Beliebte Alpenvereinshütte nutzt Ökostrom aus eigenem Kraftwerk mit Durchström-Technologie

28. September 2026, Lesedauer: 5 min

Bild: © OSSBERGER

Eine neue Turbinenanlage mit höherem Gefälle, der die Reintalangerhütte am Fuße der Zugspitze mit Strom versorgen soll, kam aus Kostengründen nicht in Frage. Daher entschieden sich die Verantwortlichen der Alpenvereinssektion München für eine Überholung und Teilerneuerung der bestehenden Anlage, die vom Team der Firma OSSBERGER im Frühling dieses Jahres erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Ausgestattet mit einem neuen, strömungsoptimierten Laufrad aus Edelstahl, wartungsfreien Leitschaufellagern und einer modernen Steuerung sowie einem neuen Synchrongenerator wurde die Anlage nicht nur auf den Letztstand der Technik gebracht, sondern darüber hinaus auch die elektrische Leistung um knapp 20 Prozent hinaufgeschraubt. Damit wird die Energieversorgung der beliebten Alpenvereinshütte an den gestiegenen Bedarf angepasst.

Wasserkraft für die Reintalangerhütte

Für die meisten Wanderer und Alpinisten, die über den klassischen Weg in Richtung Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze, unterwegs sind, ist die idyllisch gelegene Reintalangerhütte ein höchst beliebter und entsprechend stark frequentierter Stützpunkt. Sie wurde schon 1881 auf circa 1370 m Seehöhe am hinteren Ende der Garmisch-Partenkirchener Reintal-Schlucht in unmittelbarer Nähe zur glasklaren Partnach erbaut. Heute wird sie von der Sektion München betrieben und ist üblicherweise von Ende Mai bis Mitte Oktober bewirtschaftet. Über sauberen Strom zur Eigenversorgung verfügt die Berghütte im Wetterstein seit dem Jahr 1983, als eine zweizellige Durchströmturbine von OSSBERGER mit mechanischem Drehzahlregler installiert wurde. Für Notfälle steht auch ein Dieselaggregat zur Verfügung. Warum man sich damals schon für die Durchströmtechnologie von OSSBERGER entschieden hatte, liegt auf der Hand: Schließlich zählt auf einer Berghütte weniger Spitzenleistung und hochgeschraubte Wirkungsgrade, sondern vielmehr Wartungsarmut, Zuverlässigkeit, Langlebigkeit und Erzeugung auch dann, wenn wenig Wasser fließt. Exakt das, was die typische OSSBERGER-Turbine ausmacht.

Durchströmturbine nach über 40 Jahren modernisiert

2025 wurde von der Sektion München eine Energiestudie zur Verbesserung der angespannten Energiesituation aufgrund der hohen Besucherzahlen und der behördlichen Auflagen bezüglich Kühlung, BMA, Trinkwasseraufbereitung, Kläranlage, etc. in Auftrag gegeben. Das Ergebnis der Studie bewertete zwar den Neubau des Maschinensatzes in Kombination mit der Nutzung einer größeren Fallhöhe als grundsätzlich positiv. Doch aufgrund der Kosten kam diese Variante nicht in Frage, daher entschieden sich die Verantwortlichen für eine Überholung der bestehenden Durchströmturbine und die Modernisierung des Maschinensatzes sowie der Steuerung mit Einbau eines Batteriespeichers, sowie einer Wärmepumpe und – falls noch nicht ausreichend – optional eine PV-Anlage.
Der Auftrag über das Projekt erging an die Firma OSSBERGER.Unter der Führung des erfahrenen Technikers Dieter Wirth wurde der Ausbau des über 40 Jahre alten Maschinensatzes im Spätherbst 2025, unmittelbar vor der Winterruhe der Hütte bewerkstelligt. Die Bauteile wurden per Helikopter ins Tal verfrachtet und danach per Lkw ins OSSBERGER-Werk nach Weißenburg gebracht.

