Legendäres Bergsteigerdorf in Kärnten modernisiert Wasserkraftwerk Möll

24. August 2026, Lesedauer: 21 min

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Seit rund 43 Jahren versorgt das Kraftwerk Möll die Gemeinde Heiligenblut am Fuße des Großglockners mit Strom – leistungsstark und zuverlässig. Es sorgt zugleich für eine gewisse Energieautarkie des berühmten Bergsteigerdorfs. Doch der Zahn der Zeit hinterließ seine Spuren an der installierten Francis-Turbine, die nun zusammen mit dem dazugehörigen Absperrorgan und dem Generator erneuert werden sollte. Gemeinsam mit etablierten Branchenunternehmen wie EFG, Hitzinger oder MGX gelang ein mustergültiges Refurbishment, das Mitte März dieses Jahres nach rund einem halben Jahr Bauzeit erfolgreich abgeschlossen werden konnte.

Modernes Gebäude vom Kraftwerk Möll in Heiligenblut vor bewaldetem Hang mit blauer Fassadengestaltung und Skulptur.
Das Maschinenhaus (Baujahr 1982-1983) im Ortsteil von Pockhorn
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Umfassende Modernisierung macht das Kraftwerk Möll fit für die nächsten Jahrzehnte

Das bekannte Bergsteigerdorf Heiligenblut in Kärnten steht als die Wiege eines der bedeutendsten Naturschutzgebiete Europas in den Geschichtsbüchern. Genau hier am Fuße des Großglockners wurden 1971 die Weichen für die Gründung des heutigen Nationalparks Hohe Tauern gestellt. Er ist heute der älteste Nationalpark Österreichs und mit rund 1.800 km² zugleich der größte im gesamten Alpenraum. Die frühe Entscheidung zugunsten des Schutzes der einzigartigen Hochgebirgslandschaft prägte das Selbstverständnis der Region nachhaltig und beeinflusst bis heute die lokalpolitische wie wirtschaftliche Entwicklung. In Heiligenblut wurde der bewusste Umgang mit natürlichen Ressourcen in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Leitprinzip, was sich in der konsequenten Ausrichtung auf Nachhaltigkeit widerspiegelt. Naheliegend, dass vor diesem Hintergrund auch die Nutzung erneuerbarer Energie hohen Stellenwert hatte und nach wie vor hat. Ein Beleg dafür ist das 1982 bis 1983 errichtete Kraftwerk Möll, das seit über 40 Jahren die Gemeinde mit sauberem Strom versorgt. „Unser eigenes Wasserkraftwerk war zweifellos ein Meilenstein in der Geschichte unserer Gemeinde, weil es uns eines ermöglichte: eine gewisse Energieunabhängigkeit. Wir haben Leitungen zu sämtlichen gemeindeeigenen Gebäuden und Gewerken gelegt – von der Volksschule, über die Einsatzzentralen von Feuerwehr und Bergrettung, Gemeindeamt bis hin zu unserem Hallenbad und einigen anderen kommunalen Gebäuden. Damit beziehen wesentliche Teile unserer Gemeinde nicht nur eigenen Strom, sondern sind damit auch völlig unabhängig vom überregionalen Netz. Sollte einmal ein Stromausfall passieren, wird die Infrastruktur von Heiligenblut im Inselbetrieb von unserem Kraftwerk versorgt“, umreißt Bürgermeister Martin Lackner die Bedeutung der Anlage für Heiligenblut. Das Kraftwerk erzeugt im Regeljahr rund 15 GWh. Alles was die Gemeindeinfrastruktur nicht auf direktem Weg verbraucht, wird ins öffentliche Verteilnetz eingespeist.

