Kärntner Familienkraftwerk schlägt mit neuer Druckrohrleitung ein neues Kapitel auf
Bild: © Gressel
Die offensichtlichen Mängel der alten Stahl-Druckrohrleitung waren schon ein wenig sinnbildlich für den Gesamtzustand des Kleinwasserkraftwerks, das die Familie Gressel seit über 70 Jahren unweit des Plöckenpasses betreibt. Raphael Gressel, heute Eigentümer in vierter Generation, hatte die Zeichen der Zeit schon vor einigen Jahren erkannt – und eine umfangreiche Erneuerung der Anlage in die Wege geleitet. Im Sommer 2025 stand dabei die Verlegung der neuen Druckrohrleitung im Mittelpunkt, die in rekordverdächtigen sechs Wochen realisiert werden konnte. Dabei kamen schub- und zuggesicherte Sphärogussrohre des Tiroler Branchenspezialisten Tiroler Rohre GmbH, kurz TRM, zum Einsatz. Nach erfolgreicher Druckprobe konnte der Betreiber im Spätherbst bereits mit der Maschineninbetriebnahme starten. Rechtzeitig zur Schneeschmelze im Frühling soll das traditionsreiche Kraftwerk Gressel mit verdreifachter Leistungskapazität bereitstehen.

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Ersatzneubau sichert Ökostrom aus dem Traditionskraftwerk für Generationen
Wer sich in der österreichischen Elektrizitätsbranche ein wenig auskennt, assoziiert mit der Gemeinde Kötschach-Mauthen vor allem eines: Kompetenz in Sachen erneuerbare Energien auf allerhöchstem Niveau. Seit 1886 wird im Gemeindegebiet Strom erzeugt, und seit 1899 verfügt man über ein eigenes Stromnetz – ganze 14 Jahre vor der Kärntner Landeshauptstadt Klagenfurt. Heute zählt die Marktgemeinde nördlich des Plöckenpasses zu den wenigen energieautarken Gemeinden Österreichs und hat in diesem Jahr bereits zum vierten Mal in Folge die höchste Auszeichnung des europaweiten Zertifizierungsprogramms für energieeffiziente Gemeinden, kurz e5, erhalten. Außerdem kann man auf den European Energy Award in Gold verweisen – und das gleich dreimal. Natürlich ist die Energiegemeinde untrennbar mit dem bekannten Ökostrom-Unternehmen Alpen Adria Energie (AAE) verbunden, das vom Ökostrom-Pionier Wilfried Klauss und seiner Familie in vierter Generation betrieben wird. Das Unternehmen, das seit fast 140 Jahren Bestand hat, gilt als eines der innovativsten im rot-weiß-roten Energiesektor. Und dennoch gibt es noch andere, ebenfalls sehr traditionsreiche Energieunternehmen in Kötschach-Mauthen. Das belegt die Familiengeschichte von Raphael Gressel, dessen Vorfahren seit über 500 Jahren als Grundbesitzer rund um den Plöckenpass aufscheinen. Und vor über 70 Jahren hat die Familie Gressel auch ihre ersten Spuren in Sachen Ökostromerzeugung hinterlassen. Das damals in Betrieb genommene Kleinwasserkraftwerk hat bis heute Bestand und sollte nun in die Neuzeit überführt werden, wie Betreiber Raphael Gressel erzählt.
