Wasserkraftwerk und Schaltwerk Hüttenberg nach Kompletterneuerung für die Zukunft gerüstet

30. September 2026, Lesedauer: 10 min

Bild: © Kelag

In Kärnten wurden vor wenigen Monaten das Kleinwasserkraftwerk und das dazugehörige Schaltwerk Hüttenberg nach einer Generalerneuerung offiziell wieder in Betrieb genommen. Rund 2,7 Millionen Euro investierten Landesenergieversorger Kelag und Kärnten Netz in die Modernisierung der Energieinfrastruktur im Görtschitztal. Der Aufwand, der für die Sanierungen der über 100 Jahre alten Anlagen betrieben wurde, war beträchtlich. Unter anderem wurde das Gebäude kernsaniert und statisch ertüchtigt, die Druckrohrleitung durch das Auftragen eines GFK-Inliners erneuert und ein neuer Unterwasserkanal errichtet. Die neue horizontalachsige Francis-Turbine im Krafthaus, die über ein breites Betriebsband hinweg effizient Strom produzieren kann, stammt vom Kärntner Branchenspezialisten EFG Turbinenbau. Dank der grundlegenden Modernisierungen sind die Hüttenberger Traditionsanlagen in jeglicher Hinsicht bestens für die Anforderungen der Zukunft gerüstet.

Außenansicht des Kelag Kraftwerks Hüttenberg mit weißer Fassade, blauem Dach und Brücke über einen Bach aus der Vogelperspektive.
Vogelperspektive auf das grundlegend erneuerte Wasserkraftwerk und das angeschlossene Schaltwerk in Hüttenberg.
© Kelag

Traditionskraftwerk im Kärntner Görtschitztal modernisiert

Zwar ist der Hüttenberger Erzberg in Kärnten weniger bekannt als sein steirisches Pendant, die Qualität der dort geschürften Erze war aber bereits in der Antike geschätzt. Aus dem „Ferrum Noricum“, dem norischen Eisen, schmiedete das Römische Heer den Großteil seiner Waffen. Den industriellen Höhepunkt erlebte die Region im 19. Jahrhundert, damals galt der Hüttenberger Erzberg als wichtigstes Erzvorkommen der österreichisch-ungarischen Monarchie und als Zentrum der Kärntner Eisenindustrie. Obwohl der Bergwerksbetrieb 1978 endgültig eingestellt wurde, sind noch heute viele montanhistorische Zeitzeugen erhalten geblieben. An die reichhaltige Geschichte der Region erinnern in der Marktgemeinde Hüttenberg verschiedene Stationen wie das Schaubergwerk und das Bergbaumuseum.

Industrielle Wasserturbine mit gusseisernem Gehäuse, grüner Steuereinheit und Rohrleitungen in einem Maschinenraum.
Die alte Turbine hatte ihr technisches Lebensende erreicht.
© EFG
Außenansicht Kelag Kraftwerk Hüttenberg mit Wasserlauf, Rechen und Steineinfassung vor bewaldetem Hang.
Rund 2,7 Millionen Euro investierten Kelag und Kärnten Netz in die Modernisierung der Energieinfrastruktur in Hüttenberg.
© Kelag