Stabiles System aus zwei ungleichen Maschinensätzen

Das Kraftwerk wurde so konzipiert, dass es die schluchtenartige Möll-Steilstufe zwischen den Ortsteilen Zlapp und Pockhorn nutzt. Zu diesem Zweck wurde eine kleine Staumauer an einer natürlichen Engstelle am Beginn der Möllschlucht gebaut und damit ein Tagesspeicher mit rund 12.000 m3 Fassungsvermögen geschaffen. Daran anschließend wurde ein Triebwasserweg durch einen rund 240 m langen Stollen angelegt, der in ein Wasserschloss mündet. Von hier erstreckt sich die rund 400 m lange, unterirdische Druckrohrleitung DN1200, die aus Stahlrohren mit einer Zementauskleidung besteht, bis zum Maschinenhaus im Ortsteil Pockhorn. Im Krafthausgebäude wurden zwei ungleiche Maschinensätze installiert, die einen Gesamtdurchfluss von 3,6 m3/s abarbeiten können. Die horizontalachsige Francis-Spiralturbine von Maschinensatz 1 ist die größere der beiden Maschinen mit einem Schluckvermögen von 2.400 l/s und einer mechanischen Leistung von 2.300 kW. Ihr zur Seite steht eine 2-düsige Peltonturbine, ausgelegt auf 1.200 l/s, wobei ihre Ausbauleistung bei 1.150 kW liegt. Beide Maschinen waren seit ihrer Inbetriebnahme im Jahr 1983 im Wesentlichen in ihrem Ursprungszustand belassen worden. Es gab auch keine Gründe für etwaige Modifizierungen – die Anlage lief stabil und zuverlässig, wie Bürgermeister Martin Lackner betont.

Francis-Turbine lief fernab des Optimums

Diese Einschätzung teilt auch der Technische Leiter des Turbinenspezialisten EFG aus Kärnten Dipl.-Ing. Gero Pretis, der als Projektleiter maßgeblich für die Maschinenerneuerung verantwortlich zeichnete: „Grundsätzlich war die bestehende Kombination aus Francis- und Pelton-Turbine sinnvoll und hat sich über Jahrzehnte bewährt: Auf dieser Basis konnten über den Jahresverlauf hinweg stabile Wirkungsgrade erzielt werden.“ Allerdings zeigte die Francis-Turbine nach vier Jahrzehnten in Betrieb Verschleißerscheinungen und arbeitete nicht mehr optimal. Dies sei – so der Fachmann von EFG – konstruktionsbedingt keine Überraschung.
Die Basis für diesen Befund lieferte letztlich eine umfangreiche Erhebung des Ist-Zustandes des Kraftwerks, den der Kärntner Energieversorger Kelag im Auftrag der Gemeinde vorgenommen hatte. „Als langjähriger Partner, dem die Betriebsführung der Anlage bis zum heutigen Tag obliegt, waren wir für die Gemeinde erster Ansprechpartner, als es 2021 um eine mögliche Modernisierung der Anlage ging. Wir haben in der Folge eine umfangreiche Untersuchung sämtlicher Komponenten vorgenommen und daraufhin unsere Empfehlung abgegeben. Gerade weil auch der Wirkungsgrad der Francis-Turbine nicht mehr im Optimum lag, haben wir angeregt, diesen Maschinensatz zu erneuern und den Pelton-Turbinensatz, der sich nach wie vor in einem sehr guten Zustand befindet, zu belassen“, erklärt der Projektleiter der Kelag, Dipl.-Ing. Sebastian Culetto und ergänzt: „Zusätzlich sahen wir es als sehr sinnvoll an, die gesamte Steuerungs- und Leittechnik für das Kraftwerk zu erneuern. Nicht zuletzt, weil sich damit auch einige Synergieeffekte lukrieren ließen.“

Industrielle Rohrleitung mit blauem Absperrventil, Handrad und Manometer in einer technischen Anlage.
Im Probebetrieb wird auch die neue Absperrklappe – eine selbstentwickelte Konstruktion von EFG – auf Herz und Nieren getestet.
© EFG

