Griechisches Kraftwerk Mega Rema setzt auf Tiroler Wasserkrafttechnik

21. Oktober 2026, Lesedauer: 6 min

Bild: © Geppert

Südosteuropa und im Speziellen Griechenland ist für den Tiroler Wasserkraftallrounder Geppert Hydro traditionell ein wichtiges Geschäftsfeld. Erst vor wenigen Monaten ging in der westgriechischen Ortschaft Nafpaktia ein weiteres Kleinwasserkraftwerk mit Geppert-Technologie ans Netz. Für das neue Ausleitungskraftwerk am Gewässer Mega Rema lieferten die Tiroler das komplette elektromechanische und leittechnischen Equipment. Das Herzstück der Anlage bildet eine Pelton-Turbine mit 2 Megawatt Engpassleistung, die dem Kraftwerk über das ganze Jahr hinweg eine effiziente Stromproduktion gewährleistet.

Große Mega Rema Wasserturbine von Geppert mit blauen Rohrleitungen und grauem Generatorgehäuse in einer Industriehalle.
Das Herzstück des neuen Kleinwasserkraftwerks am Mega Rema bildet eine 6-düsige Pelton-Turbine, die bei vollem Wasserdargebot 2.000 kW Engpassleistung erreicht.
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Wasserkraftausbau in Griechenland

Obwohl in Griechenland traditionell der Großteil des im Land erzeugten Stroms aus fossilen Quellen stammt, gibt es seit ca. 15 Jahren einen Aufwärtstrend beim Ausbau der erneuerbaren Energieträger. Während der Anteil der Erneuerbaren an der Gesamtstromerzeugung im Jahr 2011 noch bei rund 20 Prozent lag, stehen diese heute kurz vor dem Überschreiten der 50 Prozent-Marke. Der Anteil der Wasserkraft, die vor allem zum Ausgleich von Erzeugungsspitzen genutzt wird, liegt aktuell bei ca. 11 Prozent. Griechenland befindet sich offensichtlich auf einem guten Weg, um die fossile Energieproduktion zu reduzieren. Dennoch gibt es noch viel zu tun, um die Nutzung sauberer Ressourcen weiter zu forcieren und in weiterer Folge den Ausstoß von Kohlenstoffemissionen zu minimieren.

Geppert Hydro mit starker Präsenz in Griechenland

Über den Trend zum Ausbau der Erneuerbaren in Griechenland weiß der österreichische Wasserkraftexperte Geppert Hydro bestens Bescheid. Die Tiroler Branchenspezialisten sind in der hellenischen Republik seit langem aktiv und konnten dort bereits eine Vielzahl von Kleinwasserkraftwerken mit ihren bewährten Lösungen ausstatten. „Erst im Herbst 2025 bzw. im Winter 2026 sind in Griechenland zwei neue Wasserkraftwerke mit Geppert-Equipment ans Netz gegangen. Diese befinden sich nur 30 Kilometer voneinander entfernt. Nachdem im Oktober 2025 das Kraftwerk Sarmenitiko im Norden der Halbinsel Peloponnes erstmals Strom erzeugt hat, haben wir im heurigen Februar auf dem Festland das Kraftwerk Mega Rema in Betrieb genommen“, erklärt Geppert-Projektleiter Jakob Kapeller. Realisiert wurden beide Ökostromanlagen von einem Konsortium aus privaten Investoren, die im Sektor der erneuerbaren Energien tätig sind.

Digitale Turbinensteuerung mit 3D-Modell einer Wasserkraftturbine und Echtzeit-Betriebsdaten auf einem Dashboard.
Visualisierung der Kraftwerkssteuerung von Geppert Electric.
© Geppert

Ausleitungskraftwerk mit 150 Metern Fallhöhe

Das Kraftwerk Mega Rema wurde am gleichnamigen Gewässer auf dem Gebiet der Ortschaft Nafpaktia in Westgriechenland realisiert. Dort herrschen durch die gebirgige Topographie ideale Bedingungen für die Stromproduktion aus Wasserkraft. Der Neubau, der nach dem klassischen Ausleitungsprinzip konzipiert wurde, nutzt fast 150 m Nettofallhöhe und mehr als 1,5 m³/s Ausbauwassermenge. Das Triebwasser wird aus dem Gewässer entnommen und durch eine erdverlegte Druckrohrleitung zur Turbinierung ins Krafthaus geleitet. Über eine nahe gelegende Trafostation wird der erzeugte Strom ins regionale 20 kV-Netz eingespeist. Die Wasserfassung des Kraftwerks befindet sich auf ca. 450 m Seehöhe und besteht aus einer kompakten Staumauer mit integriertem Tiroler Wehr. Nach der Entnahme aus dem Gewässer wird das Triebwasser zunächst durch ein Entsanderbecken geleitet, danach folgt die Apparatekammer mit den Sicherheitseinrichtungen wie Rohrbruchsicherung und Notschlussklappe. Der Trassenverlauf des komplett aus glasfaserverstärkten Kunststoffrohren (GFK) hergestellten Kraftabstiegs orientiert sich in erster Linie am Verlauf des Mega Rema. In Summe hat die Druckrohrleitung, deren Durchmesser sich von oben nach unten konstant von DN1200 auf DN900 verjüngt, eine Länge von ca. 3,5 Kilometern. „In der exponierten Gebirgslage kam es bei heftigen Regenfällen immer wieder zu Vermurungen entlang der Zufahrtswege und der Rohrleitungstrasse, was in weiterer Folge zu Bauverzögerungen führte. Bewältigt werden konnten diese Herausforderungen durch die Anpassungen des Bau- und Projektablaufs, zusätzliche Sicherungsmaßnahmen und die generell enge Koordination mit dem Kunden“, sagt Jakob Kapeller.

