Kraftwerk Vilsfall: Schattwald stärkt Eigenversorgung durch Modernisierung
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Den Kraftwerkspark auf dem Stand der Technik zu halten, gehört zu den zentralen Herausforderungen eines jeden Energieversorgers. Dieser Aufgabe fühlt sich auch der traditionsreiche Energieversorger des malerischen Tannheimer Tals – das Elektrizitätswerk Schattwald – verpflichtet. Um die Versorgungssicherheit im Tal weiter zu gewährleisten, wurde in den letzten Monaten über zwei Bauabschnitte hinweg eine Rundum-Sanierung der Wehranlage des Kraftwerks Vilsfall vorgenommen – ein Bauwerk aus den 1960er Jahren, das letztlich in moderner Bauweise identisch wiedererrichtet und mit Stahlwasserbau- und Steuerungslösungen auf dem neuesten Stand der Technik versehen wurde. Noch vor Weihnachten ging das neue Fassungsbauwerk in den Probebetrieb.
Modernisierung der Wasserfassung am Kraftwerk Vilsfall im Tannheimer Tal
Das Kraftwerk Vilsfall im Tannheimer Tal wird zu Recht zu den elektrizitätswirtschaftlichen Pionierleistungen Tirols im frühen 20. Jahrhundert gerechnet. Bereits um die Jahrhundertwende entstanden erste Pläne, die markante Gefällstufe der Vils bei Schattwald energiewirtschaftlich zu nutzen. Zwar brachte der Erste Weltkrieg dieses Vorhaben vorübergehend zum Erliegen, doch geriet es nicht in Vergessenheit. Schon 1919 nahmen engagierte Schattwalder Bürger die Idee wieder auf – und die Gemeinde beschloss den Bau des Kraftwerks und den Ausbau der Stromversorgung für das gesamte Tal. Noch im selben Jahr begann die Umsetzung, die 1921 mit dem Anschluss an die Allgäuer Kraftwerke und einem Stromlieferungsvertrag einen wichtigen Meilenstein erreichte. Einen wesentlichen Entwicklungsschritt erfuhr das Kraftwerk Vilsfall zwischen 1950 und 1960, als es zu einem Tagesspeicherkraftwerk ausgebaut wurde. „Vor etwas mehr als 15 Jahren haben wir dann die alten Maschinen im Kraftwerk durch neue ersetzt und um eine Restwasserturbine ergänzt. Das bedeutete in etwa eine Produktionssteigerung von 9 Prozent“, erzählt Dipl. BW Ing. Thomas Moritz, Geschäftsführer beim Elektrizitätswerk Schattwald, und verweist auf die Bedeutung der Anlage: „In Summe leistet das Kraftwerk Vilsfall in seiner heutigen Form 2.550 MW – und stellt somit gemeinsam mit dem Kraftwerk Traualpsee das Rückgrat unserer Stromproduktion dar.“

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Sanierung der Wehranlage am Kraftwerk Vilsfall langfristig geplant
Gerade für kleinere regionale Energieversorger wie das Elektrizitätswerk Schattwald sei es von zentraler Bedeutung, dass die Investments in die eigene Kraftwerksinfrastruktur auch zeitlich gut abgestimmt sind, betont Moritz: „Wir sind ein Unternehmen, das auf gesunden Beinen steht. Nichtsdestotrotz müssen auch wir darauf schauen, die Schwerpunkte bei unseren Investments richtig zu setzen. Konkret bedeutete das für uns, dass die Arbeiten an den Erzeugungskapazitäten höhere Priorität hatten und daher zuerst erledigt wurden. In einem zweiten Schritt haben wir uns nun den anderen Komponenten widmen können.“ Dennoch war die Sanierung der Wehranlage bereits von langer Hand geplant. Bereits im November 2018 fanden die ersten Gespräche mit dem Land Tirol statt. In weiterer Folge konnten die ersten Entwurfsplanungen, die vom bewährten Partner in Sachen Kraftwerksplanung – dem Ingenieurbüro Koch aus Kempten – umgesetzt wurden, bei den Behörden eingereicht werden. In enger Kooperation mit der Gemeinde Schattwald als Eigentümerin und allen Beteiligten wurde die weiterführende Planung abgestimmt. „Aufgrund der hohen Komplexität des Projektes, der notwendigen ökologischen und wasserrechtlichen Untersuchungen sowie des hohen Investitionsbedarfs ergab sich eine sinnvolle Aufteilung des Projekts in mehrere, zeitlich aufeinander abgestimmte Bauabschnitte. So wurde im Herbst 2023 nach Abschluss der Untersuchungen für den ersten Bauabschnitt mit der Modernisierung des Rechenreinigungssystems begonnen. Vor allem deshalb, weil die alte Rechenreinigungsmaschine schon eklatante Defizite und allfällige Störungen aufwies.

