Seit November 2025 erzeugt die Salzburger Gemeinde Bergheim mit dem neuen Kleinwasserkraftwerk Muntigl saubere Energie. Mit der Ökostromanlage, die an der Einmündung der Fischach in die Salzach errichtet wurde, kann die Gemeinde den Energiebedarf für ihre kommunalen Einrichtungen zur Gänze auf nachhaltige Weise selbst abdecken. Das komplette Turbinen-, Elektro- und Stahlwasserbauequipment sowie die Steuerung für das Ausleitungskraftwerk stammt vom oberösterreichischen Wasserkraftallrounder Jank GmbH. Als Herzstück der Anlage lieferte Jank eine vertikalachsige Kaplan-Turbine mit 245 kW Engpassleistung, die in einem breiten Betriebsband Strom erzeugen kann. Gemeinsam mit dem Kraftwerk wurde eine mustergültige Fischaufstiegsanlage errichtet, die den Gewässerbewohnern nun eine freie Passage von der Salzach bis zum Wallersee im Salzburger Seengebiet ermöglicht.

© Gemeinde Bergheim
Neues Gemeindekraftwerk stärkt Eigenversorgung und Gewässerökologie
Der Bau des neuen Kleinwasserkraftwerks im Ortsteil Muntigl der Gemeinde Bergheim ist mit den Vorschreibungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie verbunden, welche die Herstellung der gewässerökologischen Durchgängigkeit an der Fischach forderte. „Es gab zwei Abschnitte an der Fischach, an denen die Fischdurchgängigkeit hergestellt werden musste. Das waren die Wehranlage am Stuböckwehr und weiter bachabwärts bei der Einmündung des Gewässers in die Salzach“, erklärt der Bergheimer Bauamtsleiter Martin Sams: „Zunächst wurde am Stuböckwehr die Errichtung eines Schneckenkraftwerks in Verbindung mit dem Bau des Fischaufstiegs angedacht. Der Standort hat sich bei näherer Betrachtung allerdings als nicht rentabel für ein Wasserkraftwerk erwiesen, weswegen dort nur die Fischaufstiegshilfe realisiert wurde.“
Ausleitungskraftwerk nutzt zusätzliche Fallhöhe
An der Einmündung der Fischach in die Salzach stellte sich die Situation anders dar, erklärt Martin Sams. Dort waren die Bedingungen günstiger, um die vorgeschriebene Fischaufstiegsanlage mit dem Bau eines Kleinwasserkraftwerks zu kombinieren. Die ursprünglichen Pläne sahen vor, das Maschinengebäude des Kraftwerks direkt neben der Wehranlage zu platzieren. Vom Salzburger Fischmigrationsexperten Helmut Mader, der eng in die Projektierung eingebunden war, wurde schließlich ein alternatives Konzept für den Bau eines Ausleitungskraftwerks ausgearbeitet. Mit dieser Variante konnten zwei zusätzliche Meter an Fallhöhe für die Stromproduktion genutzt werden. Für die Realisierung ihres neuen Kraftwerks setzte die Gemeinde Bergheim auf die Kompetenz ausgewiesener Bau- und Wasserkraftexperten. Die Umsetzung der gesamten Hoch- und Tiefbauarbeiten und die Verlegung der Druckrohrleitung wurde an den Bauverbund Stöckl aus dem Salzburger Pinzgau vergeben. Obwohl die Bauphase grundsätzlich reibungslos über die Bühne ging, galt es für den Bauverbund Stöckl einige herausfordernde Randbedingungen zu bewältigen. „In unmittelbarer Nähe zur Druckrohrleitung verläuft der Hauptabwasserkanal der Landeshauptstadt Salzburg, oberirdisch musste auf die Stromleitungen der Salzburger Lokalbahn Acht genommen werden. Zudem überquert die Druckrohrleitung auch die Hauptgasleitung der Stadt Salzburg, die bei den Grabungsarbeiten auf keinen Fall beschädigt werden durfte. Weiters stellten sich auch die geologischen Bedingungen, vor allem im Bereich des Krafthauses, als schwierig dar“, so Martin Sams. Trotz dieser anspruchsvollen Gegebenheiten konnte der Bauverbund Stöckl das Projekt im veranschlagten Zeitraum professionell abschließen. Ebenfalls am Projekt beteiligt waren das Ingenieurbüro Wölfle ZT-GmbH, das für die Planung, Ausschreibung und die örtliche Bauaufsicht zuständig war, die Brandstätter Ziviltechniker GmbH für die statischen Berechnungen und die Bautechnische Versuchs- und Forschungsanstalt Salzburg, die für die Bodenuntersuchungen, die Bodenmechanik und das Gründungskonzept beauftragt wurde.
Jank realisiert komplette Kraftwerkstechnik
Mit der kompletten technischen Ausstattung des Kraftwerks Muntigl wurde der oberösterreichische Wasserkraftspezialist Jank GmbH beauftragt. Das in 4. Generation geführte Innviertler Familienunternehmen verfügt dank etlicher eigener Anlagen über den Vorteil, die unterschiedlichsten Anforderungen von Kleinwasserkraftwerken direkt aus der Praxis zu kennen. Mit diesem Know-how können für die Kunden perfekt abgestimmte Vorschläge und Konzepte erstellt werden. Siegi Jank, Konstruktionsleiter der Jank GmbH, betont beim zek HYDRO-Lokalaugenschein die Vorteile, die Gemeinden aus der Wasserkraftnutzung ziehen können: „Der Bau eines Wasserkraftwerks, das einer Gemeinde den rund um die Uhr benötigten Strom liefert, ist stets eine Investition in die lokale bzw. regionale Wirtschaft. Außerdem wird durch ein gemeindeeigenes Wasserkraftwerk die Versorgungssicherheit gestärkt und es trägt – bei entsprechender technischer Ausführung – zu einer Blackout-Vorsorge bei. Man darf auch nicht unterschlagen, dass ein Gemeindekraftwerk eine sichere Investition darstellt, mit dem über Generationen hinweg saubere Energie produziert werden kann.“ Der Konstruktionsleiter erklärt, dass ein von Jank ausgestattetes Kraftwerk für Gemeinden auch die Reduzierung von Schnittstellenrisiken mit sich bringt. „Da sowohl das Engineering von Turbinentechnik und Stahlwasserbau sowie die Automatisierung zu 100 Prozent von Jank erfolgt, haben Gemeinden immer nur einen einzigen und dazu kompetenten Ansprechpartner zur Verfügung“, sagt Siegi Jank. Auch für das Kraftwerk Muntigl schnürte Jank ein Komplettpaket, das den Stahlwasserbau an der Wehranlage, den Maschinensatz im Krafthaus und die Elektro- und Steuerungstechnik beinhaltete.

