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Für Kraftwerksbetreiber kommt der Grizzly aus Südtirol

Während in den USA, aber auch in Kanada und Neuseeland die Technologie des Coanda-Rechens schon länger bekannt ist, wurden dessen Vorzüge erst in den letzten zehn bis 15 Jahren auch in unseren Breiten wahrgenommen.

Mittlerweile hat sich der Coanda-Rechen als wirtschaftlich und ökologisch sinnvolle Variante für Wasserfassungen an geschiebeträchtigen Gebirgsbächen etabliert. Dies ist nicht zuletzt auch den wenigen Herstellern zu verdanken, die heute Coanda-Systeme im Alpenraum anbieten. Vor allem die Firma Wild Metal aus dem Südtiroler Ratschings nimmt dabei eine Sonderstellung ein. Kaum ein anderer Anbieter hat in den vergangenen Jahren mehr Coanda-Rechen installiert, in Südtirol ist man mit dem Modell Grizzly Power unbestritten Marktführer. Und auch Europas bislang größter Coanda-Rechen stammt aus der Fertigung von Wild Metal – jener für das Kraftwerk St. Leonhard im Pitztal mit einer Breite von 25 Metern.

Die meisten Coanda-Rechen wurden in den vergangenen Jahren in Südtirol, in Westösterreich und in der Schweiz installiert. Beim Coanda-Rechen wird der Wandhaftungseffekt, der sogenannte Coanda- Effekt, genutzt, wenn das Triebwasser gleichmäßig einen abgerundeten Wehrkörper überströmt und dabei von den feinen Rechenstäben abgelenkt wird. In Kombination mit dem sogenannten Abscher-Effekt der Profilstäbe fließt das Wasser in die Fassung. Zugleich verhindert der Coanda-Rechen das Eindringen von Sedimenten und kleineren Wasserlebewesen in das Triebwassersystem. Somit vereint ein modernes und effizientes Coanda-System, wie der Grizzly Power von Wild Metal, seine Abweisungsfunktion mit ökologischem Gewässerschutz. Zudem gilt der Coanda-Rechen als großteils selbstreinigendes System, da alles Treibgut und Laub, das darauf zu liegen kommt, durch das Überschusswasser mitgerissen wird. Der Coanda-Rechen Grizzly der Firma Wild Metal ist ein patentiertes System, das je nach Anforderungen und hydrologischer wie topographischer Gegebenheiten individuell angepasst wird. Derzeit sind im Alpenraum, aber auch darüber hinaus, ungefähr 350 Coanda-Systeme vom Typ Grizzly Power im Einsatz. Die Rückmeldungen der Betreiber fallen durch die Bank sehr positiv aus.

Grizzly erhöht die Wirtschaftlichkeit
Bedingt durch die geringe Spaltweite der Coanda-Rechen wird der Sandeintrag auf ein Minimum beschränkt. Das bedeutet, dass Abscheidesysteme wie eine Rechenreinigungsmaschine entfallen und Entsanderbecken, wenn überhaupt erforderlich, deutlich kleiner ausfallen als bei herkömmlichen Fassungen mit Tirolerwehr. Das erhöht die Wirtschaftlichkeit, da sich dieser Vorteil direkt in niedrigeren Baukosten niederschlägt.
Grundsätzlich besteht der Grizzly Power Rechen, der von der Firma Wild Metal entwickelt und zur Marktreife geführt wurde, aus einem robusten, feuerverzinkten Stahlgitter und einem darunterliegenden Feinsieb. Die Form der oberen Schutzstäbe folgt der Linie des natürlichen Wasserflusses. Bauweise und Stababstände werden schließlich an die Bedingungen vor Ort angepasst.