Generalerneuerung von Kraftwerk und Schaltwerk

Die Stromproduktion aus Wasserkraft sollte am Kärntner Erzberg gegen Ende des 1. Weltkriegs Einzug halten. 1918 wurde von der Hüttenberger Bergwerksgesellschaft am Steirerbach ein Wasserkraftwerk errichtet, das elektrischen Strom für den Bergwerksbetrieb lieferte. Weil das Kleinkraftwerk allerdings nicht ausreichend Energie liefern konnte, wurde die Anlage später um ein dieselbetriebenes Stromaggregat erweitert. Die Ausmaße des Aggregats waren so beträchtlich, dass ein großer Zubau an das bestehende Maschinengebäude erforderlich wurde. 1978 fand der Bergbau in Hüttenberg schließlich sein Ende, woraufhin das Wasserkraftwerk und das Schaltwerk zwei Jahre später vom Kärntner Landesenergieversorger Kelag erworben wurden. Obwohl bei den Anlagen im Laufe der Jahrzehnte immer wieder Erneuerungsmaßnahmen durchgeführt worden waren, hatte der Zahn der Zeit dennoch seine Spuren hinterlassen. Um den modernen Stand der Technik bei ihren Traditionsanlagen herzustellen, hatten die Kelag und ihre Tochtergesellschaft Kelag Netz eine grundlegende Erneuerung beschlossen. Realisiert wurde das Projekt zwischen Frühjahr und Herbst 2025, im November des Vorjahres konnte bereits der Probebetrieb starten. Der erfolgreiche Projektabschluss wurde im Rahmen der offiziellen Wiederinbetriebnahme Mitte April 2026 gefeiert.

Techniker bei der Montage eines Hitzinger Generators in einem Wasserkraftwerk. Einer trägt Schutzkleidung von SPB Scheiflinger.
Millimeterarbeit bei der Montage des Synchron-Generators im Maschinengebäude
© Kelag

Umbau im historischen Kraftwerksbestand

Das Kraftwerksgebäude am Steirerbach und die Schaltanlage sollten im Rahmen der Generalsanierung umfassend modernisiert und statisch ertüchtigt werden. Wegen der Neupositionierung des Maschinensatzes musste das Gebäude tief entkernt werden, dadurch musste auch der Unterwasserkanal entsprechend angepasst und teilweise neu gestaltet werden. „Eine Herausforderung bei Sanierungen besteht immer darin, dass man in den Bestand nicht hineinschauen kann. Bei diesem Projekt mit einer über 7 m tiefen Baugrube mussten beispielsweise gewisse Mauerabschnitte neu unterfangen werden, weil diese früher nicht tief genug gegründet waren. Eine weitere Herausforderung war der Übergang zwischen älteren und neueren Gebäudeteilen, die regelmäßige Abklärungen mit dem Statiker erforderlich machten. Dank der gründlichen Vorplanung und der guten Zusammenarbeit mit der Baufirma und den Planungsbüros konnte der Umbau schnell realisiert werden“, erklärt Kelag-Bauingenieurin Viktoria Roth. Für die Ausführungsplanung des Projekts war das Klagenfurter Ingenieurbüro GEOS Consulting ZT-GmbH zuständig.

Wehranlage des Kraftwerks Hüttenberg mit Holzhaus, grünem Wehrschütz und Rechenreiniger vor bewaldetem Hang.
An der Wehranlage wurden diverse Schützen von der Kelag erneuert.
© zek

Druckrohrleitung mit GFK-Inliner saniert

Auch die Wehranlage und der Triebwasserweg blieben von der umfassenden Sanierung des Kraftwerks nicht unberührt. An der Wasserfassung am Steirerbach sorgte die Konstruktionsabteilung der Kelag für die Erneuerung der Wehr-, Einlauf- und Spülschützen. Von der Wasserfassung weg führt der Kraftabstieg zunächst als ca. 1,2 Kilometer langer Freispiegelkanal bis zum Wasserschloss des Kraftwerks. Während der Umbauten wurde der Kanal trockengelegt und diverse Ausbesserungsarbeiten durchgeführt. Weit umfangreicher gestaltete sich die Sanierung des finalen Abschnitts des Triebwasserwegs, der als ca. 130 m lange Stahlleitung über einen steilen Hang vom Wasserschloss ins Krafthaus führt. „Die über 100 Jahre alte Stahlleitung auszutauschen wäre mit sehr großem Aufwand verbunden gewesen, deswegen wurde eine andere Lösung gesucht. Es wurde beschlossen, diesen Abschnitt mit einem grabenlosen Verfahren zu sanieren. Das hat sich in der Umsetzung als ideale Variante herausgestellt“, sagt Kelag-Projektleiter Florian Kopeinig. Zum Einsatz kam eine „Rohr in Rohr“-Lösung, sprich das Auftragen einer neuen Schicht aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) in die bestehende Rohrleitung. Die Anwendung des Verfahrens erfordert gründliche Vorarbeiten, die rund drei Monate in Anspruch nahmen. Dabei wurde unter anderem die genietete Stahlleitung mit dem Durchmesser DN950 mittels Kamerabefahrung inspiziert, um etwaige Schäden festzustellen. Das Auftragen der neuen Leitung selbst ging äußerst rasch innerhalb von nur zwei Tagen erfolgreich über die Bühne. Bei der finalen Einbringung wurde die neue GFK-Schicht mittels hohem Luftdruck an die Rohrinnenwand gepresst und anschließend durch den Einsatz von Wasserdampf ausgehärtet.

