Südtiroler Wasserkraftspezialist realisiert Großprojekte im Himalaya

6. Juli 2026, Lesedauer: 8 min

Bild: © Troyer

Gleich zwei Wasserkraftwerke hat die Südtiroler Troyer AG in den vergangenen Monaten mit ihrer Turbinentechnik ausgerüstet. Für das Kraftwerk Mewa Khola in Ost-Nepal lieferte das Sterzinger Wasserkraftunternehmen drei Francis-Turbinen mit einer Leistung von je 18,3 MW – seine bislang größten Maschinen dieses Bautyps. Parallel dazu arbeitet der Branchenspezialist aus den Alpen am Abschluss des Kraftwerksprojekts Seti Khola, rund 130 km westlich von Kathmandu, bei dem zwei, etwas kleiner dimensionierte Francis-Turbinen zum Einsatz kommen. Dass die Technologie der erfahrenen Südtiroler Maschinenbauer im Himalaya-Staat Nepal gefragt ist, ist nicht zuletzt auf das große Know-how in Sachen alpiner Hochdruck-Wasserkraftwerke zurückzuführen. Das nächste Kraftwerksprojekt Upper Madi befindet sich bereits in den Startlöchern.

Industrielle MEWA Recyclinganlage mit großen weißen Maschinen, komplexen Rohrsystemen und blauen Pumpen in einer Werkshalle.
Für das neue nepalesische Kraftwerk Mewa Khola lieferte Troyer seine bislang größten Francis-Turbinen – 3 Stück mit je 18,3 Megawatt Leistung.
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Nepal baut Wasserkraft aus und setzt auf alpine Technologie

Mit aktuell rund 3,9 GW installierter Leistung aus Wasserkraft befindet sich Nepal heute in einer Phase dynamischen Ausbaus. Es herrscht energiewirtschaftliche Aufbruchstimmung. Das ist naheliegend, wenn man sich das technisch-wirtschaftlich nutzbare Wasserkraftpotenzial von rund 42 GW vor Augen führt. Politisch ist der Sektor Wasserkraft klar als strategischer Entwicklungsmotor positioniert: Die Regierung verfolgt einen expliziten Kurs hin zu einem exportorientierten Wasserkraftsystem, das Überschüsse in der Regenzeit über regionale Strommärkte – insbesondere Richtung Indien und zunehmend auch Richtung Bangladesch – vermarkten soll. Als gewichtige strukturelle Einschränkungen gelten dabei jedoch die ausgeprägte Saisonalität der Abflüsse, die bislang geringe Rolle von Speicher- und Regelkraftwerken sowie Engpässe im nationalen und grenzüberschreitenden Übertragungsnetz, die das wirtschaftliche Ausschöpfen neuer Kapazitäten begrenzen. Vor diesem Hintergrund sind die politischen Zukunftshorizonte ausgesprochen ambitioniert: Bis etwa 2035 sollen die installierten Leistungen auf deutlich über 28 GW anwachsen und Nepal schrittweise als regional relevanter Stromexporteur etabliert werden – vorausgesetzt, Netzinfrastruktur, Finanzierung und regulatorische Stabilität entwickeln sich im gleichen Tempo wie der Kraftwerksbau.

Alpine Wasserkrafttechnologie für Nepals Hochdruckkraftwerke

Die spezifischen Rahmenbedingungen, die sich der Wasserkraftnutzung im Himalaya-Staat Nepal bieten, ähneln trotz einiger Eigenarten durchaus jenen, die man aus dem Alpenraum kennt: große Fallhöhen, steile Talflanken, hochenergetische Zuflüsse – es sind zum Teil ideale Bedingungen für Hochdruckanlagen. Unter diesem Gesichtspunkt macht sich die historische Entwicklung der alpinen Hochdruckkraftwerke durchaus bezahlt: Über viele Jahrzehnte wurden in den Alpen Pelton- und Francis-Laufrad-Technologien, Werkstoff- und Beschichtungs-Know-how, Erosionsschutz sowie Regel- und Betriebsstrategien unter extremen Lastwechseln weiterentwickelt und perfektioniert – stets mit dem Anspruch, dass Anlagen nicht nur effizient, sondern auch über lange Zeiträume stabil und wartungsarm laufen. Dieses Profil passt punktgenau zu Nepals Anforderungen, wo trotz teils hohen Sedimentfrachten, schwierigen Topographien und Zugänglichkeiten sowie anspruchsvollen hydrologischen Bedingungen „robuste Spitzenleistung“ gefordert ist. Dass Qualitätshersteller wie die Firma Troyer aus Südtirol in diversen nepalesischen Wasserkraftprojekten erfolgreich sind, liegt deshalb nicht zuletzt an der Kombination aus praxisbewährtem Know-how und industrieller Präzision. Turbinen, die auf Langlebigkeit und Reparaturfreundlichkeit ausgelegt sind, behalten auch unter rauen Bedingungen hohe Wirkungsgrade – und liefern damit genau das, was Betreiber in Nepal am Ende brauchen: verlässliche kWh, Jahr für Jahr.

