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WASSERKRAFTWERK DES BISTUM GURK IN PÖCKSTEIN UMFANGREICH REVITALISIERT

Das historische Kraftwerk des Kärntner Bistum Gurk wurde 1923 in Betrieb genommen. Über die Jahrzehnte hinweg wurden Teile des Kraftwerks laufend an den Stand der Technik angepasst.

Nach 90 Jahren Betrieb summierten sich jedoch die Schwachstellen. Das Bistum Gurk entschied sich deshalb im Jahr 2013, eine komplette Sanierung der Anlage durchzuführen. Das Maßnahmenpaket betraf dabei mit dem Fassungsbereich, der Rohrleitung und einem komplett neuen Maschinensatz alle Bereiche des Kraftwerks. Die Arbeiten am Wehrbereich und das Inlining der HOBAS Druckrohrleitung wurden  erfolgreich abgeschlossen. Insgesamt rechnet die Betreibergesellschaft des Bistums mit einem Investitionsvolumen von € 750.000.

Das Kraftwerk des Bistums liegt im Kärntner Pöckstein-Zwischenwässern an der Metnitz, kurz bevor diese in die Gurk mündet. Bereits seit über 90 Jahren wird an dieser Stelle die Wasserkraft zur Stromerzeugung genützt. Ein Holzwehr, eine Francis-Schachtturbine und ein hölzernes Zahnradgetriebe waren die anfängliche Ausstattung der Anlage. Das Holzgetriebe wurde in den 70er Jahren durch ein robusteres Stahlgetriebe getauscht. Das Holzwehr blieb bis zum Jahr 2003 bestehen, bis es schließlich durch ein Hochwasser weggerissen wurde. „Der Neubau des Wehres war mit der einhergehenden Verbesserung des Hochwasserschutzes für das Pöcksteiner-Becken von enormer Wichtigkeit“, so Josef Prodinger, langjähriger Kraftwerkswart. Im Jahr 2010 stellte man aber gröbere Schäden an der Turbine fest. Aufgrund des unmittelbaren Handlungsbedarfs wurde diese saniert, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Als im Jahre 2015 aber die Neukonzessionierung anstand, entschied sich das Bistum die Möglichkeiten der Revitalisierung auszuloten.

EINLAUFBEREICH UND ROHRLEITUNG ERNEUERT
„Im Jahre 2014 hat uns das Bistum kontaktiert um Lösungsvorschläge für eine Revitalisierung einzubringen. Um eine erhebliche Leistungssteigerung zu erzielen, empfahlen wir ein umfangreiches Revitalisierungspaket“, so Dr. DI. Peter Hassler, Geschäftsführender Gesellschafter der hydro services & consulting GmbH. Diesem stimmte das Bistum zu und so konnten Anfang 2016 die Bauarbeiten gestartet werden. Der Einlaufbereich wurde komplett neu gestaltet. Die nach dem Hochwasser 2003 installierte Holzschlachtenwand wurde durch eine Steinschlichtung in Beton ersetzt. Auf deren Rückseite wurde ein mit Vlies ummantelter Filterkörper samt Teilsickerrohren installiert. Dieser dient zum rückseitigen Druckabbau im Falle einer Trockenlegung des Einlaufbereichs. Die alte Druckleitung, ein Wellenstahlrohr DN2000, wurde per Inlining durch ein GFK-Rohr mit der Dimension DN 1800 aus dem Hause HOBAS ersetzt. Durch den geringen Oberflächenwiderstand sollen so die Rohrreibungsverluste verringert werden. Zwischen Wellenstahlrohr und dem HOBAS GFK-Rohr wurde eine Füllschicht einbracht. Ein Einlaufschütz ermöglicht es zukünftig die Rohrleitung zu Wartungszwecken trocken zu legen.

KRAFTHAUS VORSICHTIG ABGETRAGEN
Die größte Herausforderung bei diesem Revitalisierungsprojekt stellte die Abtragung des Krafthauses dar. Dieses war mit dem Generatorgebäude baulich verbunden, welches jedoch als Räumlichkeit erhalten werden sollte. „Der Abtrag des Krafthauses musste also möglichst schonend erfolgen, ohne die Statik des Generatorhauses zu gefährden“, so  Hassler. Eine große Unbekannte war auch der Zustand der alten Bausubstanz, die sich unter dem Gebäude befand. Man entschied sich, das Betonfundament mittels Seilschneiden sanft zu entfernen. „Es war beeindruckend, wie sich das Seil durch den Beton fräste und schließlich das alte Saugrohr zum Vorschein kam“, erinnert sich Dr. Hassler. Anschließend wurde neu betoniert und alles für die Ankunft der neuen vertikalen Kaplan-Turbine samt Generator vorbereitet.

Erhebliche Leistungssteigerung
Diese wurden im Sommer installiert und in den Probebetrieb genommen. Dank Steigerung der Schluckmenge – von 4,5 m³ auf 5,1 m³ – und einem stark verbesserten Wirkungsgrad über den gesamten Betriebsbereich rechnet man mit einer erheblichen Verbesserung der Jahresarbeit. Der derzeitige Wert von 600.000 kWh p.a soll auf mind. 900.000 kWh ansteigen.
Der Strom wird dabei ins Netz der EVP Pöckstein, einem regionalen Energieversorger, eingespeist. Nach erfolgreicher Inbetriebnahme soll das Kraftwerk bis zum Auslauf der neuen Konzession im Jahre 2065 wieder zuverlässig laufen.


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