Kraftwerke Oberhasli AG baut Ersatzstaumauer an der Grimsel

Autor: Roland Gruber , 03.02.2020

Anfang Juni 2019 fuhren an der Grimsel im Berner Oberland die Baumaschinen auf: Die Staumauer Spitallamm, eine von zwei Mauern, die den Grimselsee stauen, wird neu gebaut.

Der Verwaltungsrat der Kraftwerke Oberhasli AG hat unlängst den Bauentscheid gefällt. Dank der Beteiligung regionaler Baufirmen bleibt ein beträchtlicher Teil der Wertschöpfung im Kanton Bern. Für den Ersatzbau der Spitallamm Mauer rechnet die KWO mit Kosten von 125 Millionen Schweizer Franken. Die Bauarbeiten werden voraussichtlich sechs Jahre dauern.

Die bereits bestehende, stufenförmige Bogenstaumauer Spitallamm, in der Nähe des Grimsel-Hospiz, ist über 90 Jahre alt und sanierungsbedürftig. Nun wird sie durch eine neue Staumauer, die unmittelbar vor der alten zu stehen kommt, ersetzt. Der Verwaltungsrat der Kraftwerke Oberhasli AG hat an seiner heutigen Sitzung den Bauentscheid gefällt und den entsprechenden Kredit von rund 125 Millionen Franken freigegeben. „Der positive Entscheid des Verwaltungsrates freut mich sehr“, meint dazu Daniel Fischlin, Leiter der KWO. „Uns war wichtig, dass wir das Wasser aus dem Grimselsee langfristig und ohne Einschränkung für die Stromproduktion nutzen können. Mit dieser Neubau-Variante ist dies nun der Fall. Die Ersatzstaumauer an der Spitallamm ist für die KWO ein wichtiges und gleichzeitig attraktives Projekt“, so Fischlin weiter.

Großer Teil der Wertschöpfung bleibt im Kanton Bern  
Den Auftrag für den Bau der neuen, rund 113 Meter hohen, doppelt gekrümmten Bogenmauer geht an die Arbeitsgemeinschaft Grimsel bestehend aus der Frutiger AG aus Thun, der Implenia Schweiz AG mit Sitz in Dietlikon im Kanton Zürich und der Ghelma AG Baubetriebe aus Meiringen. Die drei Firmen haben das wirtschaftlich und technisch attraktivste Angebot eingereicht. Die Hauptverantwortung innerhalb der Arbeitsgemeinschaft Grimsel trägt Frutiger mit einem Anteil von 42,5 Prozent. Ebenfalls 42,5 Prozent hält Implenia und die restlichen 15 Prozent Ghelma. Die KWO rechnet damit, dass bis zu 70 Prozent der Wertschöpfung im Kanton Bern bleiben werden. Bei einem Groß- projekt dieser Art ist dies bemerkenswert, da viel Spezialwissen und Erfahrung für den Bau einer Staumauer nötig sind.

Neubau wirtschaftlich und technisch sinnvollste Variante
Die alte, 114 Meter hohe Spitallammsperre an der Grimsel wurde zwischen 1925 und 1932 zeitgleich mit jener an der Seeuferegg gebaut. Seit längerer Zeit weist die Spitallamm Staumauer aber irreversible Verformungen auf, die auf eine sogenannte „Bauwerkstrennung“ in der Mauer zurückzuführen sind. Ein Neubau ist die wirtschaftlich und technisch sinnvollste Lösung, besser als ein Teilabbruch und eine Sanierung der bestehenden Mauer, wie eingehende Abklärungen der KWO ergeben haben. Die jetzige Spitallamm Staumauer bleibt bestehen und wird später geflutet. Ein Stollen neben der alten Mauer sorgt für den hydraulischen Ausgleich des Wasserspiegels. Für die Kraftwerke Oberhasli ist es zentral, das Wasser aus dem Grimselsee, dem Herzstück des Kraftwerksystems, uneingeschränkt über die gesamte Dauer der Bauarbeiten für die Stromproduktion nutzen zu können.

Vorbereitungsarbeiten an der Grimsel starten im Sommer
Eine Baustelle im Hochgebirge auf rund 1.900 Meter über Meer ist für alle Beteiligten anspruchsvoll – vor allem wegen der schwierigen Wetterbedingungen und der Logistik. Gebaut wird daher voraussichtlich jeweils in den Monaten Mai bis Oktober. Anfang Juni 2019 beginnen nun die Vorbereitungsarbeiten für den Staumauerbau. In einem ersten Schritt richten die Arbeiter die Zufahrtswege beziehungsweise Baustellenplätze ein. Zudem wird ein neuer Erschließungsstollen von der Seeuferegg Staumauer unter dem Grimselnollen hindurch zur neuen Spitallamm Staumauer ausgebrochen. Gegen Ende des Sommers 2019 soll der seitliche Aushub für die neue Mauer beginnen. Ein grosser Teil der Zuschlagstoffe für den Beton wird lokal an der Gerstenegg, vor der Staumauer des Räterichsbodensees, aufbereitet, wo sich eine alte Deponie für das Ausbruchsmaterial von früheren Arbeiten im Grimselgebiet befindet. Dies ist ökologisch und logistisch sinnvoll, weil Transportfahrten per Lastwagen somit kurz bleiben. Trotzdem müssen Besucherinnen und Besucher der Grimsel während der Sommermonate rund und um die Baustelle mit zusätzlichem Verkehr rechnen.

Alpinhotel Grimsel Hospiz
im Sommer 2019 geschlossen
Gleichzeitig mit den Vorbereitungsarbeiten für die Spitallamm Staumauer im Sommer 2019 wird, nebst weiteren Renovationsarbeiten, das Dach des Alpinhotel Grimsel Hospiz saniert. Das Hotel ist wegen dieser Arbeiten sowie aus Sicherheitsgründen aufgrund des Baustellenbetriebs auf dem Grimsel Nollen im Sommer 2019 geschlossen. Die gilt ebenso für die Zufahrt über die Staumauer Seeuferegg. In der Wintersaison 2019/20 ist das Hotel wie gewohnt in Betrieb und im Sommer 2020 sind sowohl Hotel als auch Nollen wieder für Besucherinnen und Besucher geöffnet. Mit spezifischen Besucherinformationen und einem Baustellenrundgang wird die KWO eingehend über die spektakuläre Hochgebirgsbaustelle an der Grimsel informieren.

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Die über 90-jährige stufenförmige Bogenstaumauer Spitallamm unweit des Grimsel-Hospizes wird durch eine neue Staumauer ersetzt. Die Arbeiten dafür beginnen im Juni dieses Jahres.

Foto: KWO

Grimsel Spitallammsperre KWO Archiv 1960 web

 

Die Spitallammsperre wurde in den 1930er Jahren errichtet.

Foto: KWO

Grimsel Staumauer Spitallamm Bruno Laesser web

 

Irreversible Verformungen in der Bauwerkstruktur der Spitallamm-Staumauer ist der Grund für den Neubau.

Foto: KWO

Grimsel Staumauer Spitallamm Christian Helmle web

 

Die Baustelle auf 1.900 Meter Seehöhe bringt große Herausforderungen mit sich.

Foto: KWO