Modernes 2-Lager-Konzept ersetzt bisherige 4-Lager-Anordnung

Obgleich der bestehende Maschinensatz von den fachkundigen Ingenieuren als solide und durchdachte Lösung bezeichnet wurde, spiegelte er naturgemäß den damaligen Stand der Technik wider: etwa eine Vier-Lager-Konstruktion – also mit zwei separaten Gleitlagern für die Turbine und Schwungmasse und zwei eigenen Wälzlagern für den Generator. „Heutige Konzepte sehen dafür eine moderne und deutlich effizientere Zwei-Lager-Anordnung vor. In diesem Fall hat man in Hinblick auf den Inselbetrieb eine gut dimensionierte Schwungmasse beibehalten, die auf die Rückseite des Generators gerückt ist. Die Generatorlagerung der neuen Maschine wurde nun so konzipiert, dass sie mit ihren Gleitlagern nicht nur Rotor- und Turbinenkräfte, sondern auch die Kräfte der Schwungmasse aufnehmen kann“, erklärt Turbinenspezialist Gero Pretis, der darauf verweist, dass die Richtlinien für das neue Maschinenkonzept sich aus den hohen EVU-Standards der Kelag Ausschreibungen ergaben. Das bedeutete für die erfahrenen Turbinenbauer von EFG, dass ein hohes Maß an ingenieurtechnischem Know-how für das Konzept der neuen Francis-Spiralturbine gefordert war. EFG erhielt dabei den Generalunternehmer-Auftrag für den Tausch des gesamten Maschinensatzes, inklusive Generator und Absperrorgan.

Industrielles spiralförmiges Turbinengehäuse aus Stahl auf einem Werksgelände vor einem gelben Firmengebäude.
EFG setzt seit jeher konsequent auf die eigene Fertigungskompetenz: Die Turbinenspirale des neuen Francis-Maschinensatzes in Vorbereitung für die Druckprüfung im Kärntner Feldkirchen.
© EFG

Umbau im Bestand – eine technische Meisterprüfung

Beim Maschinentausch im Bestand beginnt die eigentliche Herausforderung lange bevor die erste Schraube gesetzt wird. „Die größte Herausforderung bei einem Refurbishment-Projekt ist, dass wir nicht frei in unserer Wahl sind“, bringt es Gero Pretis auf den Punkt. Anders als beim Neubau gibt es kein leeres Blatt Papier, sondern ein enges Korsett aus vorgegebenen Randbedingungen: Der bestehende Kraftwerksboden definiert die Einbauhöhe der Maschine, die Zuleitung liegt auf einer fixen Kote, und auch der Unterwasserpegel ist unverrückbar. Daraus entsteht ein komplexes hydraulisches Spannungsfeld, in dem die neue Turbine eingepasst werden muss. Im konkreten Fall liegt eine Saughöhe von fast 4 Metern vor, was als relevantes Kavitationsthema natürlich in der Planung ebenfalls berücksichtigt werden musste.
Für den Maschinenbauer bedeutet das: Er konstruiert nicht die optimale Maschine für ideale Bedingungen, sondern die bestmögliche Lösung innerhalb enger Grenzen. „Ich kann nicht alles verändern“, sagt Pretis – und genau darin liegt die Schwierigkeit. Was noch hinzukommt: Der Einbau im Bestand verlangt bereits in der frühesten Projektphase ein hohes Maß an Vorstellungskraft und Erfahrung. Denn die zu erwartende Performance und selbst Garantiefragen hängen unmittelbar von diesen unveränderlichen Gegebenheiten ab. Eine moderne Turbine in eine bestehende Struktur zu integrieren heißt daher immer, Kompromisse zu managen – technisch, hydraulisch und wirtschaftlich.

Große orangefarbene Turbine und komplexe Rohrleitungen im Kraftwerk Möllbrücke zur regenerativen Stromerzeugung.
Der neue Maschinensatz 1 besticht mit durchdachten Lösungen und modernster Technik bis ins kleinste Detail.
© zek

