Obersteirisches Kraftwerk Köberlbach nach Kompletterneuerung vor Wiederinbetriebnahme

Autor: Roland Gruber , 19.09.2018

Nach einer Bauzeit von rund sechs Monaten ging im Frühjahr in der obersteirischen Gemeinde Gaishorn am See ein im Prinzip völlig neues Kleinwasserkraftwerk am Köberlbach wieder in Betrieb.

Die bereits in den 1920er Jahren errichtete Anlage entsteht im Zuge des Umbaus fast völlig neu. Bis auf ein bereits vor rund 15 Jahren getauschtes Teilstück der Druckrohrleitung und dem Kraftwerksgebäude werden sämtliche Anlagenkomponenten von Grund auf erneuert. Durch eine Steigerung von Fallhöhe und Ausbauwassermenge kann die nun mit einer 3-düsigen Pelton-Turbine ausgestattete Anlage ein deutliches Plus an Stromertrag erwirtschaften. Die abschnittsweise bei 100% Gefälle verlaufende Rohrtrasse wurde auf einer Länge von über 1.000 m zur Gänze in hochbeständigen duktilen Gussrohren in schub- und zuggesicherter Ausführung verlegt. Das vom oberösterreichischen Vertriebsprofi Geotrade bereitgestellte Rohrmaterial konnte sich während der sowohl boden- als auch witterungsbedingt herausfordernden Winterbaustelle bestens bewähren.

Die Erstinbetriebnahme des im nördlichen Teil der Marktgemeinde Gaishorn am See im Bezirk Liezen gelegenen Kraftwerks Köberlbach liegt mehr als 90 Jahre in der Vergangenheit. Gemäß Aufzeichnungen wurde bereits 1926 das erste Mal Strom mit der Ausleitungsanlage produziert. Nach der Jahrtausendwende ging sie von der Gemeinde Gaishorn in ein neues Besitzverhältnis über. Im Zuge der Übernahme ersetzte man bereits 2003 die alte Turbine durch einen modernen Maschinensatz. Rund 10 Jahre später wurde beim Behördenverfahren zur Erneuerung der Wasserrechte eine Erhöhung der Ausbauwassermenge um 50 l/s auf insgesamt 170 l/s gewährt. Die erhöhte Ausbauwassermenge und die ebenfalls genehmigte Steigerung der Fallhöhe machte den Neubau schließlich wirtschaftlich möglich. Bis auf das Kraftwerksgebäude und ein rund 160 m langes Teilstück der Druckrohrleitung (DRL), das bereits 2003 getauscht wurde, werden nun alle Anlagenkomponenten von Grund auf erneuert.

Anspruchsvolle Bauarbeiten
Nach dem Erhalt der finalen Genehmigung und dem Abschluss des Ausschreibungsverfahrens starteten die Bauarbeiten mit der Verlegung der DRL im September des Vorjahres. Schon kurz darauf folgten die Aushub- und Betonarbeiten an der als Tiroler Wehr ausgeführten Wasserfassung. Diese wurde zur Steigerung der Fallhöhe weiter bachaufwärts völlig neu errichtet. Umgesetzt wurden die gesamten Hoch- und Tiefbauarbeiten von der im Wasserkraftbereich vielfach bewährten Gottfried Guster GmbH aus der Obersteiermark. „Trotz der nicht idealen Witterungsbedingungen bei Schnee und Kälte konnte die insgesamt 1.026 m lange DRL in rund drei Monaten Bauzeit komplett verlegt werden. Eine zusätzliche Herausforderung waren die abschnittsweise schwierigen geologischen Verhältnisse und bis zu 100% steile Geländeabschnitte“, erklärt Baumeister Gottfried Guster. Weiters erforderte die gewählte Leitungsführung die Herstellung einer Bachunterquerung sowie die zweimalige unterirdische Kreuzung einer Forststraße. Aufgrund der anspruchsvollen Bodenbedingungen - das Projektgebiet befindet sich geologisch gesehen in der sogenannten Grauwackenzone der Alpen - wurde die gesamte Leitung mit einem Durchmesser von DN400 in zug- und schubgesicherter Ausführung verlegt. Obwohl die Bauarbeiten bei nicht idealen Bedingungen ausgeführt wurden, konnte die Rohrleitung, die in Summe 312 m Gefälle überwindet, bis Ende November fertig verlegt werden.

Zug- und schubgesicherte Ausführung
Die minimale aber dennoch permanente Bewegung des Erdreichs stellt dank des beständigen und nach ÖNORM 545 zertifizierten Druckrohrsystems aus duktilem Gusseisen kein Thema dar. Als hochfeste Rohrverbindung kommt eine mittels Riegel gesicherte längskraftschlüssige Muffenverbindung zum Einsatz. Bereitgestellt wurde das gesamte Rohrmaterial vom oberösterreichischen Experten für Rohrvertrieb aus dem Mühlviertel, der Geotrade Handelsges.m.b.H. Neben den robusten Materialeigenschaften überzeugen die Rohre des Herstellers SVOBODNY SOKOL laut Geotrade-Geschäftsführer Franz Leitner mit einer Reihe von weiteren Vorteilen. So ist das Gussrohr sowohl innen als auch außen mit jeweils hochwertigen Beschichtungen ausgekleidet beziehungsweise ummantelt. Im Außenbereich erhält das Rohr eine Zink- oder Zink-Aluminiumoxid-Beschichtung und ist somit auch für die Verlegung in aggressiven Böden geeignet. Zusätzlicher Schutz wird durch eine weitere Außenschicht auf Bitumenbasis erreicht. Die überaus glatte Rohr-Innenfläche hingegen besteht aus einer Zementmörtel­auskleidung. Neben den ausgezeichneten Fließbedingungen sorgt der Zementmörtel sowohl für aktive als auch passive Schutzwirkung. Die Beschichtung mit Zementmörtel ermöglicht sogar einen „Selbstheilungsprozess“ von Haarrissen oder Mikro-Beschädigungen. Schadhafte Stellen, die beispielsweise beim Einbau oder Transport auftreten können, verschließen sich in Folge einer chemischen Reaktion, die beim Kontakt des Triebwassers mit dem durchlässigen Zementmantel und dem Gusseisen entsteht, von selbst.

Inbetriebnahme steht bevor
Große Schneemengen und tiefe Temperaturen weit unter dem Gefriergrad machten im Februar einen rund zweiwöchigen Baustopp unumgänglich. Nach der zwangsweisen Unterbrechung und dem Abschluss von noch ausständigen Betonarbeiten an der Wehranlage wird die Anlage demnächst in Betrieb gehen. Nach dem Komplettumbau sorgt nun eine horizontale 3-düsige Pelton-Turbine von ANDRITZ Hydro mit einer Drehzahl von 1.000 U/min für eine Fast-Verdreifachung der Leistung gegenüber dem Altbestand. Bei der üblicherweise im April einsetzenden Schneeschmelze wird die mit einem Synchron-Generator von Hitzinger gekoppelte Turbine eine Engpassleistung von 430 kW erreichen können. Der erzeugte Strom wird zur Gänze ins öffentliche Netz eingespeist. Mit dem Neubau steigert sich ebenfalls die durchschnittliche Jahresproduktion um mehr als das Doppelte von vormals rund 700.000 auf künftig 1.600.000 kWh.


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