Module Rechenreinigungslösung H200: Technik von der oberen Leistungsklasse abgeschaut

Autor: Andreas Pointinger , 16.09.2019

Als Vollausstatter für Stahlwasserbaulösungen im mittleren und oberen Wasserkraft-Leistungssegment hat sich die Vorarlberger Künz GmbH in den vergangenen Jahrzehnten weltweit einen hervorragenden Ruf erarbeitet.

Mit dem bereits 2017 eingeführten modularen hydraulischen Rechenreiniger H200 haben die Branchenexperten ein innovatives System entwickelt, das sich speziell an den Anforderungen von Anlagen mit geringen Reinigungstiefen orientiert. Das auf einem Baukastenprinzip basierende System kann dem jeweiligen Einsatzzweck entsprechend – fahrbar, drehbar, mit oder ohne Kabine, etc. – frei konfiguriert werden. Dabei müssen Betreiber hinsichtlich Funktionalität und Sicherheitsstandards keinerlei Kompromisse eingehen, Fertigungsqualität und Bedienkomfort entsprechen den Standards von Maschinen der oberen Preis- und Leistungsklasse. Seit der Einführung am Markt wurden bereits neun Anlagen mit dem richtungsweisenden Rechenreinigungssystem der Vorarlberger ausgerüstet, ein Großteil der Maschinen ging in die USA.

Neben der Fertigung von Kransystemen für Container-Terminals, Häfen oder industrielle Einsatzbereiche bilden Stahl­wasserbaukomplettlösungen das zweite Kerngeschäft der 1932 in Hard gegründeten Künz GmbH. Noch heute befindet sich die Hauptverwaltung des rund 500 Mitarbeiter beschäftigenden Unternehmens in der Gemeinde am Bodensee. Die komplette Entwicklung und der Vertrieb aber auch die elektrische Vormontage für Stahlwasserbauten, Rechenreinigungsmaschinen und Kräne erfolgen in der Zentrale ganz im Westen von Österreich. In zwei weiteren Unternehmensstandorten in der Steiermark und der Slowakei werden die großformatigen Wasserkraft- und Krankomponenten hergestellt und in die ganze Welt exportiert. Im Wasserkraftbereich haben sich die Vorarlberger international als Anbieter von Stahlwasserbaukomponenten und Rechenreinigungssystemen in Top Qualität für den mittleren und oberen Leistungsbereich etabliert. Stahlwasserbauteile wie Wehrklappen, Schutzrechen, Dammbalken oder Hochdruckverschlüsse der Marke Künz sind in ganz Nordamerika und Europa im Einsatz, das Rechenreinigungssortiment wird weltweit angeboten.

Baukastensystem im Mittelpunkt
Um auch für Anlagen im unteren Leistungsbereich eine hochwertige hydraulische Reinigungslösung mit vergleichbarer Ausstattung von Großmaschinen anbieten zu können, wurde 2016 das modulare Rechenreinigungssystem H200 entwickelt, erklärt Samuel Wolfgang, Vertriebs- und Produktmanager bei Künz: „Das System H200 für Reinigungstiefen zwischen 6 und 12 m wurde von Grund auf neu gedacht. Im Zentrum der Konzeption stand ein Baukastensystem, bei dem die Hauptkomponenten der Maschine wahlweise miteinander kombiniert werden können. Dadurch wird eine große Auswahl an Kombinationsmöglichkeiten mit hoher Flexibilität erreicht. Anlagenbetreiber erhalten somit eine genau an ihre Anforderungen angepasste Maschine. Von stationären oder fahrbaren Maschinen, Ausführungen mit oder ohne Drehwerk bis hin zum Aufbau einer Kabine oder eines Podests kann aus zahlreichen Modifikationen und Varianten gewählt werden.“ Die H200 hat eine Putzkraft von 20 kN, bei mobilen Ausführungen beträgt die Fahrgeschwindigkeit bis zu 25 m/s. Bei einem maximalen Schwenkbereich von 270° wird eine Hebe- und Senkgeschwindigkeit von bis zu 20 m/min erreicht. Die standardmäßige Spurweite des Unterwagens für mobile Anwendungen misst 2.000 mm, bei Bedarf kann diese entsprechend angepasst werden. Die elektrischen Komponenten und das Hydraulikmodul befinden sich in rostfreien Edelstahlschränken, alle wesentlichen Teile aus Stahl werden vollverzinkt ausgeliefert.