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Knickarm-Rechenreinigungsmaschine von Wild Metal am Einlauf der Vils
Mit diesem Baulos wurde der Branchenspezialist Wild Metal aus dem Südtiroler Ratschings beauftragt, der eine moderne Knickarm-Rechenreinigungsmaschine mit ölhydraulischem Antrieb realisierte und damit das bestehende Seilzug-System ersetzte. Ausgestattet mit einer Greifharke sowie sämtlichen Sensoren für einen vollautomatischen Reinigungsbetrieb entspricht die neue Maschine modernsten technischen Standards. Bei der konzeptionellen Umsetzung sowie auch bei der Montage stellte das begrenzte Platzangebot an der Wasserfassung eine besondere Herausforderung dar. „Die bestehende Situation mit Einlaufrechen und darüberliegendem Betriebsgebäude erforderte eine präzise Planung und eine maßgeschneiderte Lösung“, führt Daniel Polig von Wild Metal dazu aus. Um dem Ausleger ausreichend Bewegungsfreiheit zu ermöglichen, musste die Dachstruktur des Gebäudes rückgebaut und neu ausgeführt werden. Auch die Handhabung des anfallenden Rechenguts verlangte nach einer Sonderlösung: Wild Metal entwickelte hierfür einen speziell angepassten Rechengutcontainer mit integrierter Fußgängerbrücke, der von einer Haube aus Cortenstahl geschützt wird. Dieser wetterfeste Baustahl bildet durch natürliche Oxidation eine schützende Rostschicht und gewährleistet so eine hohe Dauerhaftigkeit der Konstruktion. Im Anschluss an den Reinigungsvorgang wird das Treibgut mittels Greiferharke in den hinter der Brücke positionierten Container abgelegt. Die neue Rechenreinigungsmaschine kann optional vollautomatisch oder auch über eine Fernsteuerung betrieben werden. Im Automatikbetrieb stehen zwei Leistungsstufen zur Verfügung: Im Normalbetrieb arbeitet die Anlage mit einer 11-kW-Pumpeneinheit, bei Hochwasser wird eine zweite, gleich starke Einheit zugeschaltet. Dadurch lässt sich ein vollständiger Reinigungszyklus in weniger als 2,5 Minuten durchführen. Der Einsatz eines Hydraulikaggregats mit Proportionalventilen und Verstellpumpe unterstreicht zudem den Fokus auf einen energieeffizienten und bedarfsgerechten Betrieb und bietet eine sichere und stabile Reinigungsfunktion am Einlauf für die nächsten Jahre und Jahrzehnte.

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Revitalisierung der Betonstrukturen im Bestand des Kraftwerks
Gerade was die Erneuerung der Baustruktur anbelangt, war ein Punkt von zentraler Bedeutung: Das neue Fassungsbauwerk musste identisch zum alten aufgebaut werden. Thomas Moritz: „Unsere Rahmenbedingungen haben klar vorgegeben, dass wir vor allem aufgrund des bestehenden Wasserrechts, aber auch aufgrund ökologischer Zielsetzungen, eine Revitalisierung anstrebten, um die Bestandsstruktur bestmöglich zu sichern. Die Bausubstanz aus den 1960er Jahren hatte in den letzten Jahrzehnten gelitten. Sie war grundsätzlich nicht überall schlecht, das haben auch Kernbohrungen vor acht Jahren gezeigt. Aber dennoch waren Teile in marodem Zustand – und die hätten bei Untätigkeit mittel- bis langfristig durchaus statische Probleme nach sich ziehen können. So ein Risiko können wir als Betreiber nicht eingehen.“
Nachdem einige Projektanpassungen durchgeführt und die Abstimmungen in naturschutz- und wasserrechtlicher Hinsicht erfolgreich abgeschlossen waren, lagen die erforderlichen Bescheide vor – und die Bauarbeiten konnten im Oktober ´25 beginnen. „Wir haben bei der Umsetzung bewusst auf bewährte Partner gesetzt. Neben dem Ingenieurbüro Koch und der Firma Wild Metal sowie der Firma En-Co für die Steuerungstechnik vertrauten wir in baulicher Hinsicht auf die Baufirmen Dobler und Buchelt, die eine Arbeitsgemeinschaft bildeten. Zudem haben wir auf die Kompetenzen des Ziviltechnikerbüros ITS Scheiber für die gewässerökologische und naturkundefachliche Einreichplanung zurückgegriffen “, erklärt Moritz.

