Fischaufstieg am Trackermühlwehr: Neue Fishcon-Schleuse an der Alm in Scharnstein
Bild: © Fishcon
Die Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit stellt viele Betreiber von Wasserkraftwerken vor erhebliche Herausforderungen. Insbesondere bei bestehenden Anlagen ist die nachträgliche Errichtung einer Fischwanderhilfe oft mit Schwierigkeiten verbunden: Häufig fehlt der erforderliche Platz, die bauliche Einbindung ist komplex, die Kosten sind hoch und zusätzlich müssen unterschiedliche Interessen – etwa aus dem Denkmal- und Naturschutz – berücksichtigt werden. Vor diesem Hintergrund sind durchdachte Lösungen gefragt. Ein bemerkenswertes Projekt konnte kürzlich an der Alm in Oberösterreich realisiert werden. Durch die enge Zusammenarbeit der Unternehmen FISHCON, KFD und Danner Wasserkraft gelang es, die Durchgängigkeit am Trackermühlwehr innerhalb von nur sieben Tagen vorbildlich herzustellen.
Fishcon-Schleuse am Trackermühlwehr Scharnstein
Das Trackermühlwehr in Scharnstein stellt seit über 100 Jahren ein Wanderhindernis für Fische dar. Mit einer Höhendifferenz von rund 2,1 m ist die Wehranlage zugleich ein wesentlicher Bestandteil des Ausleitungskraftwerks Scharnstein der Firma KFD. Das Kraftwerk nutzt bereits seit 1909 die Wasserkraft der Alm und erzeugt mit einer Leistung von rund 60 kW jährlich etwa 500 MWh klimafreundlichen Strom zur Versorgung regionaler Abnehmer. Der Fluss Alm ist der Forellenregion (Metarhithral) zuzuordnen und weist am Standort ein Mittelwasser von rund 11 m³/s auf.

© Fishcon
Planung der Fischwanderhilfe
Im Zuge der Umsetzung des Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplans wurde der Betreiber KFD des Wasserkraftwerks verpflichtet, neben der Restwasserabgabe von 1,2 m³/s auch die Durchgängigkeit herzustellen. Mit der Planung wurde die dlp Ziviltechniker-GmbH und das hauseigene Ingenieurbüro KFD unter der Leitung von Petra Gegenleitner beauftragt. Das Ingenieurbüro verfügt über langjährige Erfahrung im Bereich der Kleinwasserkraft. Neben der Revitalisierung bestehender Anlagen und der Umsetzung ökologischer Maßnahmen – wie Restwasserabgaben und Fischwanderhilfen – umfasst das Leistungsspektrum auch den Neubau und Ersatzneubau kompletter Kleinwasserkraftwerke. Dabei werden die Kompetenzen des Familienbetriebs in den Bereichen Holzbau, Elektrotechnik und Metalltechnik sowie jene des Tochterunternehmens Danner Wasserkraft gezielt genutzt. Für die Herstellung der Durchgängigkeit am Trackermühlwehr erwies sich die Fishcon-Schleuse als besonders geeigneter Bautyp. Sie lässt sich optimal in den bestehenden Standort integrieren und kann vollständig überdeckt ausgeführt werden. Dadurch ist die Anlage einerseits vor Hochwasser geschützt, ohne dieses zu beeinflussen, und fügt sich andererseits unauffällig in das Ortsbild ein. Badegäste der Alm können den Bereich weiterhin sicher und ungehindert passieren. Ausschlaggebend war zudem der geringe Platzbedarf der Fishcon-Schleuse, der eine fischökologisch günstige Positionierung ermöglicht, den Bauaufwand minimiert und den zusätzlichen Flächenverbrauch sowie Eingriffe in wertvolle Uferzonen vermeidet.

© Fishcon
„Stand der Technik“-Fischaufstieg von FISHCON
Ein weiterer entscheidender Faktor waren die positiven Betriebserfahrungen mit der Fishcon-Schleuse aus bereits umgesetzten Projekten an der Alm – unter anderem am Lippenannerlwehr der Firma KPL sowie am Schwarzmühlwehr der Firma KFD. Zusätzlich spielte die Perspektive eine wichtige Rolle, dass die Fishcon-Schleuse als „Stand der Technik“ im österreichischen Leitfaden für Fischaufstiegshilfen anerkannt wird. Im November 2025 wurde die Fishcon-Schleuse aufgrund ihrer sehr guten Funktionsergebnisse unter der Bezeichnung „Zwei-Kammern-Fischwanderhilfe“ offiziell vom Ministerium als Stand der Technik eingestuft. Die Einstufung gilt zunächst für kleinere Gewässertypen (Epirhithral, Metarhithral, Hyporhithral klein, Epipotamal klein). Damit ist die Funktion der Anlage als erprobt und bewiesen anerkannt, was Genehmigungsverfahren künftig deutlich vereinfacht und teilweise den Funktionsnachweis entbehrlich macht.
Bau der Fishcon-Schleuse in nur sieben Tagen
Die Fishcon-Schleuse wurde Ende September auf der orografisch rechten Seite der Alm unmittelbar bei der Wehranlage neben dem Grundablass errichtet, über den auch die Restwasserabgabe erfolgt. Dadurch können die Fische dem natürlichen Strömungspfad zur Fischwanderhilfe gut folgen. Ziel war es, Kosten und Bauaufwand möglichst gering zu halten – was in diesem Projekt in besonderem Maße gelungen ist. Dank einer durchdachten Fertigteilbauweise konnten die Fishcon-Schleuse sowie die erforderlichen Ober- und Unterwasserbecken innerhalb von nur sieben Tagen und ohne aufwendige Wasserhaltung installiert werden.

© Fishcon
Anfertigung und Montage vom Stahlwasserbau durch Danner Wasserkraft
Die Fertigung vom Stahlwasserbau und die Montage der Fishcon-Schleuse wurden von dem Unternehmen Danner Wasserkraft GmbH aus Pettenbach umgesetzt, mit über 40 Jahren Erfahrung im Wasserkraftwerksbau brachte Danner Wasserkraft bei diesem Projekt seine umfassende Expertise ein. Wiederkehrende bzw. bereits erfolgreich umgesetzte Projekte bieten dem Unternehmen nicht nur ausschließlich im Bereich Stahlwasserbau einen großen Fundus an Erfahrung. Bei vorangegangenen Projekten wie z.B. dem Projekt Schwarzmühlwehr „Errichtung 60-kW-Restwasserkraftwerk“ konnte das Unternehmen neben dem Stahlwasserbau seine Kompetenzen in den Bereichen Modernisierung, Instandsetzung sowie Steuer- und Regeltechnik erfolgreich unter Beweis stellen. Kurz nach der Inbetriebnahme der Fishcon-Schleuse am Trackermühlwehr konnten zahlreiche Fischaufstiege, der für die Alm typischen Arten, nachgewiesen werden. Der Nachweis erfolgte mittels KI-gestütztem Videomonitoring des schwedischen Unternehmens TiVA, das erstmals in Österreich eingesetzt wurde. Die Anzahl der erfassten Fischaufstiege übertraf die Erwartungen aller beteiligten Unternehmen deutlich. Die Unternehmen KFD, FISHCON und Danner Wasserkraft blicken optimistisch in die Zukunft und hoffen, auch weiterhin gemeinsam – und gerne auch mit weiteren Partnern – innovative Projekte umsetzen zu können, um die Wasserkraft nachhaltig und ökologisch verträglich weiterzuentwickeln.
Erschienen in zek HYDRO, Ausgabe 1/2026