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Kraftwerk Ratschfeld in der Obersteiermark

Neben seiner Kerntätigkeit als Hotelier des familiär geführten Großarler Hof (4 Sterne Superior) im Salzburger Pongau hat sich Johann Andexer auf die Stromproduktion aus Wasserkraft spezialisiert.

Drei Anlagen, die Andexer sowohl als alleiniger Gesellschafter als auch gemeinsam mit Familienmitgliedern betreibt, stehen in den Bundesländern Salzburg und der Steiermark seit mehreren Jahren in Betrieb. Weitere Projekte des umtriebigen Unternehmers sind darüber hinaus in deren Genehmigungsprozessen weit fortgeschritten. Bereits kurz vor der Inbetriebnahme steht Andexer bei seinem neuesten Kraftwerk Ratschfeld in der obersteirische Gemeinde Ranten. Dessen Oberliegerkraftwerk Rantenbach, das vor rund 10 Jahren fertig gestellt wurde, steht ebenfalls im Familienbesitz und wird von Andexer gemeinsam mit seinem Schwager und seinem Neffen betrieben.

Zusätzliche Fassung geplant
Die Wasserfassung des neuen Kraftwerks, für dessen rechtlichen Rahmen die KW Ratschfeld GmbH gegründet wurde, schließt fast unmittelbar an die Oberliegeranlage an. Auf die Errichtung einer eigenen Wehranlage konnte dabei verzichtet werden. Vom Unterwasserkanal das Kraftwerks Rantenbach fließen bis zu 3,5 m³/s an Ausbauwassermenge in ein betoniertes Beruhigungsbecken, das auch gleichzeitig den Beginn der unterirdischen Druckrohrleitung markiert. Darüber hinaus wird in der Nähe des Beruhigungsbeckens in absehbarer Zeit eine separate Wehranlage errichtet werden. Mit dieser neuen Wasserfassung können zusätzlich 800 l/s vom lokalen Gewässer Seebach ausgeleitet und für die Stromproduktion des Kraftwerks Ratschfeld verwendet werden. Für den unkomplizierten Anschluss dieser Fassung wurde in der neu verlegten Druckleitung bereits ein temporär verschlossenes Hosenrohr integriert. Die behördliche Genehmigung zur Errichtung der Wehranlage wurde laut Andexer erst vor kurzem erteilt.

Hochwasserabfluss gewährleistet
Die Generalplanung des Projekts wurde im Zuge der Ausschreibung an die steirische interTechno Engineering GmbH vergeben. Eine sehr gute Wahl, wie Betreiber Andexer im Gespräch zek Hydro versichert: „Die Zusammenarbeit mit interTechno hat absolut vorbildlich funktioniert, Geschäftsführer Martin Konrad ist einer der verlässlichsten und genauesten Planer, die ich kenne. Das ausgearbeitete Projekt wurde derart bei der Behörde eingereicht, dass keinerlei Nachreichungen erforderlich waren.“ Martin Konrad beschreibt die planerischen Herausforderungen des Projekts folgendermaßen: „Wegen der Reglementierung des Projektgebietes durch die Verhängung eines Naturdenkmales am Rantenbach war man gezwungen, einen Krafthausstandort auszuwählen, der aufgrund seiner Lage im Hochwasserabflussbereich des Gewässers keine Geländeveränderungen nach sich zog. Einerseits musste man im Krafthauszulaufbereich ohne Anschüttungen die notwendige Über­deckung der GFK Druckrohrleitung DN1600 gewährleisten. Andererseits war man in der Tiefenentwicklung der Baugrube zur Saugrohrpositionierung im Nahbereich der Straßenbrücke limitiert. Zusammen mit den Konstrukteuren der Firma Geppert und der Turbinenwahl einer Kaplan-S-Turbine konnten beide Planungsparameter erfüllt werden.“

Flowtite-Technologie von Amiblu
Mit der Errichtung des Krafthauses und der Verlegung der Druckleitung konnte das Projekt nach dem mehrjährigen Genehmigungsprozess im Herbst des Vorjahres schließlich in die Bauphase übergehen. Großen Dank richtet Andexer an die von den Bauarbeiten betroffenen Grundstücksbesitzer, die mit ihrer Einwilligung das Projekt ermöglicht haben. Für die Umsetzung der Hoch- und Tiefbauarbeiten inklusive Rohrverlegung wurde die im Kraftwerksbau vielfach bewährte Baumeister Karl Fürholzer Hoch- und Tiefbau Ges.m.b.H. aus Arbing in Oberösterreich engagiert. Das komplette Rohrmaterial in Form hochwertiger GFK-Rohre des Herstellers Amiblu lieferte der niederösterreichische Vertriebsspezialist Etertec. Abgesehen von einem Bogen kurz nach dem Beruhigungsbecken verläuft die 870 m lange Rohrtrasse in einer geraden Linie bis zum Krafthaus. Die mittels Wickelverfahren produzierten glasfaserverstärkten Kunststoffrohre der Serie „Flowtite“ minimieren mit ihrer hochglatten Innenfläche Reibungsverluste. Gleichzeitig garantieren die in Sandwich-Struktur gefertigten Rohre optimale Beständigkeit gegen Umwelteinflüsse oder Stoßschäden. Das anwenderfreundliche Verbindungssystem ermöglicht darüber hinaus minimale Abwinkelungen von Rohrstößen innerhalb der Muffe, wodurch Richtungsanpassungen der Rohrtrasse ohne den Einbau von zusätzlichen Formstücken ermöglicht werden.


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