Hohe Wirkungsgrade und maximale Langlebigkeit

Konkret ging es selbstredend nicht nur darum, den Maschinensatz 1:1 zu ersetzen, sondern darin auch die Vorteile aus den Entwicklungen der letzten 40 Jahre umzusetzen. Wichtig ist dabei natürlich unter anderem Robustheit. „Wir haben uns die Verschleißbilder der alten Maschine genau angeschaut und gefragt: Was kann ich besser machen?“, erklärt der Planungsingenieur der Firma EFG. Als Antwort darauf wurden die stark beanspruchten Spalte am Edelstahl-Laufrad zusätzlich mit Wolfram-Carbid beschichtet, um den Verschleiß zu minimieren. Ganz oben auf der Prioritätenliste standen natürlich: Wirkungsgrade. „Hohe Wirkungsgrade und Langlebigkeit schließen einander nicht aus“, so Gero Pretis. Das Ergebnis des Optimierungsprozesses: Hervorragende Spitzenwirkungsgrade bei gleichzeitig stabiler und langlebiger Betriebsweise.
Was den dringend benötigten Spielraum für die Optimierung der Maschine für die Ingenieure von EFG brachte, war der Einbau einer neuen Absperrklappe (DN800 PN16). Das Verschlussorgan ist als Eigenkonstruktion von EFG rund 30 % kürzer als herkömmliche Komponenten dieser Art ausgeführt. Der dadurch gewonnene Bauraum konnte direkt in die hydraulisch günstigere Gestaltung der Turbine investiert werden – ein entscheidender Vorteil im engen Korsett der bestehenden Anlage. Außerdem wurde damit auch die Betriebssicherheit deutlich erhöht. Das neue Verschlussorgan ermöglicht selbst bei maximalen Wassermengen einen zuverlässigen Notschluss.

Die Maschinendynamik und der Triebwasserstrang

Ein wichtiger Baustein im gesamten Projekt war die Analyse des gesamten Triebwasserstrangs – durchgeführt mittels numerischer Simulation. „Die Frage lautete: Wie wirkt sich die neue Maschine mit ihrer Betriebscharakteristik auf den Triebwasserstrang aus?“, erklärt Gero Pretis. Er verweist darauf, dass das Triebwassersystem des Kraftwerks Möll komplexer ist als in vielen vergleichbaren Anlagen: Es verfügt über einen Stollen, ein Wasserschloss und eine Druckrohrleitung, die zusammen mit zwei unterschiedlichen Turbinentypen ein empfindliches hydraulisches Gefüge bilden. Die neue Turbine ist in der Lage, ihre Leistung sehr schnell zu ändern – sie regelt in 15 Sekunden von 0 auf 100 %. Diese Dynamik ist eben auch Voraussetzung für eine besondere Fähigkeit der Anlage: den Inselbetrieb. Das bedeutet, dass das Kraftwerk im Bedarfsfall unabhängig vom öffentlichen Netz betrieben werden und die Frequenz eigenständig im Bereich von etwa 48 bis 52 Hertz halten kann – eine Anforderung, die in dieser Leistungsklasse alles andere als selbstverständlich ist. Und genau hier stellten die Experten ihre kritischen Überlegungen an: Schnelle Lastwechsel erzeugen Druckschwankungen im Triebwasserstrang, die sich bis ins Wasserschloss fortpflanzen. In extremen Fällen kann es zu gefährlichen Aufschwingbewegungen kommen. „Ein Wasserschloss, das übergeht, dafür aber nicht gebaut ist, ist eine Katastrophe“, sagt der studierte Maschinenbauer von EFG. Ziel der Berechnungen war es daher, schon im Vorfeld sicherzustellen, dass selbst bei maximal schnellen Schließ- und Stellzeiten keine instabilen Zustände entstehen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse wurden anschließend direkt in die realen Regelparameter übernommen.

Heiligenblut am Großglockner im Mölltal: Dorfkirche vor schneebedeckten Alpengipfeln unter blauem Himmel in Kärnten.
Heiligenblut, das legendäre Bergsteigerdorf am Fuße des Großglockners, setzt seit Jahrzehnten auf die Wasserkraft.
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Optimierte Regeldynamik für den sicheren Inselbetrieb

