Kraftwerk Hansenhütte erreicht nach Generalerneuerung neue Leistungsdimension

27. Juli 2026, Lesedauer: 12 min

Bild: © GUGLER

Innerhalb kurzer Zeit hat der österreichische Kettenspezialist pewag zwei seiner eigenen Kleinwasserkraftwerke umfassend erneuert. Das jüngste pewag-Wasserkraftprojekt wurde mit der Inbetriebnahme des neuen Maschinensatzes beim Kraftwerk Hansenhütte im November 2025 im steirischen Kapfenberg abgeschlossen. Bei der umfassenden Erweiterung der bestehenden Anlage wurde der Stahlwasserbau an der Wehranlage modernisiert sowie die Triebwasserstrecke durch die Verlegung einer neuen Druckrohrleitung um insgesamt 530 m verlängert. Im neuen Maschinengebäude sorgt eine auf 718 kW Engpassleistung ausgelegte Kaplan-Turbine von der GUGLER Water Turbines GmbH für ein Maximum an Effizienz. Dank der grundlegenden Erneuerung konnte sowohl die Leistungs- als auch die Erzeugungskapazität des betriebseigenen Kleinwasserkraftwerks erheblich gesteigert werden. In Kombination mit der bestehenden PV-Anlage kann die pewag in Kapfenberg nun mehr als die Hälfte des Eigenstrombedarfs aus erneuerbaren Ressourcen erzeugen.

Gugler Wasserturbine in der Hansenhütte mit rotem Generator und blauer Spirale in einem modernen Maschinenraum.
Die Kaplan-Turbine von GUGLER schafft unter Volllast 718 kW Engpassleistung, zudem kann die Maschine ein breites Betriebsband abdecken.
© GUGLER

Generalerneuerung steigert Leistung und Eigenstromversorgung am pewag-Standort Kapfenberg

Die Wurzeln der pewag group, die zu den weltweit führenden Kettenherstellern gehört, reichen viele Jahrhunderte zurück. Noch heute ist die pewag mit dem Kettenwerk Brückl im Kärntner Görtschitztal an jenem Standort ansässig, an dem im Jahr 1479 die erste urkundliche Erwähnung eines Schmiedewerks belegt ist. Von dort ausgehend entwickelte sich eine global aktive Unternehmensgruppe mit heute rund 2.000 Mitarbeitern, deren Portfolio von Schneeketten über die Anschlag- und Fördertechnik, Reifenschutz und Hebezeug bis hin zu Heimwerker-Lösungen reicht. Um die energieintensiven Produktionsprozesse mit Strom zu versorgen, setzt pewag traditionell auf die Nutzung der Wasserkraft. Beim Stammwerk in Brückl erfolgte zwischen Herbst und Frühjahr 2023 die Kompletterneuerung des 115 Jahre alten Kleinwasserkraftwerks. Gut zweieinhalb Jahre danach ging im November 2025 bei der steirischen pewag-Niederlassung in Kapfenberg das ebenfalls von Grund auf erneuerte Wasserkraftwerk Hansenhütte erstmals in Betrieb.

Gugler Wasserturbine in Blau-Rot für das Kraftwerk Hansenhütte, detailliertes 3D-Modell mit Rohrleitung auf weißem Grund.
Grafische Animation des gesamten Maschinensatzes inkl. Saugrohr
© GUGLER