Technik der Oberklasse
Wolfgang führt weiter aus, dass die H200 für das Marktsegment bei Reinigungstiefen zwischen 6 und 12 m technisch sehr hoch ausgereift ist: „Die H200 verwendet ein sogenanntes ‚Load-Sensing-System‘, das üblicherweise erst bei weitaus größeren Maschinen zum Einsatz kommt. Load-Sensing bedeutet verkürzt gesagt, dass die Hydraulik der Maschine immer nur so viel Energie bereit stellt, wie aktuell für den Betrieb benötigt wird, wodurch mit geringem Stromverbrauch sehr leistungseffizient gearbeitet werden kann. Gleichzeitig registriert das System aber auch beispielsweise geringere Hublasten und erhöht in diesem Fall die Hubgeschwindigkeit.“ Generell wurden bei der Konstruktion der Maschine zahlreiche Funktionen und Steuerungsoptionen, die bis zur Markteinführung den größeren Modellen H500 (Reinigungstiefe 9 – 15 m) und H1000 (Reinigungstiefe 14 – 24 m) vorbehalten waren, übernommen. „Auf mechanischer Seite wurden aber auch manche Dinge bewusst anders gelöst. So erfolgt der Einstieg zur Kabine von der Innenseite aus, wodurch die Maschinen äußerst kompakt gebaut werden können. Jede fahrbare Maschine wird zudem mit einem 4-Rad­antrieb ausgeliefert, die Motoren sind bereits in der Standardausführung frequenzgesteuert“, sagt Wolfgang und fügt hinzu, dass die Maschinen als zusätzliches Alleinstellungsmerkmal komplett „inhouse“ gebaut werden. Von der Planung und Fertigung bis hin zur Software-Entwicklung und der finalen Inbetriebnahme erfolgen alle wesentlichen Schritte aus einer Hand.

Exportschlager H200
Nach Abschluss der Produktentwicklung wurden seit 2017 bereits neun H200 ausgeliefert, davon gingen acht Maschinen nach Nordamerika (USA und Kanada), ein traditionell wichtiger Markt für die Vorarlberger. Die erste bislang im deutschsprachigen Raum im Einsatz stehende H200 wurde im Vorjahr beim Pumpspeicherkraftwerk Wehr im Süden von Baden-Württemberg installiert. Bei der Anlage der Schluchseewerk AG ersetzt am Einlaufbereich des Speichersees der modular angepasste Knickarm-Rechenreiniger eine ausgediente Seil-Rechenreinigungsmaschine, wobei der fahrbare Unterwagen auf die Spurweite des vorhandenen Schienensystems angepasst wurde. Die Betreiber entschieden sich für eine fahrbare, allerdings nicht drehbare Variante inklusive Bedienkabine. Ebenfalls verzichtet wurde auf eine Vollautomatisierung der Maschine, die Bedienung erfolgt manuell oder teilautomatisiert. Die Reinigungslänge der kippsicher ohne Gegenführungsrollen ausgeführten Maschine beträgt insgesamt 27 m, das Geschwemmsel entfernt eine 2,5 m breite Edelstahlharke.

Lieferbereit in sechs Monaten
Da die H200 grundsätzlich aus Künz-Standardkomponenten besteht und Teile mit langer Lieferzeit bei Künz primär lagernd sind, können die Maschinen werkseitig schnell zusammengestellt und zu kostengünstigen Preisen angeboten werden. Ab dem Zeitpunkt der Auftragsbestätigung ist die Auslieferung einer individuell angepassten Maschine in Europa innerhalb von sechs Monaten möglich, Exporte in die USA dauern aufgrund der Transportumstände rund zwei Monate länger. Produktmanager Wolfgang ist überzeugt, dass das Konzept des innovativen Rechenreingers auch weiterhin Erfolg haben wird: „Mit der H200 haben wir unser Portfolio an Rechenreinigungsmaschinen für den unteren Leistungsbereich optimal erweitert. Wir setzen insofern mit dem Produkt neue Maßstäbe, als wir eine preislich interessante und gleichzeitig technisch hoch ausgereifte Maschine anbieten können, deren Funktionalität einen Vergleich mit weitaus größeren Maschinen nicht scheuen muss.“

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Modulares Rechenreinigungssystem H200 beim Kraftwerk Lower Salmon im Nordwesten der USA. Durch das Baukastensystem der Maschine können Betreiber für ihre Anlagen individuell maßgeschneiderte technische Lösungen zusammenstellen.

Foto: Künz

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Seitenperspektive einer mobilen H200 beim Kraftwerk Huntington in den USA.

Foto: Künz

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Beim Kraftwerk Halsey Afterbay in Kalifornien ging 2016 die erste H200 in Betrieb. Der Eigentümer PG&E vertraut seit über 15 Jahren auf die Rechenreinigungslösungen von Künz.

Foto: Künz

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Beim Pumpspeicherkraftwerk Wehr in Süddeutschland ging 2018 die erste RRM-H200 auf europäischem Boden in Betrieb.

Foto: Künz