Generalrevision für Kraftwerk Hubalpenbach im Pongau zahlt sich aus

24. März 2026, Lesedauer: 8 min

Bild: © EFG

Das 1984 fertiggestellte Kleinwasserkraftwerk Hubalpenbach der Familie Draxler in der Salzburger Gemeinde Hüttschlag wurde in den vergangenen beiden Jahren umfassend modernisiert. Dabei wurde sowohl der Stahlwasserbau an der Wehranlage als auch das elektromechanische und leittechnische Equipment im Krafthaus von bewährten österreichischen Unternehmen auf Vordermann gebracht. Die 2-düsige Pelton-Turbine mit 1,8 MW Leistungskapazität wurde von den Kärntner Branchenexperten EFG Turbinenbau zwischen Herbst 2023 und Frühjahr 2024 grundlegend saniert. Im Oktober 2025 stellten die Automatisierungsspezialisten der Schubert CleanTech GmbH bei der Modernisierung der Regelungstechnik ihr Können unter Beweis. Innerhalb von nur zehn Tagen sorgten die Niederösterreicher für die Kompletterneuerung des Steuerungssystems.

Kleinwasserkraft Hubalpenbach: Generalsanierung eines alpinen Traditionskraftwerks

Dass die Stromerzeugung aus der erneuerbaren Ressource Wasser bei der Familie Draxler hoch im Kurs steht, ist dem weitsichtigen Wirken des 2017 verstorbenen Prof. Dr. ­Peter­ Draxler zu verdanken. Der ehemalige Rechtsbeistand und Landessprecher des Vereins Kleinwasserkraft Österreich war in Salzburg und Niederösterreich als Kraftwerksbetreiber aktiv und hat darüber hinaus im südeuropäischen Albanien zwei komplett neue Wasserkraftwerke realisiert.

Umfassende Generalsanierung nach jahrzehntelangem Kraftwerksbetrieb

In der Salzburger Gemeinde Hüttschlag hatte Peter Draxler 2007 das Kleinwasserkraftwerk Hubalpenbach erworben, das seit 1984 sauberen Strom erzeugt. Nach dem Tod von Peter Draxler wird die mittlerweile 41 Jahre alte Ökostromanlage von seiner Witwe Christine Draxler und seinem Sohn Alexander Draxler betrieben. Grundsätzlich handelt es sich bei dem Pongauer Kraftwerk um eine klassische Ausleitungsanlage im alpinen Raum. Das Triebwasser wird an der Wehranlage durch einen Tiroler Rechen aus dem Gewässer entnommen und über eine rund 2.000 m lange Druckrohrleitung zur Stromerzeugung ins Krafthaus geführt. „Nach mehreren Jahrzehnten Dauerbetrieb hatten die Sedimente im Triebwasser deutlichen Verschleiß an der Pelton-Turbine und dem Absperrorgan verursacht. Zudem waren auch der Stahlwasserbau an der Wehranlage und die Kraftwerkssteuerung in die Jahre gekommen. Deswegen wurden in den vergangenen beiden Jahren grundlegende Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen durchgeführt“, erklärt Alexander Draxler. Der Betreiber lässt nicht unerwähnt, dass zur Umsetzung der Erneuerungsprojekte bewusst österreichische Unternehmen ausgewählt wurden, die in der Wasserkraftbranche einen hervorragenden Ruf genießen.

Kraftwerk Hubalpenbach
Das Kraftwerk Hubalpenbach wurde zwischen 2023 und 2025 von österreichischen Wasserkraftspezialisten grundlegend modernisiert.
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Modernisierung des Stahlwasserbaus für optimiertes Geschiebemanagement