Alterungsbedingte Wasserverluste machen Erneuerung notwendig
„Das Kraftwerk am Siebenbrunnenbach, das mein Urgroßvater 1950 geplant und wenige Jahre später in Betrieb genommen hat, war eine relativ kleine Anlage mit 6 kW Leistung. Sie war auch nicht zum Zweck der allgemeinen Stromversorgung konzipiert, sondern sollte allein Strom für eine damals moderne Käserei liefern. Immerhin wurde hier die Milch von 1.000 bis 1.200 Rindern zu Käse verarbeitet“, erzählt Raphael Gressel, der mit einem Lächeln ergänzt: „In der Käserei gab es also Strom, aber in unserem Gasthaus – 200 m tiefer – war noch keiner.“ Im Laufe der Zeit wurde die Anlage immer wieder modernisiert und angepasst, und auch das erwähnte Gasthaus am Plöckenpass wurde letztlich ans regionale Stromnetz angeschlossen. Ab Mitte der 90er-Jahre begann das Kleinkraftwerk dann als Einspeiser zu fungieren. Dass der Zahn der Zeit vor dem traditionsreichen Kraftwerk auch nicht Halt machte, wurde in den letzten Jahren aber immer offensichtlicher. „Entlang der Rohrleitungen sind immer wieder Rinnsale aufgetreten, die da eigentlich nicht sein sollten. Die Leckagen an den Schweißnähten der Stahlrohrleitung wurden zwar notdürftig behoben, aber der Gesamtzustand der Anlage war allgemein nicht mehr gut. Zuletzt gab es Jahre, in denen die Anlage kaum mehr lief. Es war an der Zeit, eine Entscheidung zu treffen“, erinnert sich der Betreiber und verweist darauf, dass gerade vor sieben bzw. acht Jahren die wirtschaftliche Basis für eine Sanierung oder gar einen Neubau einfach nicht gegeben war.
Zuverlässiges Wasserdargebot als Basis für wirtschaftlichen Neubau
Doch einige Jahre später sah die Sache anders aus. Gemeinsam mit dem bekannten Planungsingenieur Dipl.-Ing. Christoph Aste, selbst Kraftwerksbetreiber und Kärntner Sprecher der Interessensvertretung Kleinwasserkraft Österreich, nahm Gressel 2020 den entscheidenden Anlauf für ein Modernisierungsprojekt und fasste auf Basis neuer Wirtschaftlichkeitsrechnungen den Beschluss, das alte Kraftwerk am Siebenbrunnenbach komplett zu erneuern. „Die Verhandlungen mit den Behörden entpuppten sich in der Folge als sehr konstruktiv und auch nicht allzu zeitaufwändig. Zu meiner großen Freude sah man von Behördenseite keinen Anlass, für den neuen Wasserrechtsbescheid die Restwassermenge zu erhöhen. Ein wichtiger Punkt im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit“, so Gressel. Was das Wasserdargebot aus dem Siebenbrunnenbach anbelangt, machte sich der Betreiber überhaupt keine Sorgen: „Das Interessante an diesem Gewässer ist, dass es trotz eines sehr kleinen Einzugsgebiets über eine zuverlässig hohe Wasserführung verfügt, was mit der Topographie hier an der Nordseite der Karnischen Alpen zusammenhängt.“
Bestehende Rohrleitung erhält neue Funktion als Kabeltrasse
Bevor es an die Umsetzung des Projektes ging, brauchte es neben der behördlichen Genehmigung auch noch die Einigung mit dem Nachbarn, auf dessen Grundstück die Fassung liegt. Nachdem auch dieser Punkt einvernehmlich geregelt wurde, konnte es losgehen. Das gemeinsam mit seinem Planer Christoph Aste entwickelte Konzept sah dabei vor, dass man einige Teile der Anlage, die noch gut erhalten waren, beibehalten wollte. Das betraf einerseits die Wasserfassung und die Überleitung zum Entsander sowie die Hülle des Krafthauses und andererseits die alte Druckrohrleitung – letztere allerdings in neuer Funktion. „Die alte Stahlrohrleitung DN122 aus den frühen 1950er-Jahren wollte ich aus einem einzigen Grund nicht ausbauen: Sie sollte uns als Leerverrohrung für Strom und Steuerkabel dienen. Alternativ hätte ich sonst einen 2-Zoll-Plastikschlauch eingezogen. Wir hatten also ein gutes Argument für diese technische Lösung, die uns von Behördenseite letztlich auch genehmigt wurde.“ Die neue Druckrohrleitung sollte parallel dazu in nahezu identer Trassenführung errichtet werden. Für die Umsetzung betraute Gressel ein höchst bewährtes Bauunternehmen, die Firma Rumpf Bau GmbH aus dem steirischen Murau, die sich seit Jahrzehnten auch im Kraftwerksbau einen hervorragenden Namen gemacht hat. Als Rohrmaterial der Wahl entschied sich der Betreiber für die Qualität der Sphärogussrohre aus dem Hause TRM, die ihn in Sachen Wirtschaftlichkeit und Lebensdauer überzeugten.

