zek.at | Artikel drucken

Kleinwasserkraftwerk am steirischen Zanitzenbach

In der steirischen Gemeinde Obdach steht das Wasserkraftwerk Zanitzenbach kurz vor der Fertigstellung. Realisiert wird das neue Ausleitungskraftwerk mit einer Engpassleistung von ca. 350 kW ...

... von der Kleinwasserkraftwerke Forchhammer GmbH. Die komplette Anlagenausstattung, darunter Stahlwasserbau, sämtliche elektromechanischen Komponenten sowie die Leittechnik, stammen vom oberösterreichischen Branchenexperten WWS Wasserkraft GmbH. Für die Umsetzung der gesamten Hoch- und Tiefbauarbeiten und die Verlegung der Druckrohrleitung sorgt die Gottfried Guster GmbH. Die oberösterreichische Geotrade Tiefbauprodukte GmbH lieferte das gesamte Rohrmaterial des knapp 2 km langen Kraftabstiegs, der zur Gänze aus GFK-Rohren DN600 der Marke SUPERLIT besteht.

Die im Frühjahr 2020 gestartete Umsetzungsphase des Wasserkraftwerks Zanitzenbach auf dem Gebiet der steirischen Marktgemeinde Obdach im Bezirk Murtal neigt sich im Oktober ihrem Ende zu. Innerhalb eines halben Jahres Bauzeit konnten bei der nach dem Ausleitungskonzept konzeptionierten Anlage erhebliche Fortschritte erzielt werden. Der Neubau in unmittelbarer Nähe zur Landesgrenze mit Kärnten wird von der Kleinwasserkraftwerke Forchhammer GmbH realisiert, die zur Florian Forchhammer Stiftung gehört. Der im Vorjahr früh verstorbene Florian Forchhammer war ein Mensch mit vielerlei Interessen. Neben dem Sammeln und Handeln mit Kunstwerken und Antiquitäten hatte sich dieser auch der sauberen Energiegewinnung aus Wasserkraft verschrieben. Davon zeugt unter anderem das denkmalgeschützte Wasserkraftwerk Stallegg im Schwarzwald, dessen Erhalt, Betrieb und Pflege von Forchhammer in seinem Testament festgeschrieben wurde. Das jüngste im Rahmen der Stiftung gebaute Kraftwerk in Österreich steht nun kurz vor seiner Fertigstellung.

Anlagen-Equipment vom Komplettanbieter
„Die Genehmigung zur Errichtung des Wasserkraftwerks am Zanitzenbach wurde von der Kleinwasserkraftwerke Forchhammer GmbH von einem Konzessionsinhaber erworben“, erklärt Josef Wögerbauer, seines Zeichens technischer Leiter bei der WWS Wasserkraft GmbH und Projektmanager des Neubaus. Wögerbauer weist ergänzend darauf hin, dass WWS-Geschäftsführer Christoph Wagner auch gleichzeitig als Geschäftsführer der Kleinwasserkraftwerke Forchhammer GmbH agiert. Als Komplettanbieter für Gesamtlösungen im Wasserkraftbereich, die weit über die Lieferung und Montage von Turbinen hinausgehen war es naheliegend, dass WWS die Ausführung des gesamten Anlagen-Equipments übernimmt. „Das Lieferprogramm besteht aus den Stahlwasserbaukomponenten, der elektromechanischen Ausstattung und der Kraftwerkssteuerung. Darüber hinaus erledigten wir auch die Projekt-Planung und die Ausschreibung“, so Wögerbauer. Als Herzstück der Anlage fertigen die Oberösterreicher eine hydraulisch geregelte 2-düsige Pelton-Turbine mit direkt gekoppeltem Synchron-Generator. Bei einer Ausbauwassermenge von 330 l/s und einer Bruttofallhöhe von ca. 130 m wird die Turbine unter Volllast eine Engpassleistung von rund 350 kW erreichen. Die Wasserfassung wird mit einem fixen Betonwehr ausgeführt. Ein vertikaler Feinrechen inklusive Rechenreinigungsmaschine sorgt vor dem Beginn der Druckrohrleitung für optimale Zuflussbedingungen. Das vom Rechenreiniger entfernte Geschwemmsel wird über eine Spülrinne auf direktem Wege wieder in die Restwasserstrecke abgegeben. Außerdem wird an der Wehranlage ein Ent­sanderbecken errichtet, in welchem die Messsonde der pegelgeregelten Turbine untergebracht wird. Zur visuellen Fernüberwachung der Wasserfassung, an der zur Gewährleistung der ökologischen Durchgängigkeit ein naturnaher Beckenpass errichtet wird, werden insgesamt drei Videokameras installiert.

Kraftabstieg zur Gänze aus GFK DN600
Die insgesamt 1.943 lfm lange Druckrohrleitung DN600 besteht zur Gänze aus glasfaserverstärkten Kunststoffrohren (GFK) der Marke SUPERLIT. Das gesamte Rohrmaterial (Druckstufe PN16, Nenn-Ringsteifigkeit SN5000) inklusive Sonderformstücken lieferte die ebenfalls in Oberösterreich ansässige Geotrade Tiefbauprodukte GmbH. Die vielseitig anwendbaren und weltweit eingesetzten SUPERLIT-Rohre überzeugen mit einer ganzen Reihe von Vorteilen. So entspricht das Rohrdesign internationalen Standards, die eine Betriebsdauer von mehr als 50 Jahren vorgeben. Die hochglatte Innenoberfläche des GFK-Materials minimiert hydraulische Reibungsverluste über die gesamte Lebensdauer hinweg. Weiters sind die verlegefreundlichen Rohrverbindungen flexibel ausgeführt, wobei die Abdichtung der Kupplungen mittels „Full-Face-Elastomerdichtung“ erfolgt. Bei der Dimension DN600 können die Rohrenden innerhalb der Steckmuffen um bis zu 2 Grad abgewinkelt werden, wodurch weitläufige Richtungsanpassungen der Trassenführung ohne den Einsatz zusätzlicher Sonderformstücke möglich werden.

Inbetriebnahme in Sichtweite
Zur Verlegung des knapp 2 km langen Kraftabstiegs und der Ausführung der gesamten Hoch-und Tiefbauarbeiten wurde die im Wasserkraftsektor vielfach bewährte Gottfried Guster GmbH aus der Steiermark beauftragt. Deren Geschäftsführer Gottfried Guster, welcher selbst ein eigenes Kleinwasserkraftwerk betreibt, weist darauf hin, dass sein Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren bereits drei Kraftwerke in der Gegend errichtet bzw. revitalisiert hat. Der Neubau am Zanitzenbach habe einige Herausforderungen mit sich gebracht, erklärt Guster: „Die Platzverhältnisse bei der Rohrverlegung stellten sich abschnittsweise extrem beengt dar, weswegen eine Umfahrungsstrecke angelegt werden musste. In geologischer Hinsicht verläuft die Rohrtrasse durch ein Gebiet mit sehr großen Felsbrocken. Diese Hindernisse im Erdreich wurden mit schwerem Gerät entfernt. Außerdem erforderte die Trassenführung die Herstellung von zwei Bachunterquerungen. Damit die Zufahrt zur Wehranlage möglich wird, musste ein bestehender Forstweg auf einer Länge von rund 200 m um bis zu 5 m abgesenkt werden, wozu wir aufgrund der felsigen Geologie auf Sprengmittel zurückgegriffen haben. Die Weganpassung bringt gleichzeitig eine Verbesserung für den hiesigen Forstbetrieb mit sich. Ein im Winter nicht ungefährlicher Straßenabschnitt konnte erheblich entschärft werden.“



© zek.at