Neue Vermarktungswege: Gewinne sind auch ohne OeMAG-Förderung langfristig möglich

Autor: Dipl.-Ing. Daniel Hölder , 23.01.2017

Kleinwasserkraftwerke, die in einem OeMAG-Vertragsverhältnis stehen, erwirtschaften solide Erträge – derzeit zwischen 70 bis 100 € pro erzeugter Megawattstunde.

Doch sobald die OeMAG-Förderung ausläuft, ändert sich die Erlössituation drastisch. Mit klugen Konzepten, die die Preisschwankungen an der Strombörse nutzen, sowie der Unterstützung eines Dienstleisters, lassen sich Kleinwasserkraftwerke trotz sinkender Marktpreise auch in Zukunft wirtschaftlich betreiben.

Die aktuelle Entwicklung an den Strommärkten spricht eine deutliche Sprache: Vor wenigen Jahren waren am freien Markt noch 50 € pro Megawattstunde zu erzielen, heute sind am Terminmarkt der EEX für klassische Jahreskontrakte noch maximal 25 € pro Megawattstunde zu erreichen. Und der Trend zeigt auch für die kommenden Jahre eher nach unten. Daher stellt sich für zahlreiche Betreiber von Kleinwasserkraftwerken, deren OeMAG-Förderung ausläuft oder bereits ausgelaufen ist, die Frage nach der wirtschaftlichen Zukunft ihrer Anlagen.
Unsere Botschaft an die Anlagenbetreiber: Wer die Erzeugungsflexibilität eines Kleinwasserkraftwerks richtig nutzt, braucht sich keine Sorgen um die Zukunft der Anlage zu machen. Gemeinsam mit einem Vermarkter wie der Clean Energy Sourcing GmbH (CLENS) können Betreiber die Flexibilität ihrer Anlage auf unterschiedliche Weise nutzen und dadurch beträchtliche Zusatzerlöse generieren.

Als Experte im Bereich Flexibilitätsmanagement und Regelenergievermarktung bietet CLENS Betreibern von Kleinwasserkraftwerken drei lukrative und miteinander kombinierbare Erlöswege, die den normalen Betrieb eines Kleinwasserkraftwerks sinnvoll ergänzen:
 
•    Vermarktung von Regelleistung
•    Bedarfsgerechte Erzeugung
•    Regionale Belieferung

Vermarktung von Regelleistung
Kleinwasserkraftwerke sind ideal dafür geeignet, negative Sekundär- und Tertiärregelleistung vorzuhalten. Das heißt: Tritt eine Überspeisung und eine damit einhergehende Überfrequenz im Stromnetz auf, wird das Kraftwerk vom Regelzonenführer APG über unser virtuelles Kraftwerk kurzfristig heruntergeregelt. Für die reine Vorhaltung dieser Flexibilität erhält der Betreiber einen Bereitstellungspreis – die Stromproduktion aus dem Kleinwasserkraftwerk läuft dabei ganz normal weiter. Nur wenn tatsächlich ein Abruf der Regelleistung durch die APG erfolgt, wird das Kraftwerk heruntergeregelt. In diesem Fall wird dem Kraftwerksbetreiber für die erbrachte Regelarbeit zusätzlich ein Arbeitspreis ausgezahlt. Die Einnahmen aus der Regelnergievermarktung können für den Betreiber, je nach steuerbarer Leistung der Anlage, zwischen 2 bis 4 € / MWh bezogen auf die Jahresproduktion betragen. Um mit dem Kraftwerk direkt kommunizieren und es im Bedarfsfall ohne Verzögerung anzusteuern zu können, installiert CLENS an der Anlagensteuerung eine Fernwirkbox, die über Mobilfunk mit unserem zentralen Leitsystem verbunden ist. Das CLENS-Leitsystem ist wiederum mit dem Leitsystem des Regelzonenführers, der ständig das Gleichgewicht im Stromnetz überwacht, verbunden. An die komplette Kommunikationsstrecke werden dabei höchste Sicherheitsanforderungen gestellt.

