E-Werk Gleinstätten in der Südsteiermark mit neuem Schneckenkraftwerk für die Zukunft gerüstet
Bild: © KTG Austria
An der Sulm in Haslach hat die E-Werk Gleinstätten GmbH kurz nach dem vergangenen Jahreswechsel ein neues Kleinwasserkraftwerk erstmals in Betrieb genommen. Weil der ca. 1,4 km lange Oberwasserkanal des alten Kraftwerks im Herbst 2023 bei einem massiven Hochwasser vollständig mit Sedimenten verlegt wurde, hatten die Südsteirer eine Kompletterneuerung der Anlage an einem anderen Standort beschlossen. Realisiert wurde das neue Kraftwerk an der Wehranlage des stillgelegten Kraftwerks, wobei eine Wasserkraftschnecke für die Stromproduktion sorgt. Mit der fischfreundlichen Schneckenturbine, die unter Volllast 67 kW Engpassleistung schafft, kann das E-Werk Gleinstätten im Regeljahr rund 250.000 kWh Ökostrom produzieren.

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Neue Wasserkraft an der Sulm
Im Juni 2025 gab es bei der E-Werk Gleinstätten GmbH, die auch als KTG Austria bekannt ist, Grund zum Feiern. Anlässlich des 130-jährigen Firmenjubiläums hatte sich der Landeshauptmann eingestellt, um dem Traditionsunternehmen das prestigeträchtige steirische Landeswappen zu überreichen. Im Rahmen der Feierlichkeiten wurde zudem der offizielle Spatenstich für den Bau des neuen Kleinwasserkraftwerks in der Gemeinde gesetzt.

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Fischaufstieg reduzierte Stromproduktion
Die Stromproduktion aus Wasserkraft ist direkt mit der Entstehung des E-Werks Gleinstätten verbunden. Im Jahr 1895 wurde bei der Hofmühle an der Sulm von Edmund Freiherr Wucherer von Huldenfeld ein kleines Wasserkraftwerk errichtet, mit dem im Bereich des nahe gelegenen Schlosses Gleinstätten 140 parallel geschaltete Glühbirnen zum Leuchten gebracht werden konnten. Bei dieser für heutige Verhältnisse bescheidenen Leistungskapazität sollte es allerdings nicht bleiben, im Laufe der Jahre und Jahrzehnte wurde das Kraftwerk sukzessive erweitert und immer mehr Verbraucher an das örtliche Stromnetz angeschlossen. In den 1960er Jahren wurde das E-Werk Gleinstätten um einen Elektro-Installationsbetrieb ergänzt, der sich schließlich zum Hauptgeschäftsfeld der Steirer entwickelte. Auch die Eigentümerverhältnisse des Traditionsbetriebs haben sich geändert, heute gehört das E-Werk Gleinstätten zu 100 Prozent den Stadtwerken Kapfenberg. Mit der Stromproduktion des Wasserkraftwerks ging es durch den Bau einer Fischaufstiegshilfe an der Wehranlage im Jahr 2014 allerdings rapide bergab. Deren Errichtung war im Zuge der EU-Wasserrahmenrichtlinie vorgeschrieben worden, erklärt E-Werk Gleinstätten-Geschäftsführer Arnold Prattes: „Das Wasser, das für die Dotation des Fischaufstiegs abgezweigt werden muss, konnte natürlich nicht mehr für die Stromproduktion genutzt werden. Während wir früher pro Jahr im Durchschnitt 200.000 kWh Strom erzeugt haben, ist das Regelarbeitsvermögen der Anlage nach dem Bau des Fischaufstiegs kontinuierlich nach unten gegangen. Es gab Jahre, in denen die Stromgewinnung nur mehr 20.000 kWh betragen hat.“

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Wasserkraftschnecke ersetzt Altkraftwerk
Im September 2023 wurde das Kleinwasserkraftwerk durch ein Hochwasserereignis, das vor allem im Süden und Südosten Österreichs schwere Schäden verursachte, mit voller Wucht getroffen. Das Hochwasser führte dazu, dass der rund 1,4 km lange Oberwasserkanal des Kraftwerks vollständig mit Sedimenten verlegt wurde. Mit der Stromerzeugung war somit natürlich Schluss, die Anlage musste stillgelegt werden, sagt Arnold Prattes: „Es stand durchaus zur Debatte, den Kraftwerksbetrieb endgültig einzustellen und das Wasserrecht abzugeben. Denn das Ausbaggern des Oberwasserkanals hätte ca. 250.000 Euro gekostet, das wäre bei der ohnehin nicht mehr sehr effektiven Stromproduktion der Anlage wirtschaftlich nicht sinnvoll gewesen.“ Durch die Empfehlung eines Bekannten kam Arnold Prattes in Kontakt mit der niederösterreichischen IB Mosbacher GmbH, der im heimischen Wasserkraft- und Wasserbausektor ein hervorragender Ruf vorauseilt. Geschäftsführer Jürgen Mosbacher war es, der den letztendlich umgesetzten Vorschlag machte, das alte Kraftwerk durch eine Wasserkraftschnecke an der Wehranlage zu ersetzen. Von diesem Konzept waren auch die Entscheidungsträger bei den Stadtwerken Kapfenberg überzeugt, die der Projektumsetzung ihrer Tochtergesellschaft grünes Licht erteilten.

