Tiroler Kraftwerkstechnik sorgt für effiziente Ökostromproduktion am Peloponnes
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Schon seit langer Zeit hat sich der Tiroler Wasserkraftspezialist Geppert Hydro einen klingenden Namen am griechischen Wasserkraftmarkt erarbeitet. Erst unlängst konnte das Traditionsunternehmen aus Hall in Tirol auf der bekannten Peloponnes-Halbinsel ein weiteres Referenzprojekt erfolgreich abschließen. Das Kraftwerk Sarmenitiko wurde von Geppert nicht nur mit einem modernen Maschinensatz mit 1,35 MW Leistung, sondern auch mit dem bewährten Kugelhahn aus eigener Konstruktion ausgerüstet. Damit ist ein langfristiger, sicherer und wirtschaftlicher Betrieb des neuen Ausleitungskraftwerks garantiert.

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Kleinwasserkraft in Griechenland: Neues Wasserkraftwerk stärkt regionale Energieversorgung
Die Kleinwasserkraft spielt eine kleine, aber zunehmend bedeutende Rolle im erneuerbaren Energiemix Griechenlands. Im Vergleich zu den rasant wachsenden Erneuerbaren Wind- und Solarkraft überzeugt die Kleinwasserkraft durch ihre kontinuierliche, gut planbare Stromerzeugung – ein Vorteil in einem Energiesystem, das immer stärker von wetterabhängigen Quellen geprägt ist. Landesweit sind heute laut Angaben des „Greek Energy Sector Annual Report 2023“ ca. 110 Kleinwasserkraftanlagen mit insgesamt etwa 280 MW Gesamtleistung in Betrieb, die weniger als 10 % des nutzbaren Potenzials in Kleinflüssen ausschöpfen. Die griechische Wasserkraft hat also noch erhebliches Potenzial – vor allem in jenen Regionen, wo natürliche Gefälle und stabile Abflüsse ideale Voraussetzungen bieten. Dazu zählen gebirgige Landesteile wie Epirus, Westmakedonien, Zentralgriechenland oder die Halbinsel Peloponnes. Gerade in den letzten zehn Jahren zeigte sich ein kontinuierlicher Aufwärtstrend im Ausbau der griechischen Kleinwasserkraft. Erst vor kurzem wurde ein weiteres neues Kleinkraftwerk in Betrieb genommen, das auf der südgriechischen Halbinsel Peloponnes, rund 30 Kilometer südöstlich von Patras errichtet wurde.

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Privates Investorenkonsortium treibt Ausbau der Kleinwasserkraft voran
„Die Idee und das Konzept für die Anlage wurden bereits vor mehreren Jahren von einem Konsortium, zu dem sich mehrere private Investoren zusammengeschlossen hatten, entwickelt. Ziel war die nachhaltige Nutzung des Baches Sarmenitiko zur Stromproduktion“, erläutert der Projektleiter des österreichischen Wasserkraftspezialisten Geppert Hydro, Jakob Kapeller, die Ausgangsituation. Bei den Betreibern handelt es sich keineswegs um Neulinge im Wasserkraftsektor. Im Gegenteil, die Mitglieder des Konsortiums verfügen über Erfahrung im Betrieb kleiner und mittlerer Wasserkraftanlagen und legen besonderen Wert auf langlebige und wartungsarme Technologien. Entsprechend wichtig war den Betreibern eine professionelle Ausführung der Anlage und eine hochwertige elektromechanische Ausrüstung. Ein wesentlicher Grund, warum sie beim Kraftwerk Sarmenitiko einmal mehr auf die Qualität der Firma Geppert gesetzt hatten.

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Termingerechte Inbetriebnahme zum Start der niederschlagsreichen Periode
Von seinem Konzept her handelt es sich um ein Ausleitungskraftwerk mit einer Wasserfassung auf rund 700 m Seehöhe, die im Wesentlichen aus einer kleinen Staumauer mit Tiroler Wehr und einem direkt angeschlossenen Entsander besteht. Für den Kraftabstieg wurde eine 2.480 m lange Druckrohrleitung aus GFK-Rohren der Dimension DN800 unterirdisch verlegt, die in das Krafthaus auf rund 440 m Seehöhe einmündet. Das Krafthaus ist standardgemäß mit Hallenkran, einer Trafostation und der kompletten Schalt- und Steuerungstechnik ausgestattet. Es beherbergt mit der elektromaschinellen Ausrüstung das technische Herz der Anlage. Konkret wurde von Geppert eine 2-düsige Pelton-Turbine in horizontaler Anordnung mit einem direkt gekoppelten Synchrongenerator geliefert. Sowohl Düsen als auch Strahlablenker werden über außenliegende Hydraulikzylinder gesteuert. Bei einer Ausbauwassermenge von ca. 575 l/s und einer Bruttofallhöhe von 264 m liegt die Nennleistung des Maschinensatzes bei 1.350 kW. „Montagebeginn war für uns im Sommer 2025, im Oktober dieses Jahres, konnte die Inbetriebnahme über die Bühne gehen. Damit wurde das Projekt termingerecht umgesetzt und konnte pünktlich zum Herbstbetrieb – der niederschlagsreichen Periode am Peloponnes – in den Regelbetrieb übergehen“, resümiert Jakob Kapeller.