Traditionskraftwerk umfassend modernisiert

Das Kraftwerk Hansenhütte ist zwar nicht ganz so alt wie die Anlage in Brückl, die in den 1940er-Jahren gefertigte Francis-Schachtturbine hatte aber dennoch ihr technisches Lebensende erreicht. „Die Turbine war ursprünglich auf eine Engpassleistung von 240 kW ausgelegt, aufgrund ihres Zustands konnte die Maschine ihre volle Leistungskapazität in den letzten Jahren aber bei weitem nicht mehr voll abrufen“, sagt pewag­-Betriebsleiter Marcel Schwaiger. Um die betriebseigene Stromproduktion wieder auf Vordermann zu bringen, wurde eine grundlegende Erneuerung des Traditionskraftwerks beschlossen. Die in Klagenfurt ansässige Geos Consulting Ziviltechniker GmbH hat Kraft ihrer langjährigen Expertise auf diesem Sektor, in enger Zusammenarbeit mit der Projektwerberin, umfangreiche Wirtschaftlichkeitsberechnungen durchgeführt. Die nunmehr ausgeführte Variante ist das Ergebnis dieser Untersuchungen. Die Geos Consulting ZT GmbH wurde in Folge mit der Generalplanung der Anlage, von der Einreichplanung über sämtliche Ausschreibungen und die örtliche Bauaufsicht, betraut. „Der Tradition der Geos ZT GmbH folgend, haben wir die Entwürfe so gestaltet, dass der nachfolgende Bauablauf erheblich vereinfacht wurde. Dem folgend wurde etwa das Krafthaus so konzipiert, dass der Einbau des Maschinensatzes in einem einzigen Betoniervorgang erfolgen konnte. Die Gesamtbauzeit konnte somit vom Baubeginn bis zum Start des Probebetriebes auf neun Monate reduziert werden“, so der Projektleiter DI Georg Fuchs von der Geos ZT GmbH. Parallel zum Kraftwerksprojekt wurde die betriebliche Wasserversorgung am Werksstandort der pewag durch eine neue Brunnenanlage an den Stand der Technik angepasst. Dem Anliegen der Konzernführung für einen nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen folgend wurde der gesamte Rücklauf aus dem geschlossenen Kreislauf der betrieblichen Wasserversorgung in die Kraftwerksanlage eingeleitet.
Obwohl man das Kraftwerk Hansenhütte im Prinzip als neu bezeichnen könnte, sind dennoch zentrale Teile der Kraftwerksinfrastruktur erhalten geblieben. Dazu zählten etwa die Wehrklappe an der Wasserfassung am Thörlbach und der obere, rund 250 m lange Abschnitt der Triebwasserstrecke, der aus einem betonierten Schacht im Erdreich besteht. Bei der alten Anlage wurde das Triebwasser nach dem Stollen mit einer Rohrbrücke über das Gewässer geleitet und unmittelbar danach im Krafthaus auf der anderen Uferseite turbiniert. Bei der Kraftwerkserneuerung wurde der Triebwasserweg deutlich verlängert, erklärt Betriebsleiter Marcel Schwaiger: „An der Rohrbrücke wurde ein Übergang erstellt, an den die neue Druckrohrleitung anschließt, das neue Krafthaus befindet sich nun rund 500 m weiter bachabwärts vom alten Standort. Durch die Verlegung des Krafthauses wurde zwar ein beträchtlicher Zuwachs an Fallhöhe erzielt, gleichzeitig ist bei identischer Ausbauwassermenge aber auch eine Fast-Verdopplung der Restwasserdotation auf mindestens 850 l/s vorgeschrieben worden. Trotz dieser Auflage hat sich das Projekt auf alle Fälle bezahlt gemacht, das Leistungsvermögen und die Erzeugungskapazität der Anlage sind erheblich gestiegen.“

S.K.M. Rechenreinigungsmaschine an einer Wehranlage aus Beton mit Stahlgitter und Kransystem bei einem Wasserkraftwerk.
Den kompletten Stahlwasserbau für den neu gestalteten Einlaufbereich des Kraftwerks lieferte der steirische Branchenexperte S.K.M.
© S.K.M..

Moderner Stahlwasserbau für die Wasserfassung

Mit der Erneuerung des Stahlwasserbaus an der Wehranlage wurde wie beim pewag-Kraftwerk in Brückl die steirische S.K.M. GmbH beauftragt, deren Geschäftsführer Sepp Köhl als Besitzer eines Kleinwasserkraftwerks bestens über die Ansprüche von Wasserkraftbetreibern Bescheid weiß. Der völlig neu gestaltete Einlaufbereich wurde von S.K.M. mit einem Feinrechen mit horizontalem Stabprofil ausgestattet. Der 6 m lange bzw. 1,2 m hohe Schutzrechen wurde mit strömungsoptimierten Rechenstäben ausgeführt, die einen vollen Zahneingriff der Putzharke ermöglichen. Für die Reinigung des Rechens von Treibgut und Geschwemmsel sorgt eine Rechenreinigungsmaschine mit Zahnstangenantrieb, die eine Schubkraft von bis zu 1,5 t erreicht. Das vom Schutzrechen entfernte Geschwemmsel wird von der Putzharke zu einem Spülschütz mit aufgesetzter Klappe befördert, über den es auf direktem Weg in den Unterwasserbereich abgeführt wird. An der bestehenden Wehrklappe sorgte S.K.M. für die Erneuerung des Antriebszylinders, wobei sich die Wasserhaltungsmaßnahmen beim Einbau des neuen Zylinders lt. S.K.M.-Projektleiter Jonas Hoffellner als her­ausfordernd darstellten. Zudem wurde an der Wehrklappe ein Notschwimmer inkl. Notablassventil installiert, womit an der Wehranlage der Stand der Technik hergestellt wurde. Komplettiert wurde der Leistungsumfang der Steirer durch mehrere Absperr- und Regulierschütze, das Hydraulikaggregat sowie die Verrohrung der Hydraulikleitungen.