Wasserkraftwerk-Baustelle am Seti Khola Fluss in Nepal mit Betonstaumauer und grünen Berghängen im Hintergrund.
Das Kraftwerksprojekt Seti Khola wurde in der Provinz Gandaki, rund 130 km westlich der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu, realisiert.
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Größte Francis-Turbinen der Firmengeschichte für Mewa Khola

Bei den jüngsten Referenzprojekten, die Troyer in Nepal umsetzen konnte, handelt es sich zugleich um echte Meilensteine der Firmengeschichte – allen voran das Kraftwerksprojekt Mewa Khola. Rund 200 Kilometer von der nepalesischen Hauptstadt entfernt, im Osten des Landes, wurden hier im vergangenen Jahr die größten vertikalalachsigen Francis-Turbinen installiert, die das Traditionsunternehmen in seiner über 90-jährigen Geschichte bislang gefertigt hat. Konkret wurden für das Mewa Khola drei baugleiche Francis-Turbinen mit einer Nennleistung von jeweils 18,3 MW geliefert. Das entspricht einer Gesamtleistung der Anlage von 55 MW. Die Turbinen sind auf eine Netto-Fallhöhe von 188 Metern und einen Ausbaudurchfluss von jeweils 11 m³/s ausgelegt. Das Triebwasser wird nach dem Fassungsbauwerk über einen fünf Kilometer langen unterirdischen Druckstollen zu den Turbinen geleitet. Der erzeugte Strom im Kraftwerk Mewa Khola wird über eine 12 km lange 132 kV-Leitung ins staatliche Netz eingespeist. Die Betreiber erwarten im Regeljahr eine durchschnittliche Produktion von ca. 300 GWh, damit kann die Anlage künftig den Strombedarf von rund 90.000 Haushalten decken. Baubeginn für das Projekt Mewa Khola war 2020/21, nach einer Umsetzungsphase im Terminplan befindet sich das Kraftwerk derzeit vor Beginn des Probebetriebs.

Umfassende elektromechanische Ausrüstung für Seti Khola

Die hoch ausgereifte Francis-Laufradtechnologie der Troyer AG war auch beim Kraftwerksprojekt Seti Khola, in der Provinz Gandaki, rund 130 km westlich der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu, gefragt. Für das Laufkraftwerk am Fluss Seti Khola zeichnete der Südtiroler Wasserkraftspezialist neben den beiden Francis-Turbinen, die auf jeweils 11,5 MW ausgelegt worden sind, auch für die gesamte elektrische Anlage vom Generator bis zur Übergabestelle in Hochspannung (132 kV) verantwortlich – Generatoren, Mittelspannungszellen, Transformatoren, Hochspannungsstation und Schutzvorrichtungen. Zudem lieferte Troyer das Steuerungs- und Automatisierungssystem des Kraftwerks. Eine zentrale Herausforderung für die erfahrenen Wasserkraftspezialisten aus Südtirol ist dabei der extrem hohe Gehalt an Kalk im Wasser – der Name Seti bedeutet „viele Kalkpartikel, die im Wasser gelöst sind“ –, was spezielle technische Anpassungen an den Turbinen erforderlich machte. Aktuell ist man auch beim Kraftwerk Seti Khola mit dem Abschluss der Montagearbeiten zugange. In Summe soll das neue Kraftwerk im Regeljahr rund 133 GWh Strom liefern, wobei rund 90 GWh auf die Regenzeit und der Rest auf die trockene Saison entfallen.