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Tiroler Kugelhahn-Technologie für sicheren Kraftwerksbetrieb
In Summe umfasste der Lieferumfang des Wasserkraftspezialisten aus Hall i. Tirol neben dem Turbine-Generator-Gespann auch die gesamte Elektrotechnik, Eigenverbrauchstransformatoren, den Aufwärtswandler für das 20 kV-Netz, die Automatisierungs- und Steuerungstechnik auf Basis der hauseigenen Software Geppert Electric und den notschlusstauglichen Kugelhahn. Letzterer wird auch hydraulisch betätigt. Er zeichnet sich durch seine doppelt exzentrische Lagerung aus, die einen effizienten Regelbetrieb und einen Notschlussbetrieb ermöglicht. Die Firma Geppert Hydro zählt zu den ganz wenigen Turbinenbauern in der Branche, die selbst Kugelhähne entwickeln und bauen. Mittlerweile gelten die Kugelhähne von Geppert als absolutes Asset im Portfolio der Tiroler. „Unser Leistungsspektrum reicht bis zur Druckstufe PN100 und zur Dimension DN1200. Dabei sind wir in der Lage, auf kundenspezifische Wünsche einzugehen und können beispielsweise Kugelhähne mit Revisionsdichtungen ausstatten. Das eröffnet dem Kunden die Möglichkeit für Servicearbeiten am Kugelhahn, ohne dabei die Druckrohrleitung entleeren zu müssen“, erklärt Jakob Kapeller. Im Hinblick auf die Notschlusstauglichkeit kann der Kugelhahn innert kürzester Zeit geschlossen werden – und garantiert somit eine sichere Stillsetzung der Anlage.
Weiteres Kleinwasserkraftprojekt für Bestandskunden in Umsetzung
Resümierend blickt der Techniker aus dem Hause Geppert auf ein reibungsloses Projekt zurück, das nicht zuletzt auch aufgrund der langjährigen und eingespielten Kooperation des Turbinenbauers mit den erfahrenen griechischen Betreibern hervorragend funktioniert habe. „Die Betreiber schätzen aus ihren bisherigen Erfahrungen die hohe Zuverlässigkeit, präzise Fertigung und kundenspezifische Anlagenkonzeption von Geppert-Kraftwerken. Als weiteren Bonuspunkt sehen sie den Service vor Ort, den unsere Techniker bieten können, da sie regelmäßig in Griechenland tätig sind“, so Jakob Kapeller. Daher kommt es nicht überraschend, dass die langjährigen Bestandskunden auch weiterhin auf die Technik und Kompetenz von Geppert setzen. So nehmen die Tiroler aktuell noch bis Ende dieses Jahres ein weiteres Kleinkraftwerk mit 2 MW Leistung für den selben Kunden in Betrieb.

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Seit Abschluss der Inbetriebnahme des neuen Kraftwerks Sarmenitiko im Oktober 2025 befindet sich die Anlage im stabilen Regelbetrieb. Mit seiner modernen Ausrüstung ist das Kraftwerk in der Lage, mehrere Millionen Kilowattstunden Strom zu erzeugen und trägt damit nicht nur zur Versorgung zahlreicher Haushalte mit Ökostrom bei, sondern fungiert auch als weiterer Baustein in der griechischen Energiestrategie. Projektleiter Jakob Kapeller resümiert daher zufrieden: „Das Wasserkraftwerk Sarmenitiko ist ein gelungenes Beispiel für die Kombination aus technischer Präzision, robuster Bauweise und kundennaher Projektabwicklung. Es zeigt eindrucksvoll, wie moderne Kleinwasserkraftwerke einen nachhaltigen Beitrag zur regionalen Energieversorgung leisten können – zuverlässig, effizient und umweltfreundlich.“
Erschienen in zek HYDRO, Ausgabe 6/2025