halbzeit beim austausch der TRINKWASSER­LEITUNGEN des wasserverbandes obere enns

Autor: Patricia Pfister , 30.11.2019

Sich häufende Rohrbrüche im Versorgungsgebiet des Wasserverbands Obere Enns machten die Dringlichkeit einer kompletten Leitungserneuerung mehr als deutlich.

Zu „Spitzenzeiten“ musste die Mannschaft bis zu acht Mal im Jahr zum Einsatz ausrücken. Heute ist das Risiko für Rohrbrüche weitgehend gesunken – schließlich wurden bereits rund die Hälfte der altersschwachen PVC-Rohre durch stabiles Gussrohr von TRM ausgetauscht. Dem Ziel, eine 100-prozentige Erneuerung der Trinkwasserleitungen, ist man 2019 wieder um 3,7 km näher gekommen.

 

Und auf einmal stand die Bundesstraße bei St. Johann im Pongau unter Wasser: Ein Rohrbruch legte für geraume Zeit die vielbefahrene Straße lahm. Ein rasches Beheben war damals – der Störfall passierte im Jahr 2012 – dank eines dauereinsatzbereiten Teams möglich. Zwar handelt es sich hierbei nicht um den gängigen Arbeitsalltag, aber um ein Szenario, auf das alle Trinkwasserversorger jederzeit vorbereitet sein müssen. Durch die in aller Regelmäßigkeit auftretenden Rohrbrüche der letzten Jahre stellte sich beim Wasserverband schon eine gewisse Routine ein: „Bis zu acht Rohrbrüche im Jahr mussten repariert werden“, berichtet der Betriebsleiter Gebhard Seiwald von den vielen Ausfällen im Verbandsbereich der Salzburger Gemeinden St. Johann, Flachau und Eben. Und diese treten gerne gerade dann ein, wenn der „Überraschungseffekt“ besonders groß ist: an den Feiertagen, nachts, in der Hochsaison der Wintersportregion oder bei besonders schlechten Witterungsverhältnissen – so fand der kälteste Einsatz bei -26 Grad Außentemperatur statt. Die sich häufenden Rohrbrüche machten den dringenden Handlungsbedarf bewusst – die alten Leitungsrohre mussten nach über 40 Jahren Dienstzeit ausgetauscht werden. Peu à peu wird das gesamte Trinkwasserleitungsnetz mit einer Länge von rund 41 km erneuert, gestartet wurde mit diesem Unterfangen vor zehn Jahren. Mehr als die Hälfte der Rohre wurde bereits ausgetauscht und durch ein für die geologischen Verhältnisse passenderes Rohrmaterial ersetzt.     

Rohrbrüche wegen alten PVC-Rohren    
Die Schwachstelle, die zu den vielen Ausfällen führte, waren die 40 Jahre alten Rohre aus altersschwachen PVC. Die Weichmacher im alten PVC machen die Rohre spröde und anfällig für Rohrbrüche. Sobald das Budget von den Gemeinden gestellt war, machte man sich in mehreren Ausbaustufen an den Austausch. Statt Kunststoff setzte man nun auf stabiles Gusseisen.     

Robustes Gussrohr für nötige Stabilität   
Felsabgänge, Hangrutschungen und andere Erdbewegungen, wie sie in der Region oft vorkommen, zerren an der Beständigkeit von Rohren: Langjährige Stabilität, wie sie die PVC-Rohre nach jahrzehntelanger Nutzung nicht mehr gewährleisten konnten, war für den Wasserband Obere Enns somit oberstes Entscheidungskriterium. Die Wahl fiel auf die duktilen Gussrohre des österreichischen Herstellers Tiroler Rohre GmbH (TRM). Die Verlegung in dem teilweise sehr schwierigen Gelände verlangte nach schub- und zugsicheren Materialien. Der Verband ist mit seiner Entscheidung vollkommen zufrieden: „Wir sind der Meinung, dass der höhere Preis der Gussrohre gegenüber anderen Materialen sich in ihrer Langlebigkeit mehr als auszahlt“, resümiert der Betriebsleiter. Um diese noch weiter zu verlängern, wurden die Rohre zusätzlich in feinkörniges Material gebettet. Dank des feinen Bettungsmaterials entstehen keine Hohlräume, Setzungen werden dadurch vermieden. Eine ­kostengünstige Maßnahme, die die Betriebssicherheit der ohnehin stabilen Gussrohre weiter verlängern soll. Die Senkung des Erdreichs im Zusammenspiel mit den veralteten PVC-Rohren führten dann eben auch zu den vermehrten Rohrbrüchen im Versorgungsgebiet des Wasserverbands: Die alten Rohre waren nicht schub- und zugsicher. Anders nun bei den ausgetauschten Rohren von TRM: Diese können alle 5 m um 3 Grad abgewinkelt werden – somit können Kurven von ca. 25 cm beschrieben werden. Ein wesentlicher Pluspunkt des Gussrohrs ist sein Verhalten beim Leckschlagen: Es leckt, bevor es bricht. Um trotzdem ein Leck rasch zu bemerken – der einzige zweifelhafte Vorteil eines Rohrbruchs ist, dass dieser kaum unbemerkt bleiben kann – hat der Wasserverband mit einem Überwachungssystem vorgesorgt.    