Parallel dazu spielte auch die mechanische Trägheit der Maschine eine zentrale Rolle. Durch den Umbau von einer 4-Lager- auf eine 2-Lagermaschine und durch die neue Generatorlagerung veränderten sich zudem die Möglichkeiten, Schwungmasse einzubringen. Gemeinsam mit dem erfahrenen Generatorhersteller Hitzinger und in Abstimmung mit der Kelag wurde ausgelotet, wie viel Trägheitsmoment technisch sinnvoll und zulässig ist. Denn dieses ist direkt gekoppelt an die Netzstabilität im Inselbetrieb: Mehr Trägheit bedeutet stabileres Frequenzverhalten – aber auch höhere Belastungen für die Maschine. Gero Pretis: „Am Ende fiel die Entscheidung bewusst auf einen Mittelweg: etwas weniger Trägheitsmoment als im Altbestand, dafür schnellere Regelbarkeit und dennoch ausreichend Stabilität für den Inselbetrieb.“
Neben ihrer Auslegung für den wichtigen Inselbetrieb galt es für die Ingenieure des erfahrenen Generatorherstellers auch einige andere Anforderungen an die Maschine umzusetzen, die für den Einsatz am Standort maßgeschneidert wurde. So wurde sie etwa für eine Überlastfähigkeit von 10 % vorbereitet und dabei grundsätzlich eher konservativ ausgelegt, um die thermische Belastung für die Maschine stets gering zu halten. Im Gegensatz zum Altbestand, der ein teilweise offenes Kühlsystem aufwies, wurde bei der neuen Maschine nun ein geschlossener Kühlkreislauf am Stand der Technik realisiert, wobei der Wärmetauscher im Unterwasser situiert ist.

Maßgeschneiderter Generator für höchste Effizienz

Die Grundlage für die hohe Adaptionsfähigkeit und die Flexibilität in der Auslegung von Hitzinger-Maschinen bildet nicht zuletzt eine selbstentwickelte, hochspezifische Kalkulationssoftware, mit deren Hilfe jede Maschine individuell – mechanisch wie elektrisch – durchgerechnet wird. In kürzester Zeit verarbeitet das System eine Vielzahl an Parametern, Algorithmen und Ausschlusskriterien und liefert am Ende eine konkrete, technisch belastbare Bauvorschrift. Das ermöglichte es auch, den Generator exakt auf die spezifischen Anforderungen im Kraftwerk Möll zuzuschneiden – trotz enger Rahmenbedingungen.
Die hohe Qualität eines Generators ist nicht zuletzt eine Frage der Materialwahl. Zum Einsatz kommen bei Hitzinger ausschließlich Stahlklassen und Beschichtungen, die vollständig temperaturbeständig sind und damit eine hohe Betriebssicherheit gewährleisten. Gleichzeitig spielt die bekannt hohe Qualität der eingesetzten Elektrobleche eine zentrale Rolle: Sie beeinflusst maßgeblich die elektrischen Verluste – und damit direkt den Wirkungsgrad des Generators. Das Ergebnis ist eine Maschine, die nicht nur technisch exakt passt, sondern auch im Betrieb überzeugt. So erreicht der Generator im KW Möll exzellente Wirkungsgrade und trägt damit wesentlich zur Gesamteffizienz der Anlage bei. Ebenso bemerkenswert ist seine Laufruhe: Selbst unter hoher Last arbeitet die Maschine nahezu geräuschlos.

Rote Turbine und Astam Deckenkran in der Maschinenhalle des Kraftwerks Möll.
Den Branchenprofis von ASTAM gelang es, die bestehende Krananlage auf 17,5 Tonnen Traglast auszubauen – ein wichtiger Aspekt des Projekts.
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Krananlage für neue Generatorgeneration ertüchtigt

Die neue Generatortechnologie im Krafthaus zog allerdings eine nicht unwesentliche Konsequenz nach sich: Die Ertüchtigung der bestehenden Krananlage wurde unabdingbar. Obwohl sich alter und neuer Generator in ihrer Nennleistung kaum unterscheiden, brachte die neue Maschine rund fünf Tonnen mehr Masse mit. Die Gründe dafür liegen unter anderem im Wechsel von Wälzlager- auf eine moderne Gleitlager-Ausführung sowie in der heute üblichen Integration der kompletten Wandlertechnik direkt auf dem Generator. Diese Komponenten waren beim ursprünglichen Anlagenkonzept noch in einem separaten Raum untergebracht. Es lagen also mehrere Gründe für den Gewichtszuwachs vor. Die höhere Maschinenmasse überschritt nun allerdings die Tragfähigkeit des bestehenden Hallenkrans, weshalb eine Aufrüstung auf 17,5 Tonnen erforderlich wurde. Die Gemeinde beauftragte dafür die Kärntner Firma ASTAM mit der technischen Adaptierung. Der Maschinen- und Anlagenbauer aus dem Lavanttal verfügt über mehr als 30 Jahre Branchenerfahrung und bietet neben der Umsetzung auch Wartung, Justierung und wiederkehrende Überprüfungen der Krananlagen an. Für ASTAM ein durchaus spannendes Projekt, schließlich bringt die individuelle Modernisierung eines Bestandskrans zusätzliche technische Herausforderungen mit sich. „Man muss bei derartigen Umbauten mit dem Stand der Technik heutiger Normen arbeiten. Und das kann knapp werden. Es werden mehr Sicherheiten und entsprechende Nachweise hinsichtlich Kranbahnstatik verlangt. Man darf nicht vergessen: Solche Hubmittel sind sicherheitsrelevant“, erklärt Kelag-Projektleiter Sebastian Culetto.