Zwei Arbeiter in Schutzkleidung bei der Inlinermontage zur Rohrsanierung auf einer Baustelle mit Bewehrungsstahl.
Eindruck vom Einbringen des GFK-Inliners in die bestehende Stahlleitung
© EFG

Optimiertes Maschinenkonzept für Hüttenberg

Obwohl die Ausbauwassermenge und die Fallhöhe unverändert geblieben sind, konnte die Erzeugungskapazität des Kraftwerks um beachtliche 27 Prozent gesteigert werden. Zu verdanken ist dies in erster Linie dem Kärntner Wasserkraftspezialisten EFG Turbinenbau, der in enger Abstimmung mit der Kelag ein optimiertes Maschinenkonzept für den Standort entwickelt hatte. „Bei einem Projekt dieser Art muss man die gesamte bestehende technische Ausrüstung und Anordnung in Frage stellen. Die alte Maschine war für eine Saughöhe von rund 5 m konzipiert worden – das hat man zwar vor über 100 Jahren so gebaut, ist heute aber längst nicht mehr Standard. Bei den ersten Besprechungen mit der Kelag war schnell klar, dass wieder eine Francis-Turbine zum Einsatz kommen sollte. Allerdings mit einer niedrigeren spezifischen Drehzahl, um somit einen breiten Wirkungsgradbereich abdecken zu können. Ein wichtiger Punkt des neuen Konzepts war zudem das Tieferlegen der Maschinenachse auf das Niveau der Druckrohrleitung. Dadurch haben wir es geschafft, den Bestpunkt der Turbine Richtung Teillastbereich zu verschieben“, erklärt Gero Pretis, Technischer Leiter bei EFG.

Baustelle im Rohbau mit freigelegten Ziegelwänden, Betonelementen, Stützen und Bewehrungsstahl in einem Altbau.
Der Maschinenraum musste wegen der Tieferlegung der Turbine tief entkernt werden, auch der Unterwasserkanal wurde erneuert.
© EFG
Industrielle Fertigungshalle mit großen, beigefarbenen Rohrleitungselementen und einem massiven Turbinengehäuse auf Ständern.
Die Francis-Turbinenspirale kurz vor Auslieferung
© EFG

