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Neubau von Flumser KW Röllbach voll im Gang

Im Zuge der Konzessionserneuerung der 1892 erstmals in Betrieb genommenen Anlage entschloss sich die Elektrizitätswerk Martin Zeller AG für einen umfassenden Ersatzneubau.

Das von der im Kleinwasserkraftbereich vielfach bewährten Hydro-Solar Water Engineerung AG geplante Projekt beinhaltet die Neuausführung von Wasserfassung, Kraftwerksleitung und Zentrale. Dank ­einer Vervielfachung der Ausbauwassermenge kommt das neue Kraftwerk zukünftig auf eine Engpassleistung von 895 kW, im Vergleich zum Altbestand (280 kW) entspricht dies mehr als einer Verdreifachung der potentiellen Leistungsfähigkeit. Beim Material der rund 1,2 km langen Kraftwerksleitung setzen die Betreiber auf duktile Gussrohre der Tiroler Rohre GmbH. Die Inbetriebnahme der komplett erneuerten Anlage soll bereits im kommenden Frühjahr erfolgen.

In der heute knapp 5.000 Einwohner zählenden Gemeinde Flums in der Region Sarganserland hat die Wasserkraftnutzung eine fast 130-jährige Tradition. Am südlich vom Ortskern verlaufenden Röllbach wurde bereits 1892 ein Wasserkraftwerk für die Produktion von elektrischem Strom in Betrieb genommen. 1964 sorgte der spätere Kraftwerksbesitzer Martin Zeller für eine beträchtliche Leistungssteigerung der Anlage, indem er eine höher gelegene Wasserfassung an einem neu geschaffenen Speicherbecken im Gebiet Röllsutt errichtete. An dem als naturnahen Weiher angelegten Speicher konnten bis zu 160 l/s zur Stromgewinnung ausgeleitet werden, in Kombination mit einem Bruttogefälle von 279 m schaffte die Pelton-Turbine in der Zentrale eine Engpassleistung von rund 280 kW. Martin Zellers Sohn, der ebenfalls auf denselben Vornamen getauft wurde, hat die Kraftwerkserweiterung in den 1960er Jahren aus unmittelbarer Nähe miterlebt: „Ich besuchte damals gerade die Sekundarstufe und durfte bei den Bauarbeiten während der schulfreien Zeit ein zum Rohrtransport eingesetztes Pferd auf die Baustelle führen. Was mein Vater damals vollbracht hat, war eine für heutige Verhältnisse unglaubliche Pionierleistung – er hat sowohl die Planung als auch die bauliche Ausführung des Projekts ohne Unterstützung eines Ingenieurbüros fast komplett in Eigenregie erledigt. Für die notwendigen Betonarbeiten und Felssprengungen zur Rohrverlegung wurde eine Baufirma engagiert. Die heute für ein derartiges Projekt von Seiten der Gesellschaft und den Behörden aufgestellten Hürden hat mein Vater damals nicht gekannt.“

Langwieriges Konzessionsverfahren
Im Jahr 2009 startete die Martin Zeller AG mit den Vorbereitungen zur anstehenden Konzessionsverlängerung des Traditionskraftwerks. „Ursprünglich hatte man gar keine baulichen oder technischen Erneuerungen geplant. Der Antrag zur Konzessionsverlängerung stellte alles andere als ein leichtes Unterfangen dar,“ erklären Martin Zeller und sein Sohn Pascal. Der wesentliche Knackpunkt bestand in der von der Behörde geforderten Restwasserabgabe im Ausmaß von ganzjährig 50 l/s. Ein wirtschaftlicher Anlagenbetrieb aufgrund der damit einhergehenden Erzeugungsverluste wäre unter diesen Voraussetzungen nicht mehr möglich gewesen. Darüber hinaus gab es von mehreren Seiten Einsprachen gegen die Konzessionsverlängerung, die Umweltbehörde etwa forderte die Auflassung des Speicherbeckens. Nachdem die Rechtsstreitigkeiten bereits rund 6 Jahre in Anspruch genommen hatten, kam es im Jahr 2016 zur Kontaktaufnahme mit Markus Hintermann von der Hydro-Solar Water Engineering GmbH. Dies sollte sich für die Zellers als echter Glücksgriff erweisen. Das von Hintermann gegründete Ingenieurbüro kann nach rund 30-jähriger Tätigkeit im Kleinwasserkraftsektor auf über 50 erfolgreich realisierte Projekte verweisen. Beim Konzessionsverfahren des Kraftwerks Röllbach brachte Hydro-Solar Schwung in die Sache, indem es mit der Generalplanung einer umfassenden Erneuerung des Altbestands beauftragt wurde. Ein wesentlicher Punkt des von Hydro-Solar 2017 eingereichten Konzessionsgesuchs bestand darin, die neue Wasserfassung mit einem selbstreinigenden Coanda-Rechen und einem unterirdischen Kopfbecken auszuführen. Der bestehende Weiher kann damit rückgebaut und das Gebiet entsprechend renaturiert werden. Neben der Erfüllung der geforderten Restwasserdotation von 50 l/s sah das Konzept auch vor, die Ausbauwassermenge auf 400 l/s zu erhöhen, wodurch die Engpassleistung mehr als verdreifacht wird. In Kombination mit dem geförderten Stromtarif der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV), der den Betreibern von der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid bereits 2016 bestätigt wurde, steht das Projekt somit auch in wirtschaftlicher Hinsicht auf sicheren Beinen.