Innenansicht Kraftwerk Möll: Orangefarbener Hitzinger Generator und rote Turbine in einer Industriehalle mit Brückenkran.
Das Maschinen-Duo im Kraftwerk Möll in Heiligenblut erzeugt im Regeljahr rund 15 GWh – im Vordergrund die vollständig erneuerte Maschine 1.
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Drei lachende EFG-Mitarbeiter stehen in einer Werkstatt vor einer großen, metallischen Wasserturbine und Steuerungstechnik.
Das Team von EFG stellte bei dem Refurbishment-Projekt einmal mehr seine hohe Kompetenz unter Beweis: Prokurist Martin und Geschäftsführer Werner Goldberger und der Technische Leiter Gero Pretis. (v.l.)
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Maschinensatz 2 produziert auch während des Umbaus

Im Hinblick auf eine maximale Versorgungssicherheit und möglichst geringe Produktionsverluste wurde schon zu Beginn die Frage erörtert, wie sich während der umfangreichen Bauarbeiten an Maschine 1 die zweite Maschine zuverlässig weiterbetreiben ließe. Die Antwort fokussierte dabei auf zwei Hauptpunkte: Zum einen ging es um mögliche Erschütterungen, verursacht durch schweres Baugerät. „Um mögliche Auswirkungen auf Maschine 2 zu überwachen, wurde eine provisorische Schwingungsmessung installiert. Die Ergebnisse waren eindeutig: Das Kraftwerksfundament erwies sich als derart massiv, dass selbst der Einsatz eines tonnenschweren Baggers keinen messbaren Einfluss auf die benachbarte Maschine hatte“, erklärt Kelag-Projektleiter Sebastian Culetto. Das zweite große Thema war der anfallende Staub aus den Schrämm- und Bauarbeiten. Da der Generator der Peltonmaschine noch mit einer Luftkühlung ausgeführt ist, war die Gefahr, dass Schmutzpartikel in die Maschine eindringen, mehr als realistisch. Als Gegenmaßnahme wurde Maschine 2 vollständig eingehaust, womit schließlich ein sicherer Dauerbetrieb gewährleistet werden konnte. Abgewickelt wurden die Bauarbeiten im Krafthaus von der Firma Fürstauer Bau aus Winklern im Mölltal als Auftragnehmer von EFG. Dabei konnten die Kärntner Bauprofis einmal mehr unter Beweis stellen, dass Bauarbeiten für Kleinwasserkraftwerke Teil der DNA des Unternehmens darstellen, das in seiner 44-jährigen Firmengeschichte eine Vielzahl von Kleinkraftwerken erfolgreich errichtet hat.
Dass der Weiterbetrieb von Maschine 2 unter diesen Bedingungen so vergleichsweise einfach möglich war, wurde durchaus von der Konfiguration der Anlage begünstigt – wie Maschinenkonstrukteur Gero Pretis betont: „Die beiden Turbinen haben getrennte Unterwasserkanäle. Daher war es möglich, den Triebwasserstrang der Francis-Maschine gezielt außer Betrieb zu nehmen, während die Pelton-Maschine weitgehend ungestört weiterlaufen konnte.“ Insgesamt beschränkten sich die Stillstände auf weniger als zwei Wochen.