27 Prozent mehr Erzeugungskapazität

Die EFG-Ingenieure waren bei dem Projekt in Hüttenberg nicht nur mit dem Maschinenbau beschäftigt. In Kooperation mit der Rohrsanierungsfirma erstellten die Wasserkraftprofis auch eine Lösung für den Übergang von der alten auf die neue Druckrohrleitung. „Die Schnittstelle zwischen der bestehenden Stahlleitung und dem GFK-Inliner war eine Herausforderung, mit der wir uns intensiv beschäftigten. Es musste ein definierter Anschluss für den Übergang zur Turbine geschaffen werden. Dazu wurde – vereinfacht gesagt – eine Muffe über die zuvor innen mit der Stahlleitung verpressten GFK-Schale gespannt. An diese Muffe schließt das Mauerrohr, das ins Krafthaus führt, an. Danach folgt ein Reduktionskrümmer, der für die Neuausrichtung der Maschine benötigt wurde, und die Absperrklappe vor der Turbine“, so Gero Pretis. EFG-Geschäftsführer Werner Goldberger betont den hohen Eigenfertigungsgrad, der die Lösungen der Kärntner auszeichnet: „Vom Übergang der Druckrohrleitung über die Absperrklappe bis hin zur Turbine handelt es sich zu 100 Prozent um eigene Konstruktionen. In der Maschine steckt unsere jahrzehntelange Erfahrung, die letztendlich die erhebliche Leistungssteigerung des Kraftwerks möglich macht.“ Vervollständigt wird der neue Maschinensatz mit 521 kW Engpassleistung durch einen direkt mit dem Laufrad gekoppelten Synchron-Generator vom oberösterreichischen Hersteller Hitzinger. Damit der Generator ungeachtet der Umgebungsbedingungen zu jeder Zeit sein volles Leistungspotential abrufen kann, wurde dieser mit einer Wasserkühlung ausgestattet. Beim Hydraulikaggregat der Turbine, das bereits vor über zehn Jahren erneuert worden war, stellte EFG seine Revitalisierungskompetenz unter Beweis, dieses wurde saniert und auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Gero Pretis zeigt sich sehr zufrieden über das Ergebnis des Erneuerungsprojekts im Görtschitztal: „Durch die Herausnahme der Zwischenebene im Krafthaus und die Verringerung der Saughöhe wurde das Potential geschaffen, um ein viel größeres Betriebsband abzudecken. Damit haben wir es ermöglicht, trotz herausfordernder Randbedingungen und der unveränderten Ausbauwassermenge und Fallhöhe, die Stromproduktion der Anlage auf ein neues Level zu heben.“ Neben der Erneuerung des Maschinensatzes wurde natürlich auch die elektro- und regelungstechnische Ausrüstung einer grundlegenden Modernisierung unterzogen. Während die Leittechnik von den Betreibern selbst programmiert wurde, setzte die Kelag bei der Lieferung der niederspannungsseitigen Kraftwerksausrüstung auf die Ing. Koini & Knefz GmbH. Die Branchenspezialisten aus dem obersteirischen Zeltweg waren für die elektrotechnische Planung, den Schaltschrankbau und die Montage zuständig.

2,7 Millionen Euro für die Energieinfrastruktur

Kelag-Projektleiter Florian Kopeinig sprach bei der offiziellen Wiederinbetriebnahme von einem spannenden Projekt, das von einer partnerschaftlichen Herangehensweise zwischen den beteiligten Unternehmen und innovativen Lösungen gekennzeichnet war. Dank der grundlegenden Erneuerung kann das Kraftwerk im Regeljahr nun rund 2,8 Millionen Kilowattstunden Ökostrom produzieren. Kelag-Vorstand Reinhard Draxler betonte, dass alle Aufträge zur Sanierung und Modernisierung an heimische Unternehmen vergeben und somit ein Beitrag zur Wertschöpfung in Österreich geleistet wurde. Bei der Erneuerung des Schaltwerks stand der Fokus auf die Automatisierung und Fernwirkfähigkeit des Kraftwerks, erklärte Michael Marketz, Geschäftsführer der Kärnten Netz: „Im Fall von Störungen können wir jetzt aus der Ferne umschalten, das betroffene Gebiet schneller eingrenzen und damit betroffene Kundinnen und Kundenanlagen rascher wieder versorgen.“ In Summe wurden von der Kelag und Kärnten Netz rund 2,7 Millionen Euro in die Modernisierung der Energieinfrastruktur im Kärntner Görtschitztal investiert.

Gruppenfoto vom Kelag-Team im Kraftwerk Hüttenberg vor technischer Anlage in Arbeitskleidung und Warnwesten.
Kelag-Projektleiter Florian Kopeinig, Martin Goldberger von EFG, Kelag-Bauingenieurin Viktoria Roth, Kelag-Betriebsleiter Markus Schoaß und Werner Goldberger von EFG (v.li.)
© zek

Erschienen in zek HYDRO, Ausgabe 4/2026