Für die Teilerneuerung des Stahlwasserbaus an der Wehranlage, die im Herbst 2023 während der Niederwasserperiode startete, sorgte das steirische Unternehmen Mayrhofer Maschinenbau. Alexander Draxler zufolge sollte mit der Modernisierung der Wasserfassung, an der die Absperrschützen vor dem Umbau nur händisch bedient werden konnten, eine Optimierung des Geschiebemanagements erzielt werden. Um der Geschiebethematik Herr zu werden, wurden die bestehenden Absperr- und Regulierorgane mit elektromechanischen Antrieben ausgestattet. Durch Zeitschaltung wird eine automatische Spülung in Gang gesetzt. Zusätzlich ist die Anlage im Stande, über Wasserstandsonden frühzeitig Hochwässer und stärkere Sedimentführungen zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Zudem wurde auch der alte Seilrechenreiniger am Einlaufbereich durch ein modernes Rechenreinigungssystem ersetzt. Dazu lieferte Mayrhofer einen neuen Rechenreiniger in Teleskoparmausführung. Die Putzharke der pegel- und zeitgeregelten Maschine entfernt zuverlässig Geschwemmsel von der Rechenfläche und befördert dieses in eine Spülrinne, die das Treibgut schließlich in den Unterwasserbereich der Wehranlage abführt.

Revitalisierung des Maschinensatzes durch erfahrene Wasserkraft-Spezialisten

Kraftwerk Hubalpenbach
Das Pelton-Laufrad und die Turbinenwelle wurden von den Kärntner Revitalisierungspezialisten EFG Turbinenbau komplett neu gefertigt.
© EFG

Der horizontalachsige Maschinensatz im Krafthaus, der aus einer 2-düsigen Pelton-Turbine mit 1.797 kW Engpassleistung und einem direkt gekoppelten Synchron-Generator besteht, wurde zwischen Herbst 2023 und Frühjahr 2024 auf Vordermann gebracht. Im Rahmen der Turbinenrevision konnte der Wasserkraftallrounder EFG Turbinenbau seine Revitalisierungskompetenz einmal mehr unter Beweis stellen. Die im Kärntner Feldkirchen ansässigen Branchenexperten waren schon für die elektromaschinelle Ausstattung des Draxler-Kraftwerks Stranik in Albanien zuständig. „Beim Kraftwerk Stranik wurden 2024 die beiden Francis-Turbinen aus chinesischer Produktion, die eine Unmenge an Problemen verursacht hatten, durch zwei leistungsstarke 2,5 MW-Maschinen von EFG ersetzt“, sagt EFG-Geschäftsführer Werner Goldberger: „Beim Kraftwerk Hubalpenbach wurden wir mit der Generalsanierung der maschinellen Komponenten der Turbine und dem Absperrorgan sowie dem Generator beauftragt. Während die Generatorsanierung vom Subauftragnehmer ESKO erledigt wurde, hat EFG ein umfassendes Revitalisierungsprogramm am Absperrkugelhahn, den beiden Turbinen-Düsenstöcken und der Turbinenbaugruppe Laufrad-Welle durchgeführt. Werner Goldberger betont, dass – bedingt durch die lange Einsatzdauer – beträchtlicher Verschleiß an den mit Wasser benetzten Turbinenteilen wie Düsenglocken, Düsennadelspitzen, aber auch am Laufrad aufgetreten war. Diese Komponenten wurden im Rahmen der Sanierung mit einer Wolframcarbid-Schutzbeschichtung versehen, um zukünftigem Verschleiß bestmöglich entgegenzuwirken. Bereits vor der Demontage im November 2023 wurde von EFG eine Anlagenmessung inklusive Analyse und Auswertung durchgeführt, um mögliches Potential für eine Leistungssteigerung zu eruieren. Nach dem Eintreffen der Turbine im Werk wurde die Maschine komplett zerlegt und die einzelnen Komponenten individuell geprüft und befundet. Dabei zeigte sich, dass die Turbinenwelle nach entsprechenden Ergebnissen aus der Rissprüfung komplett erneuert werden musste. Da eine Schweißreparatur des Laufrads aus wirtschaftlichen Gründen nicht sinnvoll war, wurde auch dieses komplett neu gefertigt. Die elektromaschinelle Revitalisierungskur konnte innerhalb weniger Monate erfolgreich umgesetzt werden, bereits im April 2024 hat der Maschinensatz wieder sauberen Strom produziert.