Rohre werden unter Straßen verlegt    
Neben der Überalterung der Rohre war auch die steigende Verbauung im Versorgungsgebiet ein Grund für ein erneuertes Leitungsnetz. „Aufgrund des Ausbaus von Bauflächen achten wir darauf, wenn möglich alle Rohre unter öffentlichen Grund, das heißt entlang der Straßen, zu verlegen. Hier können wir davon ausgehen, dass der Status quo unverändert bleibt“, erklärt Gebhard Seiwald.    

Trinkwasser wird zur Stromerzeugung genutzt    
Das Trinkwasser für Eben, Flachau und St. Johann kommt aus den Marbachquellen, Karstquellen, die rund 11 km südlich von Flachau entspringen und eine hervorragende Wasserqualität liefern. „Wir versorgen in Spitzenzeiten bis zu 40.000 Personen“, erläutert Gebhard Seiwald. Wobei der Bedarf durch den saisonalen Tourismus stark schwankt. Die Konsenswassermenge des Wasserverbands Obere Enns liegt bei 130 l/s – womit es sich angeboten hat, diese zur Stromerzeugung zu nutzen. Dieses Energiepotenzial wird auch gut genutzt: Fünf Trinkwasserkraftwerke produzieren im Versorgungsgebiet Strom, der in das Netz der Salzburg AG gespeist wird.    

Hälfte des Komplettaustauschs der Wasserleitungen abgeschlossen    
Zur Halbzeit des kompletten Leitungsaustausches zieht der Betriebsleiter ein positives Resümee: Nicht nur dank der überzeugenden Materialeigenschaften wird sich der Wasserverband Obere Enns immer gerne für die Gussrohre von TRM entscheiden, punkten kann der Tiroler Hersteller außerdem mit seiner durchdachten Logistik. Geliefert wird, wenn es gebraucht wird – jede Woche transportiert ein Lkw die benötigten Rohre, somit stapelt sich auf der Baustelle kein Material, das zu dem Zeitpunkt nicht verwendet wird. Die Verwendung duktiler Gussrohre wird wohl noch einige Jahre währen – schließlich liegen im Versorgungsgebiet noch rund 20 km Leitungsnetz, die auf ihre Verjüngungskur warten.

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Die TRM-Rohrleitungssysteme stechen unter anderem durch ihre Zementinnenauskleidung, die einen keimfreien Transport von Trinkwasser garantiert, und den Verzicht auf Kunststoffzusätzen hervor.

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Die ohnehin schon gegebene Langlebigkeit von Gussohren wird durch die Bettung in feinkörnigem Material noch weiter erhöht.

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Die Arbeiter hatten beim letzten Bauabschnitt teilweise mit sehr anstrengenden Wetterverhälnissen zu kämpfen. Der Sommer 2019 war gleich von mehreren Hitzewellen geprägt. Hier wird die Pressung durch ein Gerinne vorbereitet.

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Ökostrom mit Trinkwasser: Die Turbinen der Trinkwasserkraftwerke Marbach I (im Bild) und II sind so konstruiert, dass die Wasserqualität nicht unter der Stromerzeugung leidet. So wird etwa auf Ölhydraulik verzichtet, außerdem sind alle Teile, die mit Wasser in Berührung kommen, aus Edelstahl gefertigt.

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Der Vorrat an Gussrohren wird von TRM wöchentlich aufgefüllt. „Just in time“ steht dank des zuständigen Vertriebsmitarbeiters Igor Roblek immer die richtige Menge an Baumaterial zur Verfügung, ohne dass sich zu viel ungenutzte Rohre auf der Baustelle stapeln.

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