Volvo-Bagger bei der Amiblu Rohrverlegung: Ein großes GFK-Rohr wird am Hebezeug in einen Graben gelassen.
Die um 530 m verlängerte Druckrohrleitung wurde mit GFK-Rohren vom Hersteller Amiblu in der Dimension DN1800 ausgeführt.
© Amiblu

Neue GFK-Druckrohrleitung erhöht die Fallhöhe

Für den neuen, insgesamt 530 m langen Abschnitt des Triebwasserwegs wurden glasfaserverstärkte Kunststoffrohre (GFK) vom Hersteller Amiblu verlegt, wie sie auch beim p­ewag-Kraftwerk in Brückl eingesetzt wurden. Der verlängerte Kraftabstieg hat eine durchgängige Dimension von DN1800 und wurde mit im Wickelverfahren hergestellten Rohren des Typs Flowtite hergestellt. Die im Vergleich zu duktilen Gussrohren weitaus leichteren GFK-Rohre vereinen eine ganze Reihe von Vorteilen, die Wasserkraftbetreiber rund um den Globus zu schätzen wissen. Dazu zählen unter anderem die hervorragenden hydraulischen Fließeigenschaften, die aus den äußerst glatten Rohrinnenflächen resultieren, Reibungsverluste beim Triebwassertransfer werden dadurch auf ein Minimum reduziert. Zudem gewährleistet das Material eine niedrige Druckwellen-Fortpflanzungsgeschwindigkeit, wodurch im Extremfall Druckstöße und Wasserschläge während des Anlagenbetriebs verringert werden. Die Amiblu-Rohre sind über einen weiten pH-Bereich korrosionsbeständig und benötigen weder Kathoden noch andere zusätzliche Schutzmaßnahmen. Bei der Rohrverlegung ermöglicht das anwenderfreundlichen Muffensystems ein schnelles Voranschreiten der Montagearbeiten.

Blaue Gugler Wasserturbine am Kran bei der Montage im Kraftwerk Hansenhütte zwischen Betonwänden.
Einheben der Turbinenspirale auf das bereits zuvor montierte Saugrohr
© GUGLER

Kaplan-Turbine und Automatisierung aus einer Hand

Bei der elektromechanischen Ausstattung des neuen Maschinengebäudes setzten die Betreiber auf den renommierten Wasserkraftallrounder GUGLER Water Turbines GmbH. Die Oberösterreicher schnürten für das Projekt ein Komplettpaket, das im Wesentlichen aus einer vertikalachsigen Kaplan-Turbine und einem Generator, dem Hydraulikaggregat und der Wasserkühlung für den Generator bestand. „Wir sind zwar hauptsächlich international aktiv, haben aber auch in Österreich eine ganze Reihe von Kraftwerken mit unseren Lösungen ausgestattet. In der Obersteiermark etwa haben wir in Trofaiach, das rund 40 Autominuten von Kapfenberg entfernt liegt, vor wenigen Jahren die Kraftwerke Vordergössgraben und Hintergössgraben mit jeweils einer Pelton-Turbine ausgestattet. Für das Kraftwerk Hansenhütte wurde gleich nach der Vertragsunterzeichnung im Herbst 2024 mit dem Turbinendesign gestartet, die Auslieferung erfolgte bereits im August 2025. Damit konnten wir den ursprünglichen Liefertermin sogar um zwei Monate unterbieten“, erklärt GUGLER-Projektleiter Stefan Falkner. Mit der Ausführung der elektro- und regelungstechnischen Ausstattung des Kraftwerks wurde das niederösterreichische GUGLER-Tochterunternehmen H&W Control GmbH beauftragt, das für die Automatisierung der Anlage sorgte. Die hochentwickelte Steuerungslösung von H&W sorgt für den vollautomatischen Betrieb der Turbine und der Wasserfassung, ermöglicht aber auch einen sicheren Zugriff und die Überwachung aus der Ferne.

Gugler Wasserturbine mit rotem MarelliMotori Generator in der Hansenhütte, Draufsicht auf blaue Rohrleitungen.
Das von Grund auf erneuerte Kleinwasserkraftwerk wurde mit einer Kaplan-Turbine von der GUGLER Water Turbines GmbH ausgestattet.
© GUGLER