Kraftwerk Hubalpenbach
Bereits im Frühjahr 2024 konnte die generalrevidierte Turbine wieder den Betrieb aufnehmen.
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Langjährige Partnerschaft setzt sich bei Steuerungsmodernisierung fort

Rund 1,5 Jahre später wurde im Herbst 2025 die Kraftwerkssteuerung vom niederösterreichischen Automatisierungsexperten Schubert CleanTech GmbH auf den modernen Stand der Technik gebracht. Laut Christian Schwarzenbohler, dem Divisionsleiter Energieerzeugung bei Schubert, ist die Geschäftsbeziehung der Niederösterreicher mit der Familie Draxler bereits vor ca. 25 Jahren entstanden: „Die ersten Schubert-Projekte für Peter Draxler haben bereits um das Jahr 2000 bei der Revitalisierung des Kraftwerks Wilhelmsburg in Niederösterreich begonnen. 2012 wurde dann das neu gebaute Kraftwerk Zall Torre in Albanien von Schubert komplett ausgestattet und automatisiert. 2024 folgte bei der Generalerneuerung des Draxler-Kraftwerks Stranik – das Oberliegerkraftwerk der Anlage Zall Torre – der Auftrag zur Ausführung des gesamten elektro- und leittechnischen Equipments. Im heurigen Jahr wurden wir dankenswerterweise von Alexander Draxler mit der Erneuerung des Steuerungssystems beim Kraftwerk Hubalpen­bach beauftragt.“

Kraftwerk Hubalpenbach
Visualisierungen der modernen Kraftwerkssteuerung, die von der niederösterreichischen Schubert CleanTech GmbH im Oktober 2025 installiert wurde.
© Schubert CleanTech GmbH
Kraftwerk Hubalpenbach

Neue Leittechnik bringt Kraftwerk auf aktuellen Stand der Technik

Christan Schwarzenbohler weist darauf hin, dass die alte Leittechnik des Kraftwerks ihren Zenit bereits weit überschritten hatte. Die alte Steuerung, bei der einige Komponenten bzw. Ersatzteile nicht mehr zu beschaffen waren, stand bereits annähernd 20 Jahre in Betrieb und verursachte sehr oft Fehlauslösungen. „Bei der im Oktober 2025 durchgeführten Steuerungsmodernisierung wurden sämtliche aktuell erforderlichen Einrichtungen in Bezug auf Netzverträglichkeit, IT-Sicherheit, Monitoring und Fernbedienbarkeit nachgerüstet. In diesem Zuge erfolgte zudem eine Komplettüberprüfung der elektrotechnischen Komponenten hinsichtlich Funktionalität und Anlagensicherheit. Damit ist das Kraftwerk nun am Stand der Technik und für einen wirtschaftlichen Betrieb in den nächsten Jahrzehnten bestens gerüstet“, sagt der Divisionsleiter. Der Schubert-Leistungsumfang für das Projekt umfasste eine ganze Reihe von Maßnahmen. Dazu zählten der Austausch diverser Sonderkomponenten und Messinstrumente, die Überprüfung der Einstellwerte und Auslösezeiten aller Schutzrelais mittels speziellem Schutzprüfgerät, die Komplettsanierung der Rohrbruchsicherungssteuerung und die thermographische Überprüfung aller Anlagenteile. „Dank der sauberen und detaillierten Vorbereitungsphase ist es gelungen, das Projekt innerhalb von nur zehn Tagen erfolgreich abzuschließen. Nachdem die Anlage am 14. Oktober außer Betrieb ging, konnte bereits am 23. Oktober mit der neuen Steuerung wieder ans Netz synchronisiert werden“, so Christian Schwarzenbohler.

Generalsanierung sichert effizienten Betrieb für kommende Jahrzehnte

Alexander Draxler zieht ein durchwegs positives Fazit über die Generalsanierung des Kraftwerks Hubalpenbach: „Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis, die beteiligten Unternehmen haben alle eine gute Leistung abgeliefert. Mit der neuen Steuerung ist die Überwachung und Bedienung des Kraftwerks viel einfacher und gleichzeitig auch komfortabler geworden. Wir können nun mittels Laptop oder Smartphone ortsunabhängig auf die Steuerung zugreifen und gegebenenfalls Anpassungen vornehmen – das war vorher nicht der Fall. Auch die Sanierungen am Maschinensatz und an der Wasserfassung waren definitiv kein Fehler. Alle Maßnahmen zusammengenommen haben dazu geführt, dass die Anlage mit hoher Effizienz läuft. Wir gehen davon aus, dass sich das zukünftig auch in einer etwas höheren Stromproduktion niederschlagen wird.“

Erschienen in zek HYDRO, Ausgabe 6/2025