Neuer blauer Ossberger Maschinensatz mit Steuerung im Schaltschrank in einem Technikraum.
Wie neu: Der rundum sanierte Maschinensatz der Reintalangerhütte.
© OSSBERGER

Modernisierung im OSSBERGER-Werk in Weißenburg

Im OSSBERGER-Werk wurde in der Folge das Turbinengehäuse überholt, neue wartungslose Leitschaufellager eingebaut und ein neues, strömungsoptimiertes Edelstahl-Laufrad gefertigt und implementiert. „Anstelle des mechanischen Drehzahlreglers kam nun eine moderne Steuerungseinheit zum Einsatz, bestehend aus einem Hydraulikaggregat mit Regelventilen, einem digitalen Drehzahlregler, Touch-Panel und einem SCADA-System mit Fernzugriff“, umreißt Dieter Wirth, über viele Jahre Technischer Leiter bei OSSBERGER, einen zentralen Teil des Modernisierungspakets. Er verweist im Weiteren darauf, dass neben der Anschaffung eines neuen 6-poligen Synchrongenerators auch ein neues, verlustarmes Getriebe sowie ein neues Schwungrad, angepasst auf die niedrigere Generatordrehzahl, eingebaut wurden. „Durch die Reduzierung der Antriebsdrehzahl von zuvor 1.500 U/min auf nun 1.000 U/min ist mit einem deutlich geringerem Verschleiß der Lager zu rechnen“, so der Experte.
Nachdem man im Hinblick auf eine möglichst einfache Montage bei der Berghütte den Maschinensatz auf einen gemeinsamen Aggregatrahmen passgenau vormontiert hatte, stand der Montage im Frühling dieses Jahres nichts mehr im Weg.

Montage per Hubschrauber auf 1.370 Metern

Da im Frühling der Schnee zum Teil noch sehr hoch lag, wurden nicht nur der Maschinensatz, sondern auch die Monteure der Firma OSSBERGER mit dem Hubschrauber zur Reintalangerhütte hochgeflogen. „Für den Einbau hatten wir zwar keine professionelle Hebetechnik zur Verfügung, aber mit der Unterstützung des Teams von Hüttenwirt Andy Kiechle war die Maschinenmontage trotzdem innerhalb von zwei Tagen erledigt“, erinnert sich Dieter Wirth. Nachdem auch die Verkabelungsarbeiten abgeschlossen waren, ging die Wiederinbetriebnahme mit nur einem Elektrotechniker von OSSBERGER über die Bühne – und das absolut problemlos. Dank der langjährigen Erfahrung im Reglerbau war vor Ort nur eine Feinjustierung der Regelparameter nötig, was sich letztlich über den neuen Fernzugriff bewerkstelligen ließ. „Für mich eine Sensation, wie gut die Montage der Anlage vorbereitet war und wie professionell sie umgesetzt worden ist“, schwärmt Hüttenwirt Andy Kiechle.

Siebenköpfiges Team bei Montagearbeiten an einer großen Industrie-Wasserpumpe vor einer Almhütte im Hochgebirge.
Bevor die Reintalangerhütte im Spätherbst letzten Jahres in die Winterruhe geschickt wurde, gelang es dem Team der Fa. OSSBERGER unter der Leitung von Dieter Wirth (2.v.l.), den alten Maschinensatz auszubauen. Dieser wurde zur Sanierung und Modernisierung ins Werk nach Weißenburg geliefert.
© OSSBERGER

Mehr Leistung für den Hüttenbetrieb

Mit Beginn der Hüttensaison 2026 präsentierte sich die Energieversorgung der bekannten Reintalangerhütte auf neuen Beinen. Gegenüber dem Altbestand konnte die elektrische Leistung von bislang 17 kW auf 21 kW gesteigert werden, was immerhin einer Steigerung von knapp 20 Prozent entspricht. Hinzu kommt, dass die neue Steuerung Zu- und Abschaltungen von Lasten bis zu 15 kW ohne nennenswerte Drehzahlabweichung toleriert. Für Hüttenwirt Andy Kiechle, der mit dem Hüttenbetrieb in den letzten Jahren immer öfter an die Grenzen der Energiekapazitäten gekommen war, eine neue Ära: „Früher musste ich mit meinen angeschlossenen Geräten immer wieder ‚jonglieren‘, um zu große Frequenzschwankungen auszugleichen. Das ist nun Vergangenheit. Dank der neuen Anlagensteuerung funktionieren jetzt auch Geräte mit erhöhter Anforderung an die Frequenz – wie etwa Küchenmaschinen mit Softstart oder auch Mikrowellen. Schön, dass mein Team und ich uns nun wieder weniger darum und mehr um unsere Gäste und um die Hütte kümmern können.“

Erschienen in zek HYDRO, Ausgabe 4/2026