Südtiroler Rechenreinigungstechnik fährt auf der Innovationsschiene

Autor: Andreas Pointinger , 30.07.2018

Hoher technischer Standard, maßgeschneiderte Lösungen und markantes Design sind die Zutaten des Rezepts, das die stahlwasser- und maschinenbaulichen Ausführungen von Wild Metal auszeichnet.

Mittlerweile sind seine stahlwasserbaulichen Lösungen nicht nur in den DACH-Ländern und Italien, sondern auch international sehr gefragt. Wenig überraschend zählt das Unternehmen aus Ratschings daher auch zu den jenen Anbietern, an die sich Kraftwerksbetreiber wenden, wenn sie neue Horizontalrechen und die dazugehörigen RRM planen. Zig Referenzanlagen dienen dafür als Visitenkarte.

Der Rechen am Einlauf entscheidet nicht selten darüber, wie effektiv sich die Performance bzw. die Jahreserzeugung einer Wasserkraftanlage darstellt. Dabei geht es um möglichst optimale strömungstechnische Bedingungen einerseits sowie um die gene­relle Verfügbarkeit andererseits. Zusätzlich kommt heute noch ein weiterer Aspekt ins Spiel – und zwar die ökologische Verträglichkeit, oder anders ausgedrückt: die Fischfreundlichkeit des Systems. EU-weite Ziele und nationale Gesetzgebungen machen zunehmend Fassungsvarianten erforderlich, bei denen die Fische möglichst keinen Schaden nehmen.
Als sehr gute Lösung für diese Frage hat sich in jüngster Zeit der Einsatz von schräg zur Anströmrichtung ausgerichteten Horizontalrechen etabliert, die einerseits als Schutz- barriere und anderseits als Leithilfe für die Wanderung der Fische fungieren. Horizontalrechen vereinigen somit die geforderte Fischfreundlichkeit mit den wesentlichen hydraulischen Kriterien für einen effizienten Kraftwerksbetrieb. Letzterer hängt dabei nicht nur vom gewählten hydraulischen Design der verwendeten Rechenstäbe, sondern auch von der Effizienz und Zuverlässigkeit der eingesetzten Rechenreinigungsmaschine ab. Daher sind Betreiber auch gut beraten, bei der Konzeption von Horizontalrechen mit den Spezialisten der Branche zu sprechen, wie etwa der Firma Wild Metal – nur wenige Kilometer südlich des Brenners gelegen. In den letzten Jahren hat das Unternehmen aufgezeigt, wie hohe Qualität und Innovation vereint optimale technische Lösungen hervorbringen.

Präzision auf 16 Meter Länge
Durchaus speziell waren etwa die Anforderungen, die der Bau des Kraftwerks Gohlhaus im Berner Lützelflüh an die erfahrenen Ingenieure von Wild Metal stellen sollte. Vor allem die Rechenfeldlänge von 16 m an dem im Sommer 2016 eröffneten Emme-Kraftwerk war ein Schritt in eine neue Größendimension. Der Feinrechen weist eine lichte Stabweite von 15 mm auf und entspricht damit den strengen Anforderungen des Fischschutzes. Die Rechenreinigungsmaschine RRM wurde so konzipiert, dass der Arm mit der Putzharke das Schwemmgut seitlich abstreift, wodurch es dann weiter über den Spülschütz ins Unterwasser geleitet wird. Der Reinigungsbetrieb an sich geht sehr zügig voran. Mit 80 cm/s bewegt sich der Putzarm, angetrieben von einem hochwertigen Servomotor, vollautomatisch über den Einlauf. Dank einer präzisen Wegerfassung verfügt die Anlage stets über die millimetergenaue Positionsinformation des Putzarms. Darüber hinaus wurde die RRM auch sehr robust ausgeführt, schließlich muss sie auch in der Lage sein, den durchaus häufig zu erwartenden Hochwässern der Emme standzuhalten.

Putzvorgang im Flüstermodus
Ein brandneues Referenzprojekt eines Horiztontalrechens mit RRM hat der Südtiroler Branchenspezialist erst vor kurzem im oberösterreichischen Windischgarsten zum Abschluss gebracht. Für das Ausleitungskraftwerk Kaufmannsmühle am Dambach mitten im Ortskern der Gemeinde lieferte Wild Metal im Paket der gesamten stahlwasserbaulichen Ausrüstung auch einen modernen Horizontalrechen mit einer Einlaufbreite von     6 m und einer Tauchtiefe von 1,2 m, der von einer volllautomatischen RRM gereinigt wird. Durch die geringe Durchgangsweite von 18 mm in Kombination mit einer geringen Fließgeschwindigkeit am Rechen wird effektiv verhindert, dass Fische am Rechen „angesaugt“ werden und dort verenden. Besonders großen Wert wurde von Betreiberseite auf die RRM gelegt, die neben ihrer soliden Funktionalität noch ein weiteres Kriterium erfüllen musste: Geräuscharmut. Da in direkter Umgebung der Wasserfassung Anrainer zuhause sind, sollte von der Bewegung des Putzarms möglichst wenig zu hören sein. Dank der ausgeklügelten Fahrtechnik, wobei die Geschwindigkeit über Frequenz­umformer geregelt wird, und einer hochwertigen Ausführung gelang es letztlich, einen flüsterleisen Betrieb zu gewährleisten. Aus Sicherheitsgründen – ein Weg führt rück­seitig unmittelbar am Fassungsbereich vorbei – wurde die RRM vollständig mit einer Polycarbonat-Abdeckung eingehaust. Der Be­­trei­ber der Anlage zeigte sich höchst angetan von den technischen Lösungen aus dem Hause Wild Metal.

Die Lösung gegen „Crushed Ice“
Bei den beiden genannten Kraftwerken Gohlhaus und Kaufmannsmühle handelt es sich um exemplarische Referenzbeispiele für Niederdruckanlagen. Doch auch bei Hochdruckanlagen werden heute immer öfter Horizontalrechen installiert. Ein echtes Vorzeigeprojekt in dieser Hinsicht stellt die Wasserfassung am Kraftwerks Susasca unweit des bekannten Flüelapasses dar. 2016 erfuhr die Anlage nicht nur eine Erweiterung der elektromaschinellen Einrichtung, sondern auch einen Umbau an der Wasserfassung. An Stelle des fünf Jahre alten, vertikalen Rechens sollte ein neuer Horizontalrechen mit 18 mm Spaltbreite installiert werden. Zwei Gründe lagen dem zugrunde: Einmal wollte man eine fischökologische Verbesserung bewirken, zum anderen ein Schwank-Sunk-Problem beheben, das sich in den Wintermonaten durch kleines, quasi „crushed“ Eis eingestellt hatte. Dieses verklebte im Inneren des Rechens und verstopfte ihn. Nach dem Abstellen der Maschinen, dem manuellen Ausräumen des Rechens und dem Wiederanfahren kam es in der Restwasserstrecke immer     wieder zu Schwallbildung. Die Lösung dafür lieferte Wild Metal mit einem speziellen   Horizontalrechen, der dreiseitig beheizt werden kann. Auf diese Weise wird die Eisbildung bereits am Rechen verhindert. Die Winter danach zeigten eindrücklich: es funktioniert.
Das Team von Wild Metal unter der Leitung von Markus Wild steht nicht umsonst im Ruf, sehr flexibel auf Kundenwünsche und spezielle Anforderungen reagieren zu können. Individuelle technische Lösungen, die dabei höchste Standards in Sachen Funktionalität und Zuverlässigkeit erfüllen, gelten mittlerweile als Markenzeichen des Südtiroler Stahlwasserbauers. Darüber hinaus bekommen Wasserkraftkunden bei Wild Metal auch noch das „Tüpfelchen auf dem i“ – und zwar das typische, markante Design eines Stahlwasserbauers von Format.

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Am Kraftwerk Susasca wurde von einem vertikalen Feinrechen auf einen Horizontalrechen umgebaut.

Foto: zek

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Am Kraftwerk Hard bei Winterthur setzte man auf die Vorteile des Horizontalrechens. Der Feinrechen sowie die zugehörige Rechenreinigungsmaschine wurden vom Südtiroler Branchenspezialisten Wild Metal realisiert.

Foto: zek

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Eine Putzbreite von 16 m bewältigt die horizontale RRM am Einlauf des Kraftwerks Gohlhaus im Kanton Bern.

Foto: zek

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Da direkt hinter der Wasserfassung des KW Kaufmannsmühle ein Spazierweg vorbeiführt, wurde die Rechenanlage zum Schutz mit einer Polycarbonat-Einhausung versehen.

Foto: Wild Metal

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Flüsterleise arbeitet die neue RRM am Horizontalrechen des Kraftwerks Kaufmannsmühle.

Foto: Wild Metal

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Der Horizontalrechen für das 6 MW-Kraftwerk Susasca wurde 2016 anstelle eines vertikalen Feinrechens installiert. Die Ingenieure von Wild Metal warteten dabei mit einer speziellen Lösung für ein bislang sehr unangenehmes Problem mit kleinen Eisstücken auf, die im Inneren des Rechens zusammenfroren: Durch eine Beheizbarkeit des Rechenelements auf drei Seiten wird nun die Eisbildung an den Rechenstäben verhindert.

Grafik: Wild Metal

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Dank einer Plexiglas-Einhausung ist die Rechenreinigungsmaschine an der alpin gelegenen Wasserfassung des KW Susasca gut geschützt.

Foto: zek