Steile Felswände und grüner Wald am Ufer des Upper Madi Flusses in Nepal mit fließendem Wasser über helle Steine.
In diesem Bereich entsteht das Eingangsportal zum Kavernenkraftwerk Upper Madi, rund 20 km nordöstlich von der Stadt Pokhara.
© Troyer

Upper Madi: Erstes Kavernenkraftwerk stellt Troyer vor neue Aufgaben

Noch einige Schritte von der Fertigstellung entfernt ist das Wasserkraftprojekt Upper Madi, das am Madi-Fluss im Bezirk Kaski, rund 20 Kilometer nordöstlich von Pokhara und etwa 150 Kilometer von Kathmandu entfernt, errichtet wird. Der Vertrag mit der Troyer AG wurde im April 2025 unterzeichnet. Troyer wird bei diesem Projekt von der Planung bis zur Inbetriebnahme für die komplette Lieferung der elektromechanischen Ausrüstung, einschließlich der drei vertikalen 4-düsigen-Pelton-Turbinen sowie des gesamten elektrischen Systems – vom Generator über Mittelspannungsanlagen und Transformatoren bis zur 132-kV-Hochspannungs-GIS-Station und der Leit- und Automatisierungstechnik – verantwortlich sein. Die drei Pelton-Turbinen sind bei einer Nennfallhöhe von 407 Metern und einer Ausbauwassermenge von 4,2 m³/s pro Turbine auf eine Turbinenleistung von 15 MW ausgelegt, was eine Gesamtanlagenleistung von 45 MW bei einem Gesamt-Ausbaudurchfluss von 12,6 m³/s bedeutet. Während in Nepal generell die anspruchsvolle Logistik sowie die schwierigen Bedingungen bei der Baustellenvorbereitung und -überwachung die zentralen Herausforderungen darstellen, kommt bei Upper Madi eine besondere technische und organisatorische Komplexität hinzu: Es handelt sich um das bislang erste und einzige Troyer-Projekt im Land, das vollständig in einer Kaverne realisiert wird. Überhaupt gilt es als das erste Hochdruck-Kraftwerk in der Himalaya-Region, bei der sämtliche Bauwerke – vom Einlauf über das Oberwasserbauwerk und dem Kraftwerk bis hin zum Umspannwerk – unterirdisch in einer Kaverne untergebracht sind. Vor diesem Hintergrund stellt Upper Madi für Troyer eine neue und zugleich besonders spannende Herausforderung dar.

Troyer baut seine Marktpräsenz in Nepal weiter aus

Mit ihren jüngsten Kraftwerksprojekten in Nepal konnte die Troyer AG nicht nur ihre hohe Kompetenz in Sachen Wasserkrafttechnologie unter Beweis stellen, sondern unterstrich damit auch die langfristig ausgelegte Strategie des Unternehmens in der Region: „Troyer hat sich mittlerweile eine starke Position in Nepal aufgebaut. Mit mehr als 16 Projekten im Land haben wir das volle Vertrauen der Kraftwerksbetreiber im Himalaya-Staat gewonnen – und stärken damit unsere langfristige Präsenz in der gesamten Himalaya-Region“, betont Pawan Dhakal, leitender Direktor der Troyer-Zweigstelle in Indien. Gleichzeitig baut das Unternehmen seine lokale Infrastruktur weiter aus: „Wir genießen das überwältigende Vertrauen bestehender und neuer Kunden und erweitern unsere Präsenz mit einem lokalen Servicebüro inklusive Ersatzteillager, um unsere Kunden vom nächstgelegenen Standort aus zu unterstützen.“ Auch aus Vertriebssicht ist Nepal ein Zukunftsmarkt für die Südtiroler Wasserkraftspezialisten: „Wir sind stolz, unsere Erfahrung und Technologie in Projekte einzubringen, die sowohl für Nepal als auch für Troyer richtungsweisend sind“, erklärt Hanspeter Schölzhorn, Verkaufsleiter von Troyer, und verweist darauf, dass durch die Niederlassungen in Nepal und Indien eine qualitativ hochwertige und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Kunden sichergestellt werde. Mit seinem Engagement trägt Troyer nicht nur zur Stärkung der Energieunabhängigkeit Nepals bei, sondern leistet zugleich einen wichtigen Beitrag zu nachhaltiger, sauberer Stromerzeugung, wirtschaftlicher Entwicklung und langfristiger Versorgungssicherheit – ein entscheidender Baustein für den Klimaschutz im Wasserkraft-Land Nepal.

Erschienen in zek HYDRO, Ausgabe 1/2026