Neue Kraftwerkskette im Schlandrauntal: Schlanders modernisiert sein Wasserwirtschaftsmodell
Nach einer langen Vorlaufzeit von über 13 Jahren gelang es der Südtiroler Gemeinde Schlanders zusammen mit dem beauftragten Planungsbüro Patscheider & Partner in den vergangenen zwei Jahren ein Jahrhundertprojekt zu verwirklichen: ein Tal umspannendes, ganzheitliches Wasserwirtschaftssystem, das Energieproduktion, Trinkwasserversorgung und landwirtschaftliche Beregnung vereint. Mit insgesamt sieben neuen Kleinkraftwerken erzeugt die Gemeinde Schlanders im Jahr nun rund 20 Millionen Kilowattstunden saubere, erneuerbare Energie. Das komplexe System, bestehend aus zig Kilometern Leitungen, mehreren Wasserfassungen, den neuen Kraftwerken und einem ausgeklügelten Steuerungssystem, schafft einen unschätzbaren Mehrwert für die lokale Landwirtschaft und überhaupt für die Gemeinde. Mit einem Investitionsvolumen von fast 19 Millionen Euro gilt das neue Infrastrukturprojekt nicht nur als technisches Meisterstück, sondern auch als Symbol für regionale Zusammenarbeit und nachhaltige Zukunftsgestaltung.

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Wassernutzung im Schlandrauntal: Lebensader für Landwirtschaft, Trinkwasser und Wasserkraft
Gemeinhin zählt der Vinschgau zu den trockensten Regionen der Alpen mit einem vergleichsweise geringen Jahresniederschlag von etwa 500 mm im Tal. Dennoch gilt die Region als das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Europas. Wasser ist naheliegender Weise also seit jeher die Lebensader, deren Nutzung in der Region auch immer wieder zu Diskussionen und Interessenskonflikten geführt hat. Für die Landwirte der beiden Fraktionen Schlanders und Kortsch bedeutet das Wasser aus dem Schlandrauntal Existenzsicherung – sei es für die Beregnung in heißen Sommern oder für den Frostschutz in kühlen Frühlingsnächten. Über die Jahrhunderte entstand daher ein gewachsenes Bewässerungssystem, in dem die Ressourcen des Schlandraunbaches zwischen den Interessensgruppen aufgeteilt wurden, primär für die Versorger Landwirtschaft, sekundär aber auch für die Energiegewinnung. Wenig überraschend präsentierte sich das Wassernutzungssystem im Hochtal Schlandraun als Sammelsurium von Ableitungen, Rohrsystemen, Kanälen und Waalen, das die Hänge mit Wasser versorgt. Seit den 1970ern existiert ein Wasserkraftwerk, das einen Höhenunterschied von über 1.000 m nutzt; außerdem bezieht die Gemeinde Schlanders auch das Gros des Trinkwassers aus dem Schlandrauntal.
Alle Bedürfnisse unter einen Hut bringen: Jahrzehntelanger Abstimmungsprozess in Schlanders
Als die Gemeinde Schlanders gemeinsam mit dem beauftragen Planungsbüro Patscheider & Partner GmbH aus Mals vor über 15 Jahren begann, über eine umfassende Lösung nachzudenken und erste Pläne zu entwickeln, war sie schnell mit jeder Menge Interessen, Auflagen, Forderungen und Begehrlichkeiten von Seiten der Behörden, vor allem aber auch von den in Beregnungskonsortien organisierten Bauern konfrontiert. Was folgte, war ein zäher Verhandlungsprozess über mehr als ein Jahrzehnt – geprägt von Misstrauen, Rückschlägen und der gewaltