Salzburger Magistrat stellt mit Modernisierung von KW Münzgasse Notstromversorgung sicher

Autor: Andreas Pointinger , 04.04.2022

Das vom Almkanal gespeiste Kleinwasserkraftwerk Münzgasse in der Salzburger Altstadt hat letzten September eine umfassende Modernisierung erhalten.

Durchgeführt wurde die „Blitzrevitalisierung“ während der Almabkehr, bei welcher der seit Jahrhunderten genutzte Wasserlauf innerhalb von drei Wochen alljährlich gereinigt wird. Um die Stromversorgung des Schloss Mirabell, das von der Stadt Salzburg im Anlassfall als Krisenzentrum genutzt wird, auch bei einem Blackout sicherzustellen, wurde das Kraftwerk Münzgasse in steuerungs- und regelungstechnischer Hinsicht auf den aktuellen Stand der Technik gebracht. Umgesetzt wurde die Revitalisierung von der oberösterreichischen Jank GmbH, der branchenweit über die Bundesgrenzen hinaus ein hervorragender Ruf vorauseilt. Bei der nächsten Almabkehr im kommenden Herbst werden die Innviertler Kleinwasserkraftallrounder die Francis-Turbine BJ 1904 einem Retrofitprogramm unterziehen.

Der Salzburger Almkanal zählt zu den ältesten urbanen Wassersystemen Europas und wird von der Bewohnern der Landeshauptstadt seit Jahrhunderten genutzt. Urkundliche Aufzeichnungen belegen, dass erste Teilstücke des im Laufe der Zeit immer weiter ausgebauten Kanalnetzwerks bereits im 8. Jahrhundert errichtet wurden. Auf seinem Verlauf durch die verschiedenen Ortsteile Salzburgs dehnt sich der Hauptast des Almkanals über eine Länge von ca. 12 Kilometern aus. Im Inneren des Stadtgebiets teilt sich der Wasserlauf schließlich fächerförmig in sieben Teilarme auf, die zu weiten Teilen unterirdisch Richtung Salzach führen. Beim sogenannten „Neutorarm“ wird der Almkanal in einem 190 m langen, im Jahr 1548 erbauten Stollen durch den Mönchsberg zum Betrieb der Kleinwasserkraftanlage Münzgasse angestaut.

Standort seit Jahrhunderten genutzt
„Die Wasserkraftanlage erzeugt allerdings erst seit den 1970er Jahren elektrischen Strom“, sagt Helmut Krimpelstätter, der als Betriebselektriker beim Magistrat Salzburg für die elektrischen Anlagen der städtischen Betriebe der Stadt zuständig ist: „Gemäß historischer Aufzeichnungen wurde der Standort im 16. Jahrhundert als Pumpwerk genutzt, wobei ein mittels Wasserrad mechanisch betriebenes System Wasser aus der Salzach förderte. Später entstand dort eine Münzprägerei, daher stammt auch der Name Münzgasse. Danach wurde der Standort für den Betrieb einer Mühle genutzt. 1904 wurde die Anlage schließlich von der Stadt Salzburg erworben und eine Francis-Turbine mit horizontaler Welle eingebaut. Die Turbine diente für den mechanischen Antrieb einer Kältemaschine, die zur Blockeisherstellung genutzt wurde. Da der Eisbedarf der städtischen Brauereien und Metzgereien, welche das Eis zur Kühlung von Bier und Fleisch benötigten, im Laufe der Zeit immer stärker nachgelassen hat und auch die Zufahrtsmöglichkeiten im Stadtgebiet seit jeher ungünstig waren, wurde das einstige Kühlhaus in der Münzgasse 1967 stillgelegt“, erzählt Krimpelstätter. Schon wenige Jahre später sollte der traditionsreiche Standort für eine neuen Aufgabe umgerüstet werden, ergänzt Krimpelstätter. 1973 hatte das Magistrat den Umbau der Anlage zu einem Kleinwasserkraftwerk, mit dem elektrischen Strom erzeugt wird, abgeschlossen. Die eigentliche Funktion der erzeugten Energie war die vollautomatische Aufrechterhaltung der Notstrombeleuchtung für eine ganze Reihe öffentlicher Veranstaltungsobjekte der Stadt Salzburg wie das große und kleine Festspielhaus, das Marionettentheater, das Mozarteum, das Kongresshaus oder das Landestheater.­ Der Jahresstrombedarf für diesen Ver­­wendungszweck lag im Bereich von lediglich­ ca. 8.000 kWh, wodurch der Großteil des er­zeugten Stroms ins öffentliche Netz eingespeist werden konnte.

Notstromversorgung mit grüner Energie
Bald 50 Jahre nach der Erstinbetriebnahme war 2021 die Zeit gekommen, das Wasserkraftwerk auf den aktuellen Stand der Technik zu bringen. Begründet war dies in erster Linie durch den neuen Verwendungszweck der Anlage, so Krimpelstätter: „Das Magistrat hat entschieden, dass das Kraftwerk Münzgasse zukünftig die Stromversorgung des Schloss Mirabell übernimmt. Damit ist das Schloss, das im Falle eines Ernstfalls als Krisenzentrum genutzt wird, auch bei einem großflächigen Blackout zu 100 Prozent energieautark.“ Als kompetenter Partner für die Generalsanierung wurde die Jank GmbH beauftragt, deren Unternehmenssitz sich im oberösterreichischen Innviertel rund 30 Kilometer nördlich der Stadt Salzburg befindet. Der in 4. Generation geführte Familienbetrieb gilt branchenweit als Kleinwasserkraftexperte und konnte seine Kompetenz bei der Revitalisierung des Kraftwerks Münzgasse einmal mehr voll unter Beweis stellen. „Die Besonderheit an diesem Projekt war das Faktum, dass an dem Standort seit Hunderten von Jahren die Wasserkraft genutzt wird. Sei es als Pumpwerk im 16. Jahrhundert oder auch die darauffolgenden Adaptierungen zum Betrieb einer Mühle und später für die mechanischen Transmissionen zur Eisproduktion. Es wurde stets Wert darauf gelegt, dass die Wasserkraftnutzung erhalten bleibt, und man hat dafür die jeweils notwendigen Umbauten durchgeführt“, sagt Siegi Jank, Entwicklungs- und Konstruktionsleiter der Jank GmbH.

Totalumbau in 3 Wochen erledigt
Bei der Modernisierung wurde im Prinzip die komplette elektro- und leittechnische Ausstattung des Kraftwerks erneuert. Anstelle des in offener Bauweise ausgeführten Generators wurde eine neue Synchron-Maschine vom Linzer Hersteller Hitzinger installiert, die von der Turbine mittels Riemenübersetzung in Rotation versetzt wird. Der zuvor mechanische Turbinenregler wurde beim Umbau durch einen modernen hydraulischen Regler ersetzt. Darüber hinaus wurde die gesamte Automatisierungstechnik erneuert. Siegi Jank merkt an, dass das ursprüngliche Erscheinungsbild des Maschinenraums auch nach der Revitalisierung weitgehend unverändert geblieben ist: „Wenn man vor den Schaltkästen mit der wunderschönen grünen Hammerschlaglackierung steht, bemerkt man fast nichts vom Umbau. Die vorhandenen Leistungsmessgeräte wurden belassen und um weitere digitale Messeinrichtungen ergänzt. Wenn man einen Blick hinter die Schaltkastenfront wirft, wird allerdings deutlich, dass die Anlage auf dem aktuellen Stand der Technik ist.“ Jank lässt nicht unerwähnt, dass die Revitalisierung der Anlage dank der exakten Vorplanung äußerst effizient und schnell umgesetzt werden konnte. Realisiert wurde das Projekt während der sogenannten Almabkehr, die traditionell in einem dreiwöchigen Zeitfenster um den Salzburger Landesfeiertag „Ruperti“ am 24. September durchgeführt wird. In diesen drei Wochen wird der Almkanal abgesperrt, sämtliche Wasserkraftwerke außer Betrieb genommen und das Gerinne gründlich gereinigt bzw. falls notwendig punktuell instandgesetzt. „Der Maschinensatz ging direkt nach dem Abschluss der heurigen Almabkehr wieder in Betrieb. Für die Einstellungstätigkeiten der erneuerten Anlage war lediglich ein Tag notwendig, danach lief die Turbine sofort wieder unter Volllast. In anderen Worten: Es ist nicht die Regel, dass ein Modernisierungsprojekt gänzlich ohne Erzeugungsverluste durchgezogen werden kann“, betont Jank und fügt an, dass bei einem Ausfall der Wasserkraftanlage weiterhin zwei im Krafthaus untergebrachte Diesel­aggregate die Notstromversorgung sicherstellen.

