Hochdruckkraftwerk Anashironi in Peru mit österreichischer Technik am Netz

30. März 2026, Lesedauer: 7 min

Bild: © GUGLER

Vor Kurzem meldete der international renommierte Wasserkraftspezialist GUGLER Water Turbines GmbH den erfolgreichen Abschluss seines jüngsten Referenzprojekts in Peru. Im Rahmen ihres bereits achten peruanischen Projekts lieferten die Oberösterreicher für das Wasserkraftwerk Anashironi, mit dem das bestehende Kraftwerk Renovandes H1 erweitert wurde, ein äußerst leistungsfähiges Maschinengespann. Das Herzstück des Hochdruckkraftwerks mit über 300 m Fallhöhe bildet eine vertikale 5-düsige Pelton-Turbine mit 21.175 kW Engpassleistung. Komplettiert wird das Kraftpaket durch einen Synchron-Generator mit 23 MVA Nennscheinleistung, der für höchste Wirkungsgrade konzipiert wurde. Darüber hinaus beinhaltete das GUGLER-Komplettpaket auch das gesamte elektro- und leittechnische Equipment sowie zwei Transformatoren, mit denen der erzeugte Ökostrom ins Netz eingespeist wird.

Anashironi
Das Kraftwerk Anashironi in Peru wurde von der GUGLER Water Turbines GmbH mit einem äußerst leistungsfähigen Maschinensatz ausgerüstet.
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Wasserkraft in Peru: Österreichische Technologie stärkt nachhaltige Stromerzeugung

Die Energieproduktion aus Wasserkraft spielt in Peru, dem flächenmäßig drittgrößten Land auf dem südamerikanischen Kontinent, eine bedeutende Rolle. Weit über 50 Prozent des landesweit erzeugten Stroms wird von Wasserkraftwerken unterschiedlicher Bauart und Leistungsklassen erzeugt. Angesichts der hydrologischen und topographischen Bedingungen in Peru ist das nicht verwunderlich. In dem wasserreichen Land, das von der gewaltigen Gebirgskette der Anden geprägt wird, herrschen sehr günstige Vorausetzungen für die Stromproduktion aus der nachhaltigen Ressource Wasser.

Anashironi
Die neue Anlage Anashironi in der zentralperuanischen Region Junín teilt sich das Maschinengebäude mit dem Kraftwerk Renovandes H1.
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GUGLER etabliert sich als verlässlicher Wasserkraftpartner in Peru

Für die GUGLER Water Turbines GmbH, die in Südamerika traditionell äußerst aktiv ist, hat sich Peru zu einem wichtigen Markt entwickelt. Im November 2025 verkündeten die Oberösterreicher einen weiteren erfolgreichen Projektabschluss, womit die Branchenspezialisten in Peru bereits acht Wasserkraftwerke mit ihren leistungsstarken Lösungen ausgerüstet haben. Beim jüngsten Projekt im Land wurde GUGLER mit der Komplettausstattung des Kraftwerks Anashironi in der zentralperuanischen Region Junín beauftragt. Das Herzstück der neuen Anlage bildet eine 5-düsige Pelton-Turbine in vertikaler Bauform mit rund 21,2 MW Engpassleistung. Betrieben wird das Kraftwerk vom Unternehmen Vari Energía SAC, das sich mit der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen und der Netzinfrastruktur beschäftigt. Das neue Kraftwerk zeichnet sich nicht nur durch seine Leistungs- und Erzeugungskapazität aus, sondern auch durch die vorbildliche Nutzung bestehender Infrastruktur. So wurde der neue Maschinensatz im bestehenden Krafthaus der Anlage Renovandes H1 installiert, die bereits vor einigen Jahren in Betrieb gegangen ist. Zudem nutzen beide Anlagen dieselbe Druckrohrleitung und die Wasserfassung am Rio Huatziroqui, an der das Triebwasser entnommen wird. Die Ausleitungsstrecke führt zuerst durch einen kilometerlangen Stollen und geht danach in eine Stahlleitung über, die das Wasser zu den beiden Turbinen im Krafthaus führt.

Leistungsoptimierte Pelton-Turbine steigert Erzeugungskapazität deutlich

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Mit der Fertigstellung des Kraftwerks Anashironi konnten die Österreicher bereits ihr achtes Projekt in Peru erfolgreich abschließen.
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Mit der Anbindung des neuen Maschinensatzes an das bestehende Triebwassersystem des Kraftwerks Renovandes H1 wird nun ohne zusätzlichen Bauaufwand das volle Potenzial des Standorts ausgeschöpft. Damit ist das Kraftwerk Anashironi nicht nur eine leistungsstarke Ergänzung für den peruanischen Energiesektor, sondern auch ein anschauliches Beispiel dafür, wie effiziente und nachhaltige Wasserkraftprojekte im Land umgesetzt werden können. GUGLER-Projektleiter Andreas Mühlböck weist darauf hin, dass die Integration der neuen Turbine in das vorhandene Krafthaus einen zusätzlichen Ansporn für die österreichischen Wasserkraftprofis darstellte: „Unser Ziel war es, die von GUGLER gelieferte Turbine in allen relevanten Punkten zu verbessern. Dieses Ziel konnten wir erreichen: Die Maschine bietet gegenüber der bestehenden Turbine eine deutlich höhere Leistung.“ Laut Projektleitung ist dieser Zugewinn vor allem auf das technische Know-how von GUGLER und die strömungstechnische Optimierung der Turbinen-Ringleitung zurückzuführen. Bei der Konzeption und Entwicklung der Maschine wurden umfangreiche computergestützte Simulationen durchgeführt. Anhand der daraus gewonnenen Erkenntnisse ist eine äußerst leistungsfähige Turbine entstanden, die mit höchster Effizienz Strom produziert. „Es wurde aber nicht nur in leistungstechnischer Hinsicht eine bessere Turbine gebaut – auch was die Wartungs- und Reparaturfreundlichkeit angeht, haben wir sehr gute Lösungen entwickelt“, erklärt Andreas Mühlböck: „Das System der innenliegenden Düsenverstellung wurde beispielsweise so ausgeführt, dass die Maschine auch beim Ausfall einer Düse nicht sofort außer Betrieb genommen werden muss. Somit kann der Düsenaustausch geplant werden, und die Turbine kann bis dahin weiterhin Strom produzieren.“

