Die Fischaufstiegsanlage wurde nach Leitfischarten wie die Barbe oder die Äsche ausgelegt aber auch Frauennerfling, Kaulbarsch, Nase oder Streber fühlen sich auf dieser Fischtreppe wohl.

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