Ein Trio für alle Anforderungen
Gerade weil die Anforderungen im Betrieb und die Gegebenheiten am Standort einer Wasserfassung oft deutlich variieren können, haben die Ingenieure von Wild Metal in den vergangenen Jahren drei Grundtypen von Grizzly-Coanda-Rechen entwickelt, die sich mittels Modulbauweise an alle Größenerfordernisse adaptieren lassen. Das Trio, bestehend aus dem Grizzly Power Protec, dem Grizzly Power Titan und dem Grizzly Power Optimus, deckt dabei den Großteil der grundsätzlichen Anforderungen im Alpenraum ab.
Der Grizzly Power Protec wurde etwa für  Gebirgsbäche mit großer Geschiebeführung entwickelt. Seine strömungsoptimierten Strangpressprofilstäbe, die in der Regel einen Abstand von 30 mm bis 50 mm aufweisen, halten das Geschiebe vom Feinsieb fern und bewahren dieses somit vor Beschädigungen. Außerdem leiten sie das Wasser von der Beschleunigungsplatte zum Feinsieb. Ein Verkeilen von Steinen und Gehölz wird durch die spezielle Anordnung der Rechenstäbe weitgehend verhindert. Fische und kleinere Gewässerlebewesen zwischen 0,2 mm und 2 mm können je nach Spaltweite das Feinsieb problemlos überwinden und werden von der Strömung des Fließgewässers mitgenommen. Gleiches gilt auch für Laub, Baumnadeln, Moos und Ähnliches. Nur Partikel kleiner 0,2 mm bis 2 mm (je nach Spaltweite) können in das Triebwasser gelangen. Die Wartungsarbeiten an den Anlagen werden dadurch auf ein Minimum reduziert.

Grizzly Titan und Grizzly Optimus
Der Grizzly Titan kommt in erster Linie bei Fischgewässern mit großem Laubaufkommen zum Einsatz - und an Gewässern, an denen kaum Geschiebeandrang im Fassungsbereich herrscht. Bestes Beispiel dafür ist etwa der Abfluss eines Sees. Robuste abgerundete Stahlrippen, die im Abstand von 19 cm angebracht sind, schützen das Feinsieb vor Baumstämmen, Ästen und Wurzelstöcken. Bei Hochwasser rutscht das Treibholz problemlos über den Grizzly Power Titan.
Abgerundet wird das Sortiment des Grizzly Power Ensembles mit dem Grizzly Optimus. Dabei handelt es sich um ein effizientes Coanda-Sieb ohne darüberliegenden Schutzrechen. Der Optimus kommt daher naheliegenderweise überall dort zum Einsatz, wo der Feinrechen bereits durch einen Grobrechen der Wasserfassung geschützt ist. Dies trifft vorrangig natürlich auf Wasserfassungen mit Seitenentnahme zu, daneben wird er aber auch bei Wasseraufbereitungs- und Fischzuchtanlagen eingesetzt.
Wild Metal bietet heute je nach Typ Stababstände von 0,3 – 2,0 mm an, wobei die Größen 0,6 und 1,0 mm am häufigsten zum Einsatz kommen. Dabei kann der Kunde mittlerweile zwischen verschiedenen Stabprofilgrößen wählen. Außerdem bietet das Unternehmen neben einem stärkeren Profildraht jetzt ein noch verschleißfesteres Material für das Feinsieb an. Das neue Material erhöht die Standzeit der Siebe deutlich.

Größter Coanda-Rechen Europas
Wild Metal hat mit seinen innovativem Grizzly Power in der Wasserkraftbranche für Furore gesorgt. Wenig überraschend hat der Stahlwasserbauspezialist aus Ratschings auch Europas bislang größtes Coanda-System realisiert – und zwar in St. Leonhard im Tiroler Pitztal. In diesem Fall kamen 20 aneinandergereihte Module eines Grizzly Optimus zum Einsatz, um die volle Ausbauwassermenge von 4.000 l/s aufnehmen zu können. Ganz bewusst wurde eine sehr kleine Spaltbreite von 0,4 mm gewählt, um den stark abrasiven Gletscherschliff in der Pitze von den Maschinen fernzuhalten.
Die bewährten Modelle Grizzly Power garantieren im laufenden Betrieb – auch unter schwierigsten Bedingungen, etwa bei hartem Winterfrost, ein effektives Filtern der Feststoffe. Die Krallen des Grizzly zählen derzeit zum effektivsten, was Europas Coanda- Markt zu bieten hat.



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