Großdimensionierter Maschinensatz stellt hohe Anforderungen an Logistik und Montage

Wegen der beträchtlichen Nettofallhöhe von 302,9 m und der Ausbauwassermenge von 7,85 m³/s musste die Turbine äußerst robust ausgeführt werden. Das wirkte sich in weiterer Folge auch auf die Größen- und Gewichtsverhältnisse der Maschine aus. Speziell das Gewicht spielte bei der Konstruktion eine wichtige Rolle, denn aufgrund der beschränkten Lastkapazität des Hallenkrans im Krafthaus durften die einzelnen Komponenten nicht zu schwer ausfallen. Nichtsdestotrotz sind die Dimensionen des Maschinensatzes durchaus bemerkenswert. Das in zwei Hälften ausgelieferte Turbinengehäuse hat einen Durchmesser von rund 10 m und bringt ca. 40 Tonnen Gesamtgewicht auf die Waage. Auch der Generator, der ebenfalls in zwei Teilen angeliefert wurde, wiegt inklusive Anbauteile über 140 Tonnen. „Diese erheblichen Dimensionen machten die gesamte Projektlogistik und den Transport, der auf den letzten Kilometern zum Krafthaus über schlecht ausgebaute bzw. enge Straßen führte, zu einer großen Herausforderung“, sagt Andreas Mühlböck. Damit der Einbau der Maschinen so schnell wie möglich erfolgen konnte – auch der Faktor Zeit spielte bei dem Projekt eine wichtige Rolle – wurden einzelne Komponenten wie Hydraulikleitungen und diverse Verrohrungen bereits werkseitig vormontiert. Durchgeführt wurden die auf mehrere Etappen aufgeteilten Montageschritte, die zwischen Herbst 2024 und Frühjahr 2025 erfolgten, von erfahrenen GUGLER-Supervisoren und lokalen Kräften.

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Das Laufrad der Turbine hat einen Durchmesser von exakt 1.755 mm und besteht aus insgesamt 19 präzise gefertigten Pelton-Bechern.
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Stärkste GUGLER-Pelton-Turbine erreicht neue Leistungsdimension

Bei vollem Wasserdargebot erreicht die bislang leistungsstärkste Pelton-Turbine von GUGLER 21.175 kW Engpassleistung. Dank ihrer 5-düsigen Ausführung kann die Maschine auch bei stark verringerten Zuflüssen in einem breiten Teillastspektrum effizient Strom erzeugen. Der direkt mit dem Laufrad gekoppelte Synchron-Generator mit 23 MVA Nennscheinleistung vom Hersteller WEG wurde mit einem eigenen Schmiersystem und einer Wasserkühlung ausgestattet, die für optimale Temperaturen bei der Stromproduktion sorgen. Neben dem äußerst leistungsfähigen Maschinengespann zählten auch der massive Absperr-Kugelschieber, das Hydraulikaggregat sowie die regelungstechnische Ausrüstung und die Steuerung zum Auftragsumfang der Wasserkraftexperten. Geliefert und fachgerecht installiert wurde das elektro- und regelungstechnische Equipment vom niederösterreichischen GUGLER-Tochterunternehmen H&W Control GmbH, das auch für die Programmierung der Kraftwerks-Leittechnik sorgte. Vervollständigt wurde das hydroelektrische Komplettpaket der Österreicher durch zwei neue Transformatoren, die bei den Umspannwerken Santa Ana und Campas eingebaut wurden.

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Michael Engelscharmüllner (H&W Control), Guilherme Marques (WEG), Andreas Mühlböck (GUGLER), Shafeeq Rahman (WEG) und Martin Modisbacher (GUGLER) (v.li.) bei der Inbetriebnahme des Kraftwerks.
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Nachhaltiges Wasserkraftprojekt nutzt bestehende Infrastruktur effizient

Nach den finalen Installationsarbeiten hat das mustergültig realisierte Wasserkraftwerk im Mai 2025 zum ersten Mal Strom produziert, kurz danach konnte die Anlage bereits in den Regelbetrieb übergehen. Bei GUGLER zeigt man sich in einem Projektstatement sehr stolz über die neueste Referenzanlage in Peru: „Das Wasserkraftwerk Anashironi ist mehr als nur zusätzliche Megawatt im Netz – es ist eine strategische Investition in saubere, zuverlässige Energie für die Region Junín. Es reduziert die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und trägt zur langfristigen Energiesicherheit Perus bei. Durch die Nutzung bestehender Infrastruktur wurde die Umweltbelastung auf ein Minimum reduziert, während die Leistung maximiert wurde – ein Schlüsselaspekt in der modernen Wasserkraftentwicklung. Die Möglichkeit, Kapazitäten ohne neue Staudämme zu erweitern, unterstreicht den Wert durchdachter Ingenieurskunst und nachhaltiger Planung.“

Erschienen in zek HYDRO, Ausgabe 6/2025