Turbinen-Sanierung 2022
Der langjährige Anlagenwart Helmut Krimpelstätter zeigte sich beim Lokalaugenschein von zek HYDRO in der Salzburger Altstadt sehr zufrieden über den bisherigen Verlauf der Revitalisierung: „Die Erneuerungen haben zu einer ganzen Reihe von Verbesserungen geführt. So erfolgt die zuvor manuelle Synchronisierung der Anlage mit dem Netz nun vollautomatisch. Auch die Engpassleistung der Turbine konnte von vormals durchschnittlich 55 bis 58 kW auf 65 kW erhöht werden.“ Diese beachtliche Steigerung hat laut Siegi Jank mehrere Gründe: „Der neue Generator in luftgekühlter Ausführung schafft sicher einige Prozent mehr Leistung als sein Vorgänger. Auch der moderne hydraulische Turbinen­regler trägt definitiv zur Leistungssteigerung bei. Nicht zuletzt sorgt unsere selbst programmierte Kraftwerkssteuerung JaPPOS (Jank Power Plant Operating System) dafür, dass der Oberwasserspiegel konstant bleibt und die Fallhöhe somit optimal zur Stromgewinnung genutzt werden kann.“ Endgültig abgeschlossen wird die Revitalisierung des Kraftwerks Münzgasse im Herbst kommenden Jahres. Während der Almabkehr 2022 steht der grundsätzlich gut erhaltenen Francis-Turbine ein Retrofitproramm durch die Innviertler Wasserkraftexperten bevor. Dabei soll unter anderem das Laufrad instandgesetzt und die Gleitlagerung auf Wälzlager umgebaut werden, um einen noch eine Spur effizienteren Flachriemen zum Antrieb des Generators verwenden zu können. 2022 wird auch das neue, insgesamt ca. 1.200 m lange Stromkabel als Direktleitung zum Schloss Mirabell, das im heurigen Jahr noch nicht komplett eingezogen werden konnte, fertig verlegt. Komplettiert wird die Erneuerung durch zwei neue Transformatoren – einer beim Schloss, der andere direkt beim Kraftwerk – und der finalen Anpassung diverser IT-Schnittstellen. Helmut Krimpelstätter und Siegi Jank gehen davon aus, dass das bisherige Regelarbeitsvermögen des Kraftwerks Münzgasse nach dem Abschluss der Modernisierung von zuvor durchschnittlich ca. 400.000 kWh auf rund 500.000 kWh erheblich steigen wird.

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Das Wasserkraftwerk Münzgasse in der Salzburger Altstadt hat im heurigen September von der oberösterreichischen Jank GmbH innerhalb von nur drei Wochen eine umfassende elektro- und leittechnische Modernisierung erhalten.

Foto: zek

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Ab Mitte des 16. Jahrhunderts wurde in der Münzgasse das hydroenergetische Potential des Almkanals für unterschiedliche Zwecke genutzt. Seit 1973 dient der Standort zur Gewinnung von elektrischer Energie.

Foto: zek

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Jank GmbH Entwicklungs- und Konstruktionsleiter Siegi Jank (li.) und Betriebselektriker Helmut Krimpelstätter vom Magistrat Salzburg im Maschinenraum des Traditionskraftwerks. Im Herbst 2022 steht die Sanierung der auf 1.400 l/s Ausbauwassermenge und 7,5 m Bruttofallhöhe ausgelegten Francis-Turbine BJ 1904 auf dem Programm.

Foto: zek

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Das von der Jank GmbH selbst entwickelte Kraftwerksleitsystem JaPPOS (Jank Power Plant Operating System) sorgt für den vollautomatischen Betrieb der Anlage.

Foto: zek

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Die moderne Steuerungs- und Regelungstechnik des zukünftig für die Notstromversorgung des Schloss Mirabell dienenden Kleinwasserkraftwerks wurde in den bestehenden Schaltschränken untergebracht. Nach dem Abschluss des Revitalisierungsprojekts im kommenden Herbst soll die Anlage im Regeljahr ca. 500.000 kWh Ökostrom produzieren.

Foto: zek