Vormontierter Antriebsstrang erleichtert die Montage

Bei einer Ausbauwassermenge von 6,8 m³/s und 13,4 m Bruttofallhöhe lag es auf der Hand, dass eine Kaplan-Turbine die ideale Lösung für das Kraftwerk darstellt. „Aufgrund der beträchtlichen Durchflussmenge von fast 7 m³/s hat die Turbinen-Spirale einen ziemlich großen Durchmesser. Wegen der relativ hohen Drehzahl der Turbine ist dafür der wassergekühlte Synchron-Generator vergleichsweise klein ausgefallen. Durch die geringe Baugröße des Generators konnte dieser direkt mit dem Laufrad gekoppelt werden, was sich in weiterer Folge günstig auf die Herstellungskosten auswirkte, denn man ersparte sich dadurch die Lagerung der Turbinenwelle sowie die Kupplung zur Generatorwelle“, erklärt Stefan Falkner. Um die Endmontage des Maschinensatzes zu begünstigen, wurde der komplette Antriebsstrang inklusive Generator und Laufrad im Werk vormontiert und als einbaufertige Einheit nach Kapfenberg geliefert. Die zuvor im Krafthaus montierte Turbinenspirale musste aufgrund ihrer beträchtlichen Abmessungen mittels Sondertransport zugestellt werden. Damit es auf der Baustelle zu keinen Verzögerungen bzw. Stehzeiten kommt, sorgte GUGLER für die genaue Taktung von Fertigung, Transport und Montage der Turbinenkomponenten. „Trotz der begrenzten Platzverhältnisse im Krafthaus konnte die Montage des Antriebsstrangs, der unter Zuhilfenahme eines Mobilkrans eingehoben wurde, schnell umgesetzt werden. Unsere Monteure haben definitiv ein Lob verdient, sie haben unter schwierigen Rahmenbedingungen eine Top-Leistung abgeliefert. Man muss aber auch dazu sagen, dass wir uns im Vorfeld viele Gedanken gemacht haben, wie der Einbau möglichst reibungslos ablaufen kann“, betont Stefan Falkner.

Rote Gugler Wasserturbine wird per Kran in das blaue Gehäuse im Kraftwerk Hansenhütte herabgelassen.
Endmontage des komplett vormontiert ausgelieferten Antriebsstrangs
© GUGLER

Kaplan-Turbine für hohe Effizienz bei wechselndem Wasserdargebot

Bei der Konstruktion der Maschine legten die GUGLER-Ingenieure hohen Wert auf deren Wartungsfreundlichkeit. Sollte es erforderlich sein, kann der Antriebsstrang der Turbine unkompliziert ausgehoben werden. Selbstverständlich war aber auch die Leistungsfähigkeit der Maschine, die bei vollem Wasserdargebot 718 kW Engpassleistung erreicht, beim Designprozess von höchster Priorität, so Stefan Falkner: „Grundsätzlich läuft die Maschine dank der mittels Indexmessung optimierten Zuordnung von Laufrad und Leitapparat sehr stabil und ruhig. Ihre Stärken kann die mittels verstellbarer Laufradflügel und Leitapparat doppelt regulierte Turbine bei geringem Wasserdargebot voll ausspielen. Das hat die Maschine gleich nach der Inbetriebnahme im November des Vorjahres – nach Erhalt des Kalibrierungsberichts zur Pflichtwasserabgabe – unter Beweis gestellt. Trotz der jahreszeitlich bedingten geringen Zuflüsse konnte die Maschine von Beginn an mit hoher Effizienz Strom erzeugen. Im Februar konnte die Maschine dank der feuchten Witterungsbedingungen bereits nahezu 100 Prozent ihrer Leistungskapazität abrufen. Abgesehen von kleineren Schwierigkeiten, die aber stets schnell gelöst wurden, ist der Auftrag von Beginn an sehr glatt gelaufen. Wir freuen uns, dass wir ein weiteres erfolgreiches Projekt unserer Referenzliste in Österreich hinzufügen konnten.“

Mehr Eigenstrom aus Wasserkraft und Photovoltaik

pewag-Betriebsleiter Marcel Schwaiger zeigt sich positiv gestimmt über das Ergebnis der großangelegten Kraftwerkserneuerung: „Wir sind sehr zufrieden mit den Leistungen der ausführenden Unternehmen, das gilt sowohl für die Umsetzung als auch die Qualität der gelieferten Komponenten. Am erfreulichsten für uns ist aber die Tatsache, dass wir nun mehr als die Hälfte unseres Eigenstrombedarfs, der im Durchschnitt zwischen 8 und 9 GWh jährlich beträgt, selber erzeugen können. Unsere Photovoltaik-Anlage liefert durchschnittlich 1 GWh Strom pro Jahr. In Kombination mit dem Wasserkraftwerk, das im Regeljahr um die 3,6 GWh Strom erzeugen wird, ist das schon sehr ordentlich und ein deutliches Zeichen dafür, dass erneuerbare Energien bei der pewag hoch im Kurs stehen.“

Moderner Betonbau der Hansenhütte am bewaldeten Berghang mit herbstlichen Bäumen und geschotterter Fläche davor.
Nach der Inbetriebnahme im November des Vorjahres stehen 2026 noch diverse Rest- und Renaturierungsarbeiten an.
© GUGLER

Erschienen in zek HYDRO, Ausgabe 2/2026