Leitstand Kraftwerk Möll mit zwei Monitoren, technischer Software, Unterlagen und Aktenordnern auf einem Schreibtisch.
Sämtliche Messdaten und alle Betriebszustände sind für die Betreiberin, die Kärntner Kelag, nun in Echtzeit abrufbar.
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Neue Steuerungstechnik eröffnet zusätzliche Potenziale

Ein nicht unwesentlicher Fokus des Modernisierungsprojekts lag auf der umfassenden Erneuerung der Steuerungs- und Regeltechnik des Kraftwerks. Verantwortlich für die komplette Steuerungs- und Regeltechnik zeichnete dabei der erfahrene Branchenprofi MGX Automation aus Flamberg im Sausal. Zwar galt die bestehende Technik noch als solide, allerdings machten das Alter der Komponenten sowie die eingeschränkte Verfügbarkeit von Ersatzteilen eine umfassende Erneuerung zunehmend notwendig. Gleichzeitig haben sich die Anforderungen an Überwachung, Fernwartung und Fernsteuerung in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Dementsprechend wurde die Anlage nun auch von MGX adaptiert: Während zuvor nur eingeschränkte Fernzugriffe möglich waren, steht heute eine vollständige Datenübertragung zur Verfügung. Sämtliche Betriebszustände und Sensordaten können nun in Echtzeit aus der Ferne überwacht werden – inklusive visualisierter Alarm- und Gefahrenmeldungen. Auch eine Schwingungsüberwachung der Maschine, die bislang nicht vorhanden war, wurde neu implementiert. Betriebs- und Anlagendaten werden nun lückenlos aufgezeichnet und archiviert. Besonders wichtig: Die neue Steuerungstechnik bildet eine tragende Säule für den Inselbetrieb des Kraftwerks und ermöglicht eine vollautomatische unterbrechungsfreie Inselübernahme inklusive Inselmaschinenvorwahl bei Zweimaschinenbetrieb. Bei Netzwiederkehr erfolgt die Netzrücksynchronisation ebenfalls unterbrechungsfrei.
Als günstig erwies sich, dass das Kraftwerk nun erstmals an ein Lichtwellenleiter-Netz angebunden wurde. Möglich wurde dies durch ein parallel umgesetztes LWL-Projekt der Gemeinde. Auch die Bachfassung, die bislang nur eingeschränkt automatisiert und über GSM ansprechbar war, verfügt nun über eine leistungsfähige Glasfaseranbindung.
Neue Möglichkeiten eröffnet darüber hinaus das moderne Regelungskonzept von MGX. Die grundsätzliche Maschinenauslegung blieb zwar unverändert, jedoch erlaubt ein Bestpunkt-Regler nun den optimierten gemeinsamen Betrieb beider Maschinen. Auf Basis der bekannten Wirkungsgradkennlinien wird der Zufluss so verteilt, dass beide Maschinensätze nun maximal effizient arbeiten. „Zudem haben wir nun die Möglichkeit geschaffen, den bestehenden Tagesspeicher mit seinen 12.000 Kubikmetern Inhalt deutlich besser bewirtschaften zu können als bisher. Zusätzlich schafft die neue Leittechnik die Voraussetzungen für Anwendungen wie Day-Ahead-Vermarktung oder negative Regelenergie. Da gibt es einige neue sinnvolle Ansätze und Ideen in Hinblick auf das Wechselspiel von Eigenverbrauch und Speicherung, die erst mit allen Beteiligten abgeklärt werden müssen, bevor wir das in die Tat umsetzen“, erklärt Projektleiter Sebastian Culetto, der dem beauftragten südsteirischen Automatisierungsspezialisten Bestnoten für die Umsetzung der neuen Steuerungstechnik ausstellt.

Moderne graue Steuerschränke vom Kraftwerk Möll mit Anzeigen und Schaltern in einem Elektroraum mit Fliesenboden.
Die Steuerungs- und Automationstechnik im Kraftwerk Möll wurde von den Branchenprofis von MGX Automation umfassend modernisiert.
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Projektabschluss zwei Wochen vor Terminziel

