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Traditionsmöbelhaus setzt auf Sanierungsspezialisten aus Niederösterreich

Über 30 Jahre lang versah das Hauskraftwerk der Voglauer Möbelwerke in Abtenau bei Salzburg zuverlässig seinen Dienst. Im Januar 2016 entschied man sich, das Kraftwerk mittels Sanierung wieder auf Vordermann zu bringen.

Die Tätigkeiten reichten dabei vom Fassungsbereich über die Rohrleitung bis hin zur Rundumsanierung der Turbine. Zusätzlich wurde, gemäß der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, auch ein Fischaufstieg am Wehr der Wasserfassung angelegt. Weil das Kraftwerk den Großteil des Energiebedarfs des Voglauer Möbelwerks deckt, mussten die Arbeiten zügig durchgeführt werden – hier waren vor allem die Turbinenexperten der Firma Kössler gefragt.

Was im Jahre 1932 als Tischlereibetrieb begann, entwickelte sich zu einem der renommiertesten Möbelproduzenten Europas. Die Firma Voglauer aus dem Salzburger Abtenau produziert Hotelzimmereinrichtungen und Möbel der Premiumklasse. Authentische und nachhaltige Naturholzmöbel liefert das Familienunternehmen heute in die ganze Welt. Das Thema Nachhaltigkeit verfolgt die Firma Voglauer nicht nur bei den Materialien ihrer Produkte, sondern auch im Produktionsbereich spielt es eine wichtige Rolle. Bereits im Jahr 1984 entschied man sich deshalb für die Installation eines hauseigenen Wasserkraftwerks am nahegelegenen Schwarzbach. „Für uns ist die Stromerzeugung durch Wasserkraft ein wichtiger und authentischer Ansatz für Nachhaltigkeit im gesamten Wertschöpfungsprozess unserer Möbelproduktion“, so David Zwilling, GF der Kraftwerksgesellschaft und gewerblicher GF im Voglauer Möbelwerk. Das Kraftwerk mit einer Leistung von 440 kW trägt dabei rund 60 % des Gesamtenergiebedarfs des Werks. Nach über 30 Jahren zuverlässigen Betriebes war es nun an der Zeit die Anlage wieder für die nächsten Jahrzehnte zu rüsten.

NEUGESTALTUNG FASSUNGSBEREICH
Der Schwarzbach ist ein rechtsseitiger Zufluss der Salzach im Bundesland Salzburg. Der tosende Wildbach, der durch Schluchten und über Wasserfälle durch das Tennengebirge seinen Weg ins Salzburger Flachland schlängelt, versorgt die Turbinen des gleichnamigen Kraftwerks mit bis zu 2,3 m³/s an Triebwasser. Ein fester Wehrkörper staut dabei das Wasser des Schwarzbaches auf und leitet es rechtsufrig in den Einlaufkanal der Wasserfassung. Nach dem Passieren des Einlaufrechens wird das Wasser in einen 1.070 m langen Ausleitungskanal mit einem Durchmesser von 1.020 mm zum Krafthaus geleitet. Der Wasserspiegel am Wehr wird durch ein Grundablassschütz – situiert zwischen festem Wehrkörper und Einlaufkanal – gesteuert. Dieses wurde im Zuge der Sanierungsmaßnahmen nun komplett ersetzt. Am Einlaufrechen installierte man eine neue vollautomatische Rechenreinigungsmaschine. Geborgenes Schwemmgut wird dabei in eine Rinne abgestreift und in den Schwarzbach zurückgegeben. Die komplette Hydraulikanlage der Fassung, inklusive aller Leitungen, wurde ebenfalls komplett erneuert. Auch die Steuerung wurde komplett neu programmiert und angepasst. Gemäß den gesetzlichen Vorgaben wurde das Wehr zudem für Fische passierbar gemacht. Hierfür hat man ein Umgehungsgerinne mit 12 Becken mit einer Tiefe von jeweils 40 cm angelegt. Die Fischaufstiegshilfe wird mit 300 l/s dotiert, wobei 100 l/s davon auf die Restwasserabgabe entfallen. „Der Fischaufstieg funktioniert sehr gut, wir konnten schon unzählige Fische in den Becken sichten“, so Zwilling.