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Langlebige Gussrohre sichern nachhaltigen Kraftwerksbetrieb
„Für mich als Betreiber war wichtig, dass wir ein Rohrsystem unter die Erde bringen, das nicht nach zwanzig, dreißig oder fünfzig Jahren wieder getauscht werden muss, sondern vielleicht erst nach einhundert. Nachhaltigkeit bedeutet auch Langlebigkeit. Und das ist bei den Rohren von TRM der Fall“, sagt Raphael Gressel. Diese Aussage kann Walter Korenjak, Leitung Vertrieb Österreich bei TRM, nur unterstreichen. „Langlebigkeit gilt bei Rohrsystemen noch immer als eines der wichtigsten Qualitätskriterien überhaupt. Wenn ein Rohrsystem auf 100 Jahre ausgelegt ist, dann ist es in Hinblick auf seine Nachhaltigkeit gegenüber anderen Systemen zweifellos von Vorteil.“ Er verweist in diesem Zusammenhang auch darauf, dass die Rohre voll recycelbar sind und selbst zur Gänze aus recyceltem Alteisen hergestellt werden. Auf diese Weise schließt sich bei TRM Gussrohren der Materialkreislauf in vorbildlicher Weise.
Konkret kamen am Siebenbrunnenbach über die 739 m lange Rohrtrasse Gussrohre vom Typ Pur-Long-Life der Dimension DN200 und der Druckklasse PN40 zum Einsatz. Zudem wurde die gesamte Rohrleitung in schub- und zuggesicherter Variante verlegt. Dabei handelt es sich um eine form- und längskraftschlüssige Muffen-Verbindung, die auch Belastungen von extrem hohen Kräften widersteht. Je nach Nennweite können damit Betriebsdrücke von über 100 bar oder zulässige Zugkräfte von bis zu 200 kN aufgefangen werden. „Dank der schub- und zuggesicherten Rohrverbindung von TRM konnten wir somit auch auf die Errichtung von betonierten Fixpunkten verzichten“, erinnert sich Raphael Gressel.
Effiziente Rohrverlegung unter extrem alpinen Bedingungen
Am 25. August 2025 fiel der Startschuss. Das Team von Rumpf Bau konnte mit der Verlegung beginnen. „Im Trassenbereich haben wir Neigungen von 40 bis nahezu 60 Prozent vorgefunden. Diese Steilheit stellte höchste Anforderungen an Planung, Verlegetechnik und Logistik“, erinnert sich DDI Max Rumpf, Junior-Chef des Bauunternehmens. „Um den Materialtransport und die Rohrverlegung in diesem anspruchsvollen Gelände effizient und sicher zu bewältigen, haben wir eine Kombination aus Spinnenbagger Kaiser S12 und Mastkipp-Materialseilbahn eingesetzt. Diese innovative Lösung ermöglichte eine präzise und wirtschaftliche Umsetzung der Verlegearbeiten.“
Als besonderer Vorteil erwies sich dabei die einfache und schnelle Verlegbarkeit der Gussrohre von TRM – ein Faktor, der im alpinen Gelände entscheidend ist. Die Kombination aus Robustheit und Elastizität ermöglicht es, die Rohre ohne zusätzliches Bettungsmaterial direkt im Mutterboden zu verlegen. Dadurch reduziert sich der Aushub auf eine schmale Künette, was nicht nur die Eingriffe in den Hang minimiert, sondern auch Zeit und Kosten spart. Die bewährte Auf-Zu-Methode – wonach der Rohrgraben nach jeder Rohrlänge wieder verfüllt wird – erlaubt ein kontinuierliches Arbeiten, das weitgehend unabhängig von Witterungseinflüssen bleibt. Mit einer Tagesleistung von fünf bis sechs Rohren à sechs Meter zeigte sich, wie effizient diese Bauweise ist. In gerade einmal sechs Wochen gelang es dem Team von Rumpf Bau, die komplette Druckrohrleitung neu zu verlegen. „Eine rekordverdächtige Bauzeit“, attestieren auch die für den Vertrieb in Kärnten, Salzburg und der Steiermark zuständigen Mitarbeiter der TRM Rudi Stelzl und Igor Roblek der Baufirma eine Top-Leistung. Die Druckprüfung Anfang November war auf Anhieb erfolgreich.