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Wasserkraftschnecke mit technischen Vorteilen
Arnold Prattes lässt nicht unerwähnt, dass das Behördenverfahren bemerkenswert schnell abgewickelt werden konnte. Bereits ein halbes Jahr nach der Einreichung der vom Generalplaner Jürgen Mosbacher ausgearbeiteten Planungsunterlagen im Oktober 2024 wurde dem Projekt im Mai 2025 die Genehmigung erteilt. Unmittelbar nach dem offiziellen Spatenstich im Rahmen der Jubiläumsfeier starteten im Juli 2025 die Bauarbeiten an der Wehranlage. Mit der Lieferung der Wasserkraftschnecke wurde das niederländische Unternehmen Landustrie beauftragt. Wasserkraftschnecken sind generell für eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten geeignet. Die idealen Voraussetzungen für den Einsatz dieser Turbinentechnik bilden Fallhöhen zwischen 2 und 8 m sowie Durchflussmengen zwischen 0,5 und 14 m³/s. Ein weiterer Pluspunkt von Wasserkraftschnecken stellt ihr fischfreundliches Design dar. Die Wahrscheinlichkeit, dass Fische beim Passieren durch den langsam drehenden Schneckenkörper zu Schaden kommen, ist sehr gering. Auch bei der Treibgut-Thematik können Wasserkraftschnecken ihre Stärken ausspielen, angeschwemmtes Treibgut wird durch die großen Spiralen problemlos ins Unterwasser befördert.
Landustrie liefert 67-kW-Wasserkraftschnecke
„Das Komplett-Konzept von Landustrie war sehr überzeugend, es bot ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Darüber hinaus war es für das Unternehmen auch kein Problem, dass wir den Einbau des elektrotechnischen Equipments selbst vornehmen wollten. Die Komponenten wurden mit Landustrie abgestimmt, in die Niederlande geschickt, wo die Programmierung vorgenommen wurde, und schließlich wieder an uns retourniert. Das hat alles tadellos funktioniert, im Großen und Ganzen war es ein sehr angenehmes Zusammenarbeiten,“ so Arnold Prattes. Für das neue Kraftwerk in Gleinstätten lieferten die Niederländer eine maßgeschneiderte Wasserkraftschnecke, die auf 4 m³/s Ausbauwassermenge und 2,2 m Fallhöhe ausgelegt wurde. Bei vollem Wasserdargebot erreicht die mit 26 U/min drehende Schnecke 67 kW Engpassleistung. Ein Getriebe sorgt dafür, dass die langsame Drehung der Schnecke den Generator mit 1.815 U/min antreiben kann. Der Einbau der ca. 9 t schweren Schnecke, die im weit vormontieren Zustand ausgeliefert wurde, erfolgte schließlich Mitte Jänner 2026 bei frostigen Witterungsbedingungen. Das millimetergenaue Einheben der Schnecke mittels Mobilkran ging Arnold Prattes zufolge schnell über die Bühne, es dauerte lediglich eineinhalb Tage, bis das tonnenschwere Bauteil fertig montiert war.

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250.000 kWh Ökostrom pro Jahr
Nach den abschließenden Installationsarbeiten ging das neue Kleinwasserkraftwerk an der Sulm Anfang März erstmals in Betrieb: „Aktuell sind wir zwar noch mit diversen Feinjustierungen beschäftigt, die ersten Betriebserfahrungen sind aber durchwegs positiv. Die beteiligten Unternehmen haben gute Arbeit geleistet, wir sind mit dem Endergebnis sehr zufrieden. Für mich war das Projekt eine Herzensangelegenheit, damit in Gleinstätten auch in den nächsten 130 Jahren sauberer Strom durch Wasserkraft erzeugt werden kann.“ In produktionstechnischer Hinsicht hat sich das Projekt definitiv bezahlt gemacht. Das neue Kleinkraftwerk des E-Werk Gleinstätten wird im Regeljahr rund 250.000 kWh Ökostrom erzeugen, damit konnte die Produktionskapazität des alten Kraftwerks sogar übertroffen werden. Dem stillgelegten Altkraftwerk ist indes eine neue Bestimmung zugekommen. Das Maschinengebäude wurde zu einem technischen Museum umgestaltet, in dem Schulklassen die Funktionsweise eines Wasserkraftwerks nähergebracht wird.
Erschienen in zek HYDRO, Ausgabe 2/2026