Nicht nur die technische Umsetzung des Maschinentauschs, auch die terminliche kann letztlich als mustergültig bezeichnet werden. Ausgangspunkt war die umfassende Zustandsanalyse der Bestandsanlage, auf deren Basis eine Variantenstudie erarbeitet wurde. Das war 2021. Sebastian Culetto: „Unser Ziel war, eine möglichst effiziente Projektumsetzung. Daher haben wir über eineinhalb Jahre in die Vorbereitung gesteckt, um das Projekt bis ins Detail durchzutakten.“ Der Aufwand sollte sich auszahlen. Nach Detailplanung und Ausschreibung 2024 starteten die Umbauarbeiten im Kraftwerk Ende Oktober 2025 und wurden mit der erfolgreichen Wieder-Inbetriebnahme im März 2026 abgeschlossen. Als entscheidenden Faktor für den Projekterfolg werten die Gemeindeverantwortlichen die Einbindung der Kelag. Man setzte bewusst auf deren Erfahrung im Bereich Ausschreibungen und Sanierungen von Wasserkraftwerken. Entsprechend wurde das gesamte Vergabeverfahren nach bewährten Kelag-Kriterien abgewickelt – ein Schritt, der für Struktur, Transparenz und reibungslose Abläufe sorgte.
Bürgermeister Martin Lackner zeigt sich hocherfreut, dass sämtliche Terminvorgaben gehalten werden konnten und es zu keinerlei Verzögerungen kam: „Im Gegenteil: Dank der hervorragenden Zusammenarbeit aller beteiligten Firmen und der stimmigen Projektabwicklung wurde das Vorhaben sogar rund zwei Wochen vor dem geplanten Termin abgeschlossen.“

Drei Männer vor einer orangen Turbine im Kraftwerk Möll; industrielle Rohrleitungen und Innenansicht der Maschinenhalle.
Amtsleiter Andreas Lackner, MA, Bürgermeister Martin Lackner und DI Sebastian Culetto (Projektleiter Kelag) zeigen sich zufrieden mit dem Refurbishment-Projekt, das in jeder Hinsicht mustergültig verlief. (v.l.n.r.)
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Eigenes Wasserkraftwerk stärkt Gemeinde und Versorgungssicherheit

Dankbar zeigt sich der Bürgermeister gegenüber dem Gemeinderat und dem Gemeindevorstand, die mit Überzeugung und Rückgrat hinter dem zwei Millionen Euro schweren Projekt standen: „Ich bin dankbar, dass wir uns auf eine konsequente Linie einigen konnten, bei der es nie darum ging, die billigste, sondern die beste und nachhaltigste Lösung für die Zukunft zu finden.“ Einen wesentlichen Anteil am Gelingen sieht er bei den beauftragten Unternehmen, allen voran EFG und Hitzinger, die mit großem Engagement und hoher Qualität überzeugt haben. Martin Lackner: „Die Anlage entspricht modernsten Standards und wurde vollständig von heimischen Firmen umgesetzt – ein Aspekt, der mich zusätzlich stolz macht.“
Die Bedeutung des Kraftwerks Möll für das Bergsteigerdorf am Fuße des Großglockners sei ohnehin nicht hoch genug einzuschätzen, so der Bürgermeister: „Abgesehen von der gesicherten Stromversorgung und der Blackout-Resilienz sparen wir uns durch selbst produzierten Strom und unser eigenes Netz viel Geld. Und das verschafft unserem Gemeindehaushalt spürbar Luft. Der finanzielle Spielraum eröffnet uns Möglichkeiten, die die meisten anderen Gemeinden nicht haben – wie etwa die Finanzierung unseres Hallenbades, was ohne die Erträge aus dem Kraftwerk nicht möglich wäre.“ Die Investition in das Wasserkraftwerk spiegelt dabei auch den konsequenten Weg der Gemeinde im Bereich Nachhaltigkeit wider. Ebenso wie die Tatsache, dass sich die Gemeinde Heiligenblut seit einigen Jahren dem europaweit anerkannten Zertifizierungsprozess für die „e5-Gemeinden“ unterzieht. Aktuell ist man gerade auf dem Weg, das vierte „e“ für die Umsetzungen verschiedener Energieeffizienzmaßnahmen zu vollziehen. Das erfolgreiche Modernisierungsprojekt im gemeindeeigenen Kraftwerk soll letztlich auch sichtbar gemacht werden: In den nächsten Wochen ist ein Tag der offenen Tür geplant, zu dem die Bevölkerung, die beteiligten Firmen und auch Vertreter aus der Landespolitik eingeladen werden.

Erschienen in zek HYDRO, Ausgabe 3/2026