SECHSWÖCHIGER ZEITPLAN
Der zweite große Teil des Sanierungspakets umfasste die komplette Zerlegung und Revitalisierung der 30 Jahre alten Kaplan-Spiralturbine aus dem Hause Kössler. Aufgrund der Wichtigkeit des Kraftwerks für das Möbelwerk mussten sämtliche Tätigkeiten innerhalb von sechs Wochen im Werk von Kössler durchgeführt werden. „Der sehr enge Zeitrahmen für den erforderlichen Reparaturaufwand war eine Herausforderung, da die gesamte Turbine vor Ort in ihre Einzelteile zerlegt und wieder zusammengebaut werden musste“, so Kurt Schiep, Leiter AMB bei der Firma Kössler.

REDUZIERUNG DES LAUFRADSPALTS
Am 18. Januar 2016 wurde mit der Demontage der Turbine begonnen. Das Laufrad wurde entnommen und die alten Flügel, insgesamt 6 Stück, wurden von der Laufradnabe getrennt und außen aufgeschweißt. Der Außendurchmesser des Laufrades wurde an den Durchmesser der Laufradkammer angepasst, wobei der Laufradspalt auf ein Minimum reduziert wurde. Dadurch konnte der Wirkungsgrad der Turbine wieder hergestellt werden. Die Laufradnabe selbst wurde sandgestrahlt und mit einem neuen Korrosionsschutz versehen. Zusätzlich wurden neue Anlaufscheiben, neue Ringe zur Laufradnabe, neue Buchsen und neue Dichtungen installiert.  Zudem wurde die Ölzuführung für die Laufradverstellung komplett erneuert.

WARTUNGSFREIER UMBAU DES LEITAPPARATS
Der Leitapparat wurde komplett umgebaut, damit keine Schmierung mehr notwendig ist und dieser somit wartungsfrei betrieben werden kann. Das Maßnahmenpaket hierbei umfasste:


Anschließend wurde der Leitapparat im Werk von Kössler wieder zusammengesetzt und für die Installation im Kraftwerk vorbereitet.

REVISION DER ABSPERRKLAPPE
Zu guter Letzt wurde die Absperrklappe mit Fallgewichtsantrieb der Turbine revidiert. Die Armatur wurde dabei einem kompletten Service inkl. Bauteilprüfung unterzogen. Sämtliche Dichtelemente wurden im Zuge dessen ersetzt und einer anschließenden Druck- und Dichtheitsprüfung unterzogen. Falls erforderlich wurden sämtliche Bauteile egalisiert und somit wartungsfrei gemacht. Zusätzlich wurden der Messing-Sitzring auf Beschädigung geprüft, sämtliche Komponenten sandgestrahlt und mit einem hochwertigen Korrosionsschutz versehen. Anschließend erfolgten die Montage und der Einbau vor Ort.

ZEITPLAN WURDE EINGEHALTEN
Pünktlich Anfang März 2016 konnte mit der Wiedermontage der Turbine begonnen werden. Am 14. März, rund eine Woche später, konnte die Turbine erstmals wieder in Betrieb gesetzt werden. „Wir waren sehr erfreut über den reibungslosen Ablauf der Reparaturarbeiten und die pünktliche Wiederinbetriebnahme der Anlage. Auch von Kostenseite für das Möbelwerk war die Einhaltung des Zeitplans äußerst wichtig“, so David Zwilling abschließend. Die Firma Voglauer kann die nächsten Jahrzehnte nun wieder auf nachhaltige Energie vom benachbarten Schwarzbach setzen.


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