Blaues KW Mega Rema Gehäuse mit Verteilrohrleitung (122 x 90 mm) in einer Industrie-Fertigungshalle für Wassertechnik.
Turbinengehäuse und Verteilrohrleitung bei der Vormontage im ­Geppert Hydro-Werk in Hall in Tirol.
© Geppert

Sechsdüsige Pelton-Turbine mit 2 MW

Der Projektleiter betont, dass Geppert-Kunden auch bei grundlegenden projektspezifischen Angelegenheiten auf das Know-how der Tiroler zählen können: „Beim Projekt Mega Rema war es so, dass wir die Betreiber beim Design des Maschinengebäudes und der optimalen Platzierung der Turbine beraten haben. Unser genereller Lieferumfang umfasste die gesamte hydromechanische und elektrotechnische Ausrüstung einschließlich Turbine, Generator sowie die Einlauf- und Absperrorgane. Der Transformator und die Steuerungs- und Automatisierungssysteme stammen von unserer Tochtergesellschaft Geppert Electric, die auch für die Installationen zuständig war. Die Integration aller technischen Komponenten und Hilfsgewerke erfolgte gemeinsam durch Geppert Hydro und Geppert Electric“, so Jakob Kapeller. Bei der Maschinenwahl setzten die Betreiber auf eine vertikalachsige 6-düsige Peltonturbine, die auch bei schwankendem Wasserdargebot eine hohe Flexibilität bei der Stromproduktion gewährleistet. Je nach verfügbarer Wassermenge können die einzelnen Düsen zu- oder abgeschaltet werden, wodurch auch im Teillastbetrieb hohe Wirkungsgrade möglich werden. Bei vollem Wasserdargebot schafft die Maschine 2.000 kW Engpassleistung. Der Projektleiter betont, dass jede Geppert-Maschine von den erfahrenen Turbinen-Ingenieuren individuell ausgelegt und konstruiert wird. Dabei setzen die Tiroler konsequent auf hochwertige Materialien. Die hydraulisch betätigten Düsen und Strahlablenker, deren Zusammenspiel für die Leistungsregelung der Turbine sorgt, bestehen aus nichtrostendem Stahl bzw. aus Edelstahlguss. Das Laufrad der Turbine, das aus einem Edelstahl-Monoblock gefräst wurde, treibt den direkt gekoppelten Synchron-Generator mit exakt 650 U/min an. Die luftgekühlte Maschine wurde mit zwei Wälzlagerungen bestückt und auf 690 V Betriebsspannung und 2.300 kVA Nennscheinleistung ausgelegt. Die Stromproduktion der Anlage erfolgt dem Stand der Technik entsprechend selbstverständlich vollständig automatisiert. Darüber hinaus verfügt das Kraftwerk über moderne Fernwirk- und Überwachungsmöglichkeiten.

Water-to-Wire-Lösung für Mega Rema

Abgesehen von den Verzögerungen im Bauablauf ging das Projekt Jakob Kapeller zufolge reibungslos über die Bühne. Nachdem im Sommer 2025 die ersten Maschinenteile montiert wurden, konnte im heurigen Februar die Inbetriebnahme des neuen Kraftwerks erfolgen, bereits wenige Wochen später ging die Anlage in den Regelbetrieb über. „Prinzipiell war das Kraftwerk Mega Rema ein weiteres Water-to-Wire-Projekt, das wir erfolgreich in Griechenland umgesetzt haben. Dabei können gleichermaßen die hohe Verfügbarkeit, die Betriebssicherheit, die Effizienz und die gute Anpassungsfähigkeit der Anlage an die stark schwankenden hydrologischen Bedingungen vor Ort hervorgehoben werden. Die Erfolgsfaktoren waren die enge Integration von Turbinenbau und Elektrotechnik sowie von Steuerungs- und Automatisierungstechnik, auch die Kommunikation mit dem Kunden hat hervorragend funktioniert“, sagt Jakob Kapeller. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass in Nafpaktia bald weitere Kleinwasserkraftwerke sauberen Strom erzeugen, die Betreiber des Kraftwerks Mega Rema haben sich bereits zusätzliche Wasserrechte in der Region gesichert. Dass die Tiroler Wasserkraftallrounder auch weiterhin in Griechenland hochaktiv bleiben werden, darf als gesichert gelten. Aktuell befindet sich eine Diagonal-Turbine im Geppert-Werk in der Fertigung, diese wird bei einem Kraftwerk rund 200 Kilometer nördlich von Nafpaktia in der Region Epirus zum Einsatz kommen. Auch für dieses Projekt haben die Tiroler ein elektromechanisches Komplettpaket geschnürt, das die griechische Ökostrombilanz ein weiteres Stück verbessern wird.

Erschienen in zek HYDRO, Ausgabe 4/2026