Spatenstich für längste Fischwanderhilfe am Inn: 5,8 Kilometer neuer Lebensraum

27. August 2026, Lesedauer: 4 min

Bild: © VERBUND/Johannes Wiedl

Weniger als zwei Jahre nach Eröffnung der Fischwanderhilfe beim Innkraftwerk Braunau-Simbach startet VERBUND das nächste große Naturschutzprojekt am Unteren Inn: Im Rahmen des EU-LIFE Projekts „Riverscape Lower Inn“ entsteht beim Kraftwerk Egglfing-Obernberg auf einer Länge von 5,8 Kilometer das größte naturnahe Umgehungsgewässer am Inn – ein neuer strukturreicher Gewässerlebensraum für Tiere und Auenpflanzen.

Spatenstich für die Verbund Fischwanderhilfe Egglfing-Obernberg mit sechs Männern in Helmen an einem Kieshaufen.
Spatenstich FAH Egglfing-Obernberg: v.l. VERBUND Wasserkraft GF Michael Amerer, Landesfischereipräs. Bayern Axel Bartelt, 1. Bgm. Bad Füssing Tobias Kurz, Bgm. Obernberg a. Inn Martin Bruckbauer, Hans-Dieter Scheiblhuber (Landesfischereiverb. Bayern), VERBUND Wasserkraft GF Karl Heinz Gruber
© VERBUND/Johannes Wiedl

Neue Fischwanderhilfe am Kraftwerk Egglfing-Obernberg

Mit dem feierlichen Spatenstich am 8. Mai 2026 fiel der Startschuss für den Bau der längsten Fischwanderhilfe am Inn. Im Beisein regionaler politischer Vertreter:innen, Projektpartner:innen und Mitarbeiter:innen wurde beim Innkraftwerk Egglfing-Obernberg der Beginn der Bauarbeiten gewürdigt. In den kommenden eineinhalb Jahren errichtet VERBUND dort ein naturnahes Umgehungsgewässer, das dank der ökologischen Gestaltung nicht nur die Wanderung der Fische ermöglicht, sondern auch neue Laich- und Rückzugsräume für die vielfältigen Fische und Wasserlebewesen am Inn schafft.

Idyllische Flussgabelung in grüner Auenlandschaft mit dichtem Waldbestand unter blauem Himmel bei Sonnenschein.
Ein strukturreiches Gewässer für die Flussbewohner des Inns.
© VERBUND/Johannes Wiedl

Naturnaher Lebensraum für Fische und weitere Arten

Die von Gewässerökolog:innen und Wasserbauern geplante Fischwanderhilfe ist weit mehr als eine bloße Durchgangsroute: Mit Furten, angeströmten Kiesbänken, Flachwasserzonen, Totholz und Buchten entsteht im Umfeld des Kraftwerkes Egglfing-Obernberg ein strukturreiches Gewässer mit einer natürlichen Abflussdynamik. Flache Kiesbänke dienen zukünftig als Laichplätze und Aufenthaltsort für Jungfische, während tiefe Wasserzonen großen Inn-Fischen, wie etwa dem Huchen, Raum bieten. Durch die neue Fischwanderhilfe werden, je nach Jahreszeit, zwischen 4 und 10 Kubikmeter Wasser pro Sekunde strömen. Zur Laichzeit vom Frühjahr bis in den Sommer ermöglicht ein gesteuertes Zusatzdotationsbauwerk eine saisonale Erhöhung des Durchflusses. Auch der Malchinger Bach fließt in das neue Gewässer ein, und das Inn-Ufer wird unterhalb der Mündung auf einer Länge von 1,7 Kilometern strukturreich renaturiert. „In dieses Projekt ist die Erfahrung aus allen Fischwanderhilfen eingeflossen, die wir in den vergangenen zwei Jahrzehnten gebaut haben. Rund um das Umgehungsgewässer entstehen neue Lebensräume für kiesbrütende Vogelarten, Amphibien, Reptilien, Insekten und typische Auenpflanzen. Die Bauarbeiten werden klimaschonend umgesetzt: Das Aushubmaterial wird für neue Kieslebensräume direkt vor Ort wiederverwendet“, erklärt Michael Amerer, Geschäftsführer der VERBUND Grenzkraftwerke.

Luftaufnahme eines blauen Flusses neben einem grünen Damm mit Radweg, angrenzender Wald und Nebel am Horizont.
Eine Fischwanderhilfe als naturnaher Lebensraum: Die neue FAH Egglfing-Obernberg wurde von GewässerökologInnen und Wasserbauern geplant.
© VERBUND/Johannes Wiedl

EU-LIFE-Projekt „Riverscape Lower Inn“

Die Fischwanderhilfe Egglfing-Obernberg ist Teil des EU-LIFE Projekts „Riverscape Lower Inn“, das die naturnahe Entwicklung der Flusslandschaft am Unteren Inn fördert. Im Europareservat Unterer Inn trägt das LIFE-Projekt zur Umsetzung mehrerer EU-Richtlinien bei: Fauna-Flora-Habitat-, Vogelschutz- und Wasserrahmenrichtlinie.

Millioneninvestitionen in Gewässerökologie

„Bis 2027 investieren wir in der VERBUND-Wasserkraft entlang unsere Anlagen in Bayern und Österreich rund 400 Mio. Euro für Renaturierungsmaßnahmen, Fischwanderhilfen und Verbesserungen von Lebensräumen. Davon ist die Hälfte bereits umgesetzt und 75 % aller relevanten Kraftwerke sind damit barrierefrei passierbar“, erläutert Karl Heinz Gruber, Geschäftsführer der VERBUND Grenzkraftwerke. „Bei unseren 22 Laufkraftwerken in Bayern und an der Grenze zu Österreich haben wir 100 Mio. Euro für Ökomaßnahmen geplant und ein Drittel bereits umgesetzt.

Fischmonitoring bestätigt Funktion der Fischwanderhilfen

Modernes Fischmonitoring belegt anhand wissenschaftlicher Datenaufnahmen, dass die Fischwanderhilfen und Umgehungsgewässer der VERBUND Wasserkraft von den Fischen gerne angenommen werden. Dabei werden die passierenden Fische genau erfasst und dokumentiert. So entstehen am Ende genaue Daten über die Anzahl und Arten der Fische und die Wanderbewegungen. Am VERBUND-Innkraftwerk Ering-Frauenstein beispielsweise wurden bereits im ersten Jahr nach der Inbetriebnahme im Jahr 2019 in Summe rund 40.000 Fische registriert, die das Kraftwerk umwandert haben. Sie gehörten 36 verschiedenen Fischarten an. Der größte Fisch war ein Wels mit 1,2 m Körperlänge.

Erschienen in zek HYDRO, Ausgabe 3/2026