Bedarfsgerechte Erzeugung
Sofern das Kleinwasserkraftwerk über eine Speichermöglichkeit verfügt, lohnt sich eine bedarfsgerechte Erzeugung, also eine strommarktoptimierte Fahrweise des Kraftwerks. Bei einer bedarfsgerechten Erzeugung wird die Stromerzeugung soweit wie möglich in Hochpreis-Phasen verlagert (siehe Abbildung oben). Die wirtschaftlichen Potenziale einer bedarfsgerechten Erzeugung werden maßgeblich von den Preisschwankungen an der Strombörse bestimmt – und diese sind im kurzfristigen Intraday-Handel am größten. Daher gilt: Je flexibler das Kleinwasserkraftwerk auf Preissignale reagieren kann, desto größer ist das zusätzliche Erlöspotenzial. Zudem kann in Zeiten der Leistungsreduktion aus dem Kraftwerk auch positive Regelenergie bereitgestellt werden.
Um maximale Zusatzerlöse aus einer bedarfsgerechten Erzeugung zu erreichen, bedarf es einer intensiven Beobachtung der Strommärkte und einer individuellen Bewirtschaftung der jeweiligen Anlage. CLENS hat hierfür eine eigene Modellierungs- und Optimierungssoftware entwickelt, die alle technischen und betrieblichen Restriktionen einer Anlage berücksichtigt und marktübergreifend optimierte Anlagenfahrpläne erstellt. Hierbei beachtet der hinterlegte Optimierungsalgorithmus sowohl die Börsenpreise an den verschiedenen Märkten als auch potenzielle Regelenergieerlöse. Die individuellen Fahrpläne werden dem Anlagenbetreiber als Fahrplanvorschlag zur Verfügung gestellt und wahlweise manuell oder automatisiert über das virtuelle Kraftwerk der CLENS umgesetzt. Bei Bedarf ist eine kurzfristige Anpassung der Fahrplanvorschläge durch den Anlagenbetreiber problemlos möglich.
Durch die tägliche und gegebenenfalls untertägige Optimierung der Fahrpläne kann abhängig von den Speicherkapazitäten und der Turbinenleistung ein Mehrerlös gegenüber dem durchschnittlichen Marktpreis (EPEX Spot) von bis zu 15 € / MWh erzielt werden.  

Regionale Belieferung
Ergänzend zur Regelenergievermarktung und zur bedarfsgerechten Erzeugung kann die regionale Belieferung als Vermarktungsoption genutzt werden. Betreiber von Kleinwasserkraftwerken haben hier die Möglichkeit selbst zum regionalen Stromversorger zu werden und Industrie-, Gewerbe und Haushaltskunden in der Nachbarschaft der Anlage direkt mit Strom aus dem Kleinwasserkraftwerk zu beliefern. Mittels preisgünstiger und regionaler Versorgungsangebote können Anlagenbetreiber einen wichtigen Beitrag zur Etablierung der dezentralen Energieversorgung leisten und gleichzeitig interessante Zusatzerlöse erwirtschaften. Durch unsere erprobten White-Label-Produkte lassen sich regionale Stromprodukte für Anlagenbetreiber ohne großen Zeitaufwand umsetzen. Eine bereits bestehende Webseitenstruktur und Marketingunterlagen können flexibel auf die Marke des Betreibers angepasst werden. CLENS übernimmt zudem alle Formalitäten, die Abrechnung sowie die Prognose, die Strukturierung, das Bilanzgruppen- und das Fahrplanmanagement.

Erträge ohne zusätzlichen Aufwand
Anhand der drei vorgestellten Erlösmöglichkeiten wird deutlich, dass die Betreiber von Kleinwasserkraftwerken den sinkenden Preisen an den Strommärkten keinesfalls hilflos ausgeliefert sind. Im Gegenteil: Durch die Nutzung der Erzeugungsflexibilität der Anlage und mit Hilfe kluger Vermarktungskonzepte lassen sich die Erlöse gegenüber dem normalen Betrieb deutlich steigern. Alle drei vorgestellten Vermarktungswege lassen sich dabei problemlos miteinander kombinieren. Und bei allen drei Vermarktungswegen entsteht für den Anlagenbetreiber kaum zusätzlicher Aufwand. CLENS übernimmt von der Einbindung in das virtuelle Kraftwerk bis hin zur täglichen Vermarktung alle anfallenden Kosten und Leistungen.
Wir empfehlen daher Betreibern von Kleinwasserkraftwerken, sich mit ergänzenden Vermarktungswegen auseinanderzusetzen und diese zu nutzen. Neben den heute erschließbaren und voraussichtlich weiter steigenden Erlöspotenzialen aus der Vermarktung der Erzeugungsflexibilität des einzelnen Betreibers liegt dies auch im Interesse der Kleinwasserkraftbranche insgesamt. Denn über den Beweis, dass die Kleinwasserkraft als flexibler Partner von Solar- und Windstrom zum Gelingen der Energiewende beitragen kann, kann die Branche das wirtschaftliche und teils auch politische Abstellgleis wieder verlassen. Und dies ist nicht nur für den Anlagenausbau, sondern auch für den Bestand von großer Bedeutung, da das Ende der festgeschriebenen Förderdauer in vielen Fällen immer näher rückt.

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Diagramm

 

Bedarfsgerechte Erzeugung bei einem Laufwasserkraftwerk mit kleinem Speicher. Bei hohen Strommarktpreisen wird die Erzeugung phasenweise gezielt erhöht.

Daniel Hilder2

 

Autor des Artikels: Dipl. -Ing.  Daniel Hölder, Geschäftsführer Clean Energy Sourcing  GmbH  Österreich 

Foto: CLENS