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Nachruf Günter Seefried

Ich lernte Günter Seefried im Jahr 2004 kennen. Davor wurde er mir von Kollegen als Energiebündel beschrieben. Und das traf es ganz gut. Er schien regelrecht unter Strom zu stehen.

Man hatte förmlich das Gefühl, der Mann könne keine zehn Minuten ruhig sitzen. Aber seine Energie war ansteckend, sein Humor, der manchmal abgrundtief schwarz sein konnte, ebenso. Obwohl nicht groß an Körpermaßen, verstand er es vorzüglich, sich zu behaupten. Mir wurde schnell klar, dass dieser Mann schon in jungen Jahren mit allen Talenten eines guten Verkäufers gesegnet war. Als er mir 2006 das Angebot machte, mit ihm gemeinsam ins Verlagswesen einzusteigen, war ich anfangs noch skeptisch. Aber sein Optimismus und sein Glaube an seinen Geschäftssinn ließen meine Bedenken verblassen und brachten mich dazu, mit ihm gemeinsam das Projekt meines  Berufslebens zu starten. Auch wenn wir uns zu Beginn noch nicht so gut kannten, lernte ich schnell seine besonderen Fähigkeiten schätzen. Das waren aber nicht sein Verhandlungsgeschick und sein „kleiner Taschenrechner im Kopf“, sondern vor allem seine Hartnäckigkeit und seine Hingabe. Es war ihm kein Weg zu weit, keine Aufgabe zu unangenehm: Wenn es dem Magazin dienlich war,  tat er es. Wie damals vor etwas mehr als zehn Jahren, als Günter zu einem Termin in die Schweiz aufgebrochen war – leider aber ohne  Pass. An der Grenze wurde er sich des Mangels bewusst und  beschloss kurzerhand umzukehren, den Pass in Bad Ischl zu holen und den Kunden anzurufen. Um 22:00 Uhr traf er den  Geschäftspartner am vereinbarten Ort. Er war an dem einen Tag rund 1.200 Kilometer gefahren. Dass er sich für nichts zu schade war, machte seine Vorbildwirkung aus: Er wollte den Mitarbeitern nie mehr zumuten als sich selbst. Die zek Magazine tragen seine Handschrift. 17 Jahre hat er daran gearbeitet. Die Kunden lernten Günter in der Regel als sehr dynamischen, humorvollen und interessierten Gesprächspartner kennen, als jemanden, mit dem man gerne auch einmal einen Kaffee trinkt, ohne zwingend von der Arbeit sprechen zu müssen. Den hohen Energielevel hielt Günter auch in seiner Freizeit aufrecht. Seine Interessen galten Autos, der Formel 1 und dem Skifahren. „Dem Papa gefiel halt alles, was schnell war“, sagte auch sein Sohn Julian bei der Verabschiedung. In den letzten Jahren ließ er es allerdings schon etwas ruhiger angehen. Die Leidenschaft für den „Rausch der Geschwindigkeit“ wich langsam einer anderen, wesentlich beschaulicheren: dem Bootfahren auf seinem geliebten Wolfgangsee, wo er, wie er meinte, „die Seele baumeln lassen“ konnte. Es wurde zu seiner favorisierten Freizeitbeschäftigung, wenn der erklärte Familienmensch gemeinsam mit seiner Frau Birgit und seinen Kindern auf dem See schippern konnte. Am 26. August 2020 verstarb Günter Seefried, plötzlich und so schnell, wie vieles in seinem Leben verlief. Er hat eine tiefe Lücke hinterlassen, die nur sehr schwer zu füllen sein wird. Als Freund und Weggefährte wird er mir und dem ganzen Team der zek fehlen und immer in bester Erinnerung bleiben.

Roland Gruber, Erika Gallent, Andreas Pointinger, Patricia Pfister, Mario Kogler und Ulrike Rausch- Götzinger für zek


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