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Betonbauwerke der Wasserfassung originalgetreu erneuert
Nachdem noch im Oktober letzten Jahres der Wasserhaltungsdamm fertiggestellt war, konnten die beiden Baufirmen mit den Arbeiten im Trockenen beginnen. Grundsätzlich galt es, sämtliche alte Betonstrukturen abzufräsen und jene Teile abzubrechen, die einer Erneuerung bedurften. „Bauteile wie die Kopfbalken, oder das Einlaufbauwerk selbst, waren wirklich marode. Sie mussten abgebrochen und von den Baufirmen komplett neu gemacht werden. Das traf in weiterer Folge auch auf die Mittelmauer im Steg zu, die ebenfalls einer Erneuerung bedurfte. Entscheidend war dabei, dass wir all diese Betonstrukturen 1:1 entsprechend dem Originalzustand nachbauten, um eben im Wasserrecht zu bleiben, und um auch keine unliebsamen Veränderungen im Hinblick auf Fließgeschwindigkeiten oder Sedimentationsgeschehen zu erleben“, erklärt der Geschäftsführer des Elektrizitätswerks. Er betont, dass dabei sämtliche getätigten Maßnahmen von einem ökologischen Sachverständigen begleitet und im Einklang mit den Behörden umgesetzt wurden.

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Gewässerschutzanlage sichert Wasserqualität der Vils während der Bauarbeiten
Was sich als eine der zentralen Herausforderungen im Rahmen der baulichen Umsetzung entpuppen sollte, war die Einrichtung eines Alarmplans auf der Baustelle. Thomas Moritz: „Wir haben zu diesem Zweck eingehende Gespräche mit den Verantwortlichen des Landes geführt. Die kniffligsten Fragestellungen drehten sich darum, wie bei Starkniederschlägen zu reagieren ist. Wie man schnell für Sicherheit sorgt, wenn ein Hochwasser im Anmarsch ist – und welche Daten dafür relevant sind.“ Glücklicherweise kamen die ausgetüftelten Alarmpläne nie zum Einsatz, das gesamte Bauprojekt blieb von Hochwasser verschont.
Außerdem wurde gemäß den ökologischen Vorgaben des Landes Tirol eine GSA-Anlage (Gewässerschutzanlage) implementiert. Diese technische Einrichtung dient dem vorsorglichen Schutz der angrenzenden Gewässer und kommt auf Baustellen überall dort zum Einsatz, wo Wasser potenziell belastet werden könnte. Die Anlage ist darauf ausgelegt, kontaminiertes Abwasser vor einer möglichen Einleitung in die Umwelt aufzubereiten. Dabei durchläuft es mehrere Reinigungsstufen: Eine Neutralisation – häufig durch Begasung – gleicht kritische pH-Werte aus, anschließend werden in Sedimentationsbecken absetzbare Stoffe zurückgehalten. Weitere Filter- und Adsorptionsstufen entfernen feine Partikel, Schwermetalle sowie Kohlenwasserstoffe. Eine kontinuierliche messtechnische Überwachung stellt sicher, dass sämtliche gesetzlichen Grenzwerte eingehalten werden. Während der Bauarbeiten kam es zu keinem Schadensfall, dennoch gewährleistete die GSA-Anlage die Einhaltung höchster Umweltstandards.

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Kraftwerk Vilsfall rechtzeitig zur Beschneiungssaison wieder in Betrieb
Im Hinterkopf hatten die Verantwortlichen um Thomas Moritz dabei immer den Zeitplan für die avisierte Fertigstellung. Schließlich wurde einem Ziel höchste Priorität eingeräumt: „Die Bergbahnen brauchen unser Kraftwerk unbedingt für die künstliche Beschneiung der Pisten hier im Hochtal. Das ist essentiell, und daher war es für uns unerlässlich, zu diesem frühen Zeitpunkt im Winter mit der Anlage bereit zu sein. Nicht zuletzt dank der hervorragenden Leistung unseres Projektleiters Gerald Rief und des großen Wetterglücks ist uns das auch gelungen – und das Gros der Arbeiten konnte im Zeitplan abgeschlossen werden“, freut sich Thomas Moritz. Noch vor Weihnachten letzten Jahres wurde die modernisierte Wasserfassung in den Probebetrieb übernommen. Mittlerweile befindet sie sich bereits im Regelbetrieb. Bis zum Einsetzen der Schneeschmelze im Frühling sollen die letzten kleineren Restarbeiten folgen.
Die Sanierung der Wehranlage Vilsfall stellt nicht nur eine große Investition in den eigenen Kraftwerkspark dar, sie ist für die Zukunftssicherung des Unternehmens auch ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Schattwalder Energieversorgers. Für das neue Jahr hat das Team um Thomas Moritz bereits weitere Projekte in der Pipeline. So rücken 2026 netzrelevante Themen im Mittelspannungs- und Schutzbereich, die Betriebsführung innerhalb des Netzverbundes sowie ein möglicher Ausbau des Firmengebäudes in den Fokus. Außerdem ist man beim Elektrizitätswerk Schattwald noch mit Überlegungen hinsichtlich Pumpspeicheroptionen zugange, die entsprechenden Rahmenbedingungen dafür werden geprüft, heißt es.
Erschienen in zek HYDRO, Ausgabe 1/2026