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Wasserfassung mit bewährter Technik
Der Aufstau des Triebwassers an der Wehranlage geschieht durch eine massive Wehrklappe in Fischbauchausführung mit einseitigem hydraulischem Antrieb. Am Einlaufbereich der Wasserfassung wurde ein fischfreundlicher Horizontalrechen installiert, der sowohl die Gewässerbewohner, als auch Treibgut und Geschwemmsel vom Triebwasserweg fernhält. Die Reinigung der Rechenfläche erfolgt durch eine pegelgeregelte Rechenreinigungsmaschine mit elektromechanischem Antrieb. Das von der Putzharke entfernte Rechengut wird direkt zu einer Spülklappe befördert und über diese in den Unterwasserbereich abgeführt – somit ersparen sich die Betreiber die aufwändige Entsorgung des Geschwemmsels. Das ausgeleitete Triebwasser wird durch eine ca. 200 m lange Druckrohrleitung aus glasfaserverstärkten Kunststoffrohren (GFK) in der Dimension DN1800 zur Turbinierung ins Krafthaus geleitet. Die GFK-Rohre, die mit ihren äußerst glatten Innenflächen für eine Minimierung der hydraulischen Reibungsverluste sorgen, stammen vom Branchenspezialisten Amiblu.

© Jank/Gerhard Maier
Hocheffizienter Maschinensatz
Das Herzstück der neuen Ökostromanlage in Bergheim bildet eine vertikalachsige Kaplan-Turbine, die von den Oberösterreichern für ein Maximum an Effizienz konstruiert wurde. Bei einer Ausbauwassermenge von 5 m³/s und 6,2 m Nettofallhöhe schafft die Turbine 245 kW Engpassleistung. Ihre Stärken kann die Maschine vor allem bei geringem Wasserdargebot voll ausspielen. Dank der doppelten Regulierfähigkeit mittels verstellbarer Leit- und Laufradflügel ist die Turbine auch bei wenig Wasser in der Lage, in einem breiten Teillastspektrum effizient Strom zu produzieren. Komplettiert wird der Maschinensatz durch einen direkt mit der Turbinenwelle gekoppelten Permanentmagnet-Synchrongenerator vom deutschen Hersteller CEDS DURADRIVE GmbH, der mit exakt 375 U/min angetrieben wird. Mit dem speziellen Blechgeometrie-Design, der intelligenten Magnetanordnung und der Materialwahl auf höchstem Qualitätsniveau verbindet der Generator erstklassige Leistung mit wirtschaftlicher Nachhaltigkeit. Es wurde eine kompakte Lösung realisiert, welche die Anforderungen an Effizienz, Robustheit, Langlebigkeit und einer hohen Leistungsdichte gerecht wird. Ein beeindruckender Wirkungsgrad von 96,6 Prozent mit einem Leistungsfaktor von 1,0 im Nennbetrieb sind das Ergebnis, welches die Amortisationszeit der Anlage deutlich verkürzt. Dabei stechen besonders die kompakte Bauweise und der ruhige Betrieb des Generators hervor. Mit über 50 Jahren Erfahrung in der Antriebsstechnik ist CEDS DURADRIVE ein geschätzter Partner in den Sektoren Erneuerbare Energien, Werkzeugmaschinen sowie in der Schiffs-, Hebe- und Verkehrsbranche. Beim Kraftwerk Muntigl kommt ein maßgeschneiderter Permanentmagnet-Generator zum Einsatz, der auf 420 V Betriebsspannung und 245 kVA Nennscheinleistung ausgelegt wurde. Durch die Permanentmagnet-Technologie gewährleistet die Maschine hohe Wirkungsgrade über sämtliche Leistungsbereiche hinweg. Da die namensgebenden Permanentmagnete ein kontinuierliches Magnetfeld erzeugen, benötigt die Maschine keine elektrische Erregerwicklung, wie sie bei herkömmlichen Generatoren benötigt wird. Damit kann der Generator im Vergleich zu konventionellen Synchron-Generatoren in deutlich kleinerer Baugröße und mit geringerem Gewicht ausgeführt werden. Ein weiterer Pluspunkt ist das Wasserkühlsystem des Generators, das für die Minimierung der Betriebsgeräusche sorgt. „Wir haben zudem die technischen Vorkehrungen getroffen, damit die Anlage nachträglich mit einer Schwarzstart- und Inselbetriebsfähigkeit ausgerüstet werden kann“, ergänzt Siegi Jank.

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Mustergültiger Fischaufstieg
Um den Gewässerbewohnern eine freie Passage von der Salzach in die Fischach zu gewährleisten, kommt ein kombiniertes System zum Einsatz. Dieses besteht aus einem technischen Abschnitt und einem naturnahen Gerinne. Im unteren Bereich der Kraftwerksanlage beim Maschinengebäude, wo die Fische auf geringer Fläche einen großen Höhenunterschied überwinden müssen, wurde ein enature® Fishpass errichtet. Dabei handelt es sich um einen Multi-Struktur-Schlitzpass, der eine Weiterentwicklung von klassischen Schlitzpässen bzw. Vertical-Slot-Pässen darstellt. Das Fertigteilsystem, das vom oberösterreichischen Hersteller Kirchdorfer Concrete Solutions, Tochter der Kichdorfer Gruppe, in enger Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur Wien entwickelt wurde, erfüllt die Bedürfnisse moderner Fischwanderhilfen und minimiert gleichzeitig den Wasserbedarf. Der enature® Fishpass, der bereits 2021 in den österreichischen Leitfaden zum Bau von Fischaufstiegshilfen aufgenommen wurde, stellt seine Praxistauglichkeit an einer Vielzahl von Kraftwerkstandorten unter Beweis und gilt als gleichermaßen effiziente und wirtschaftliche Lösung für Wasserkraftbetreiber. Nach dem technischen Abschnitt geht der Fischaufstieg des Kraftwerks Muntigl in ein naturnahes Umgehungsgerinne über, das direkt über der Druckrohrleitung des Kraftwerks verläuft.

© Gemeinde Bergheim
Durchgängige Fischwanderung bis zum Wallersee
Martin Sams zeigt sich im Gespräch mit zek HYDRO äußerst zufrieden mit dem Endergebnis des Bergheimer Ökostromprojekts: „Alle Firmen, die an dem Projekt beteiligt waren, haben eine sehr gute Leistung abgeliefert, die Zusammenarbeit war wirklich vorbildlich. Ich kann jeder Gemeinde, die die Möglichkeit hat, empfehlen, ein Wasserkraftwerk zu bauen. Die Gemeinde Bergheim ist nun in der Lage, den kompletten Eigenbedarf der Gemeinde selbst abzudecken. Wir gehen davon aus, dass die Baukosten der Anlage in 12 bis 15 Jahren amortisiert sein werden. Aktuell sind wir am Überlegen, ein zusätzliches Batteriespeichersystem zu installieren, um die Versorgungssicherheit weiter zu verbessern.“ Die Errichtung des neuen Kleinkraftwerks, dass im Regeljahr rund 1,2 GWh Ökostrom erzeugen kann, hat sich auch in ökologischer Hinsicht bezahlt gemacht. Dank der neuen Fischaufstiege in Muntigl und beim Stuböckwehr wurden für die Gewässerlebewesen die letzten Hindernisse für eine barrierefrei Passage von der Salzach bis zum rund 20 Kilometer entfernten Wallersee aus dem Weg geräumt.
Erschienen in zek HYDRO, Ausgabe 3/2026