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Historische Wasserfassung bleibt integraler Bestandteil der Anlage

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Neben der Verlegung der neuen Druckrohrleitung zeichnete Rumpf Bau auch für die Anpassung von Wasserfassung und Entsander verantwortlich, die ebenfalls im Spätsommer dieses Jahres erfolgreich umgesetzt werden konnte. „Mir war eben wichtig, dass ich einige Teile der Anlage erhalten konnte. Vorranging ist hierbei die alte Wasserfassung zu nennen, die sich bei genauerem Hinsehen in einem sehr guten Zustand befand“, erklärt Raphael Gressel und verweist auf die außergewöhnliche Materialgüte des Bauwerks aus den frühen 1950ern: „Der verwendete Beton ist derart widerstandsfähig, dass er noch 1.000 Jahre hält. Ich hätte auch keine Idee, wie wir den aus dem Graben rausschremmen könnten – so massiv und hart ist der. Außerdem haben sich die Erbauer schon einiges beim Konzept gedacht: Zum Beispiel wurde das Fassungsbauwerk auf über 1.540 m Seehöhe schon damals lawinensicher ausgeführt. Und das ist es heute noch.“ Auch die 40 m lange Überleitung DN300 von der Fassung zum Entsander konnte belassen werden. Nur eine wesentliche stahlbauliche Adaption wurde dann doch an der Fassung vorgenommen: Um eine Verlängerung in der Anströmung zu erreichen, wurde auf das bestehende Querbauwerk ein speziell konstruiertes Stahlbauteil aufgesetzt. Diese „Stahlpfanne“ wurde von Raphael Gressel selbst gemeinsam mit seinem Stahlbauer entwickelt.
Neuer Maschinensatz kurz vor Inbetriebnahme

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Gemäß den Plänen von Raphael Gressel und Planer Christoph Aste wurde auch das Krafthaus nicht komplett abgetragen. Die Außenhüllen wurden belassen, für den Einbau der neuen Maschine wurde das Gebäude allerdings entkernt und entsprechend baulich adaptiert. Mit Spätherbst dieses Jahres konnte das Gros der Bauarbeiten bereits abgeschlossen werden. Die Umsetzung des Maschinenbaus steht nun auf dem Programm. Konkret setzt der Betreiber bei der elektromaschinellen Ausrüstung seines neuen Kleinkraftwerks auf eine 1-düsige Peltonturbine vom Fabrikat Unterlercher, die auf eine Ausbauwasserwassermenge von 30 l/s und eine Fallhöhe von 292 m ausgelegt ist und somit eine Nennleistung von 75 kW erreicht. „Damit sollte uns ein Leistungssprung um das 3-Fache gelingen“, freut sich Gressel, der den bevorstehenden Inbetriebsetzungsarbeiten sehr zuversichtlich entgegenblickt. Noch im Winter soll der Maschinensatz erstmalig Strom liefern. Letztlich wird das Kraftwerk als Überschusseinspeiser fungieren und gleichzeitig als inselbetriebsfähige Anlage sicheren Ökostrom für den eigenen Betrieb, die Werkstätte, die Wohngebäude und Almhütten der Familie Gressel bereitstellen. Und auch die alte Käserei, die mittlerweile zum Freilichtmuseum gehört, soll wieder Strom aus dem Kraftwerk Siebenbrunnenbach beziehen. Nach erfolgreicher Inbetriebnahme in den kommenden Wochen kann das traditionelle Familienkraftwerk somit das nächste Kapitel aufschlagen und in eine neue Ära der Wasserkraftnutzung gehen.
Erschienen in zek HYDRO, Ausgabe 6/2025