Gussrohre kamen auf dem Luftweg
Nach dem Erhalt der Konzessionsbewilligung im Juni 2018 ging es weiter mit dem Ausschreibungsverfahren, der eigentliche Baubeginn erfolgte im Sommer 2019. Gleich zum Projektstart konzentrierte man sich auf die von oben nach unten ausgeführte Rohrverlegung. Anstelle von vormals geschweißten Stahlrohren setzen die Betreiber beim Neubau auf duktile Gussrohre der Tiroler Rohre GmbH (TRM). Dank ihrer robusten Beschaffenheit und der patentierten Kupplungstechnik (VRS-T-Systems) sind die zu 100 Prozent aus Recyclingmaterial hergestellten Rohre perfekt für anspruchsvollste Bedingungen im alpinen Raum geeignet. Zum Schutz vor Umwelteinflüssen werden die Rohre darüber hinaus mit einer Zementmörtelumhüllung (ZMU) ummantelt. Martin Zeller erwähnt, dass ihn neben den bekannt hochwertigen Materialeigenschaften vor allem der Fertigungsprozess, von dem er sich im TRM-Werk in Hall in Tirol überzeugen konnte, sehr beeindruckt hat. Für die insgesamt 1.150 m lange Druckleitung des Kraftwerks Röllbach lieferte TRM Rohre in den Dimensionen DN500 und DN400. Anstelle der in den 1960er Jahren angewandten Pferdezustellung erfolgte der Rohrtransport nun fast ausschließlich auf dem Luftweg via Lastenhelikopter. In diesem Zusammenhang stellen die Betreiber dem Helikopter-Piloten ein großes Lob aus. Dieser verstand es, den Hubschrauber so ruhig wie ein Baukran über dem Rohrgraben schweben zu lassen, wodurch die Monteure das Zusammenfügen der Rohre direkt bei der Übergabe in einem Zug erledigen konnten. Anders als die in weiten Teilen oberirdisch verlaufende Stahlleitung wurde der neue Kraftabstieg bis auf zwei kurze Abschnitte im Steilhangbereich zur Gänze unterirdisch verlegt. Die felsige Bodenbeschaffenheit machte dabei entlang der gesamten Rohrtrasse den Einsatz von Sprengmitteln unumgänglich.

Inbetriebnahme im Frühjahr 2020
Nach rund fünf Monaten Bauzeit waren die Arbeiten Mitte November im gesamten Projektgebiet weit fortgeschritten. Bei der Wasserfassung soll die Montage der finalen Stahlwasserbau- und Hydraulikkomponenten noch vor dem Jahreswechsel über die Bühne gehen. An der zur Gänze in zug- und schubgesicherter Ausführung verlegten Kraftwerksleitung hatten die Monteure nur an der Wasserfassung und der Zentrale bewusst die letzten Rohrmeter nicht verlegt. Eingesetzt werden diese erst nach der obligatorischen Rohrspülung, damit die neue Pelton-Turbine beim ersten Andrehen keine Schäden durch etwaige Steine im Triebwasserweg davonträgt. Ebenfalls Mitte November wurde in der Kraftwerkszentrale bereits das Gehäuse der neuen Turbine einbetoniert, diese ist Teil eines elektromechanischen Komplettpakets der Südtiroler Troyer AG. Kurz vor dem Wintereinbruch ist der Projektabschluss in greifbare Nähe gerückt. Martin und Pascal Zeller sind guter Dinge, dass ihr komplett erneuertes Kleinkraftwerk schon Anfang März 2020 den Probebetrieb aufnehmen können wird.


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