SIEMENS TRANSFORMATORENWERK FEIERT 125-JÄHRIGE ERFOLGSGESCHICHTE

Autor: Mario Kogler , 26.06.2017

Mit rund 1.000 Gästen feierte Siemens Österreich am 12. Mai in der oststeirischen Industrie­stadt Weiz das mittlerweile 125-jährige Bestehen des Standortes.

Mit rund 1.200 Beschäftigten ist das ­Unternehmen der größte Arbeitgeber der 12.000 Einwohner-Stadt. Mitarbeiter, Kunden und Vertreter aus Politik und Wirtschaft waren der Ein­la­dung gefolgt, um mit ­Siemens im Hochspannungs­laborato­rium des Transforma­torenwerks das Firmenjubiläum zu feiern. Weiz ist der weltweit größte ­Siemens-Standort für den Bau und die Entwicklung von Transformatoren.

Am Anfang stand die Vision von Franz Pichler, der 1892 die Stadt Weiz mit Strom versorgen wollte. Er war es, der den ersten Transformator baute. 125 Jahre später liefert Siemens aus Weiz jährlich mehr als 4.000 Transformatoren in über 70 Länder. Der Jahresumsatz liegt bei circa 400 Millionen Euro, rund 80 Prozent der Produkte gehen in den Export. Neben den 4.000 Verteiltransformatoren werden in Weiz pro Jahr im Schnitt 150 Leistungstransformatoren, Drosseln und Phasenschieber gefertigt. In der 125-jährigen ­Geschichte hat sich das Transformatorenwerk zu einem wesentlichen Motor für die regionale Wirtschaft und Beschäftigung entwickelt. Insgesamt sind rund 900 Unternehmen in Österreich involviert, wenn Siemens in Weiz Transformatoren entwickelt und baut. Bei Forschung und Entwicklung, für die Weiz die globale Verantwortung trägt, wird eng mit österreichischen Hochschulen, wie der TU Graz, kooperiert.

WICHTIGSTE RESSOURCE MITARBEITER
„Verantwortungsvoll, exzellent und innovativ“ lauten die Schlagworte der Firmenphilosophie, die längst nicht nur für die Produkte gilt. Diese Philosophie wird auch auf die Mitarbeiter umgelegt – und in täglicher Praxis gelebt. „Die Mitarbeiter sind unsere wichtigste Ressource, ohne die läuft hier gar nichts“, sagt Werksleiter, Stefan Pieper nicht ohne Stolz. Rund 15 Lehrlinge werden pro Jahr am Standort Weiz ausgebildet. Dabei nimmt Siemens die Ausbildung seiner Mitarbeiter sehr ernst. „Insgesamt haben wir eine sehr geringe Fluktuation, was klar für unseren Standort spricht“, so Stefan Pieper. Der Frauenanteil in den technischen Berufen ist mittlerweile sogar auf über 20 Prozent gestiegen.
Insgesamt beschäftigt Siemens in Weiz rund 1.200 Mitarbeiter. Mit dieser Belegschaft bedient man die gesamte Wertschöpfungskette angefangen von Forschung und Entwicklung, über Vertrieb, Engineering, Projektmanagement, Logistik und Fertigung bis hin zu ­Abnahmeprüfung, Endmontage und Inbetriebnahme von Transformatoren. „In unserer Branche ist das Vertrauen der Kunden äußerst wichtig und das erreichen wir durch unsere hohe Produkt- und ­Servicequalität. Dabei spielen unsere Mitarbeiter eine Schlüsselrolle“, erklärt Stefan Pieper.

HERSTELLUNG IN HANDARBEIT
Die Herstellung der Transformatoren erfolgt in der Regel auf Bestellung. Das bedeutet, dass jeder einzelne individuell und handgefertigt ist. „Wir sind eine Manufaktur – wir arbeiten mit den Händen. Jeder Kunde hat andere Anforderungen und Wünsche, sodass es nicht möglich wäre, hier auf Lager zu produzieren“, meint Werksleiter Stefan Pieper. Hat ein Transformator alle Stationen der Produktion durchlaufen, wird seine Qualität erst im Belastungstest in der Testhalle eruiert. „Wenn er das aushält, ist der Dauerbetrieb nur mehr Formsache“, so Stefan Pieper und verweist auf die hohen Standards dieser Qualitätsprüfung. Die Transformatoren werden mit dem Vielfachen der Betriebsspannung an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gebracht und so auf Herz und Nieren geprüft. „Erst mit dem Test kann letztlich be­urteilt werden, ob der Transformator den Anforderungen entspricht oder eben nicht. Erst hier werden eventuelle Fehler in der Produktionskette sichtbar“, sagt Beatrix Natter, Leiterin der globalen Business Unit Transformatoren. Die Transformatoren aus Weiz haben eine durchschnittliche Lebensdauer von 30 bis 50 Jahre.

VON DER NOT ZUR TUGEND
Der Standort verfügt in Vergleich zu anderen Industriestandorten, die häufig an Häfen gebaut sind, lediglich über eine Bahnanbindung als Distributionsweg. Dadurch ist ein bestimmtes Limit vorgegeben, das von den Transformatoren in Größe und Gewicht nicht überschritten werden darf. Dieser „limitierende Faktor“ führte in Weiz schon vor geraumer Zeit zu einem Innovationsschub, der sich durch eine stetige Verbesserung im Hinblick auf eine immer kompaktere Bauweise der Transformatoren manifestierte. Unter anderem machte dieses Know-how den Standort in Weiz strategisch so erfolgreich. „Das Verkehrsthema ist deshalb so wichtig, weil der Kunde den Transport der teilweise über 800 Tonnen schweren Transformatoren in der Regel direkt im Auftrag verankert. Wir verantworten praktisch nicht nur die Produktion, sondern auch den Transport“, so Stefan Pieper.
Ein weiteres Kriterium, das immer häufiger von Kunden nachgefragt wird, ist die Frage nach der Lärmentwicklung im Vollbetrieb. Das betrifft vor allem Transformatoren, die inmitten von Wohngebieten betrieben werden. Auch dafür liefern die Spezialisten von Siemens maßgeschneiderte Lösungen – wie ein kürzlich abgewickeltes Projekt in der Londoner Innenstadt eindrucksvoll bestätigt hat.

UMWELTFREUNDLICH UND INNOVATIV
Ebenfalls ein Thema unserer Zeit betrifft die Umweltfreundlichkeit der Produkte – ein Aspekt, dem man im Werk in Weiz seit längerem Rechnung trägt. „Wir befüllen unsere Produkte heute alternativ mit Ester, anstelle von normalem Mineralöl als Isolierflüssigkeit“, erklärt Stefan Pieper. Ester hat im Vergleich zum Mineralöl einen höheren Brennpunkt (> 300 °C), Flammpunkt (> 250 °C) und eine höhere Zündtemperatur (> 375 °C). Außerdem ist es leicht biologisch ­abbaubar und wird als nicht Wasser gefährdend eingestuft. „Das hat den Vorteil, dass die mit Ester gefüllten Transformatoren im Falle einer Naturkatastrophe die Umwelt nicht belasten und Projekte mit erhöhten Umwelt- sowie Sicherheitsstandards nachhaltig realisiert werden können“, so Beatrix Natter ergänzend. Des Weiteren wurden auch schon kugelsichere- und sogar explosionsfeste Transformatoren
ausgeliefert. Als jüngste Innovation wurde ein „Plug and play-Transformator“ vorgestellt, der innerhalb von zwei bis vier Tagen Montagezeit vor Ort in Betrieb gehen kann. Das ist weltweit der einzige mobile Notfalltransformator, der speziell bei Betriebsausfällen für Netzsicherheit sorgt.

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Rund 1.000 Gäste feierten im Hochspannungslabor das 125-jährige Bestehen des Transformatorenwerks.

Foto: Siemens / Andritz Hydro

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v.l.: Erwin Eggenreich, Bürgermeister der Stadt Weiz; Johann Griebichler, langjähriger Mitarbeiter; Johann Kreimer, Betriebsrat Siemens Weiz; Beatrix Natter, Leiterin der globalen Business Unit Transformatoren; Stefan Pieper, Werksleiter und Wolfgang Wrumnig, CFO, Siemens AG Österreich.

Foto: zek

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Mit seinem Pioniergeist legte Franz Pichler bereits 1892 den Grundstein für den heutigen Erfolg. Im Bild: Franz Pichler 1897 auf einer Drehstrom-Grubenlokomotive.

Foto: Siemens/ Andriz Hydro

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Der Siemens Standort in Weiz in seiner heutigen Größe.

Foto: Siemens / Andritz Hydro

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Aufgrund der individuellen Aufträge erfolgt die Wickelung der Magnetspulen von Hand.

Foto: Siemens / Andritz Hydro

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In die Vormontagehalle kommen die Transformatoren zur Endfertigung.

Foto: Siemens / Andritz Hydro

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Die neuen Plug & Play Transformatoren wurden bereits an Westar in Kansas City ausgeliefert.

Foto: Siemens / Andritz Hydro

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Der mit synthetischem Ester gefüllte Transformator entspricht den hohen Umweltauflagen des Projekts Highbury im Herzen Londons.

Foto: Siemens / Andritz Hydro

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Danach werden die Transformatoren am Prüffeld gründlich getestet und müssen dabei höchste Qualitätstandards erfüllen.

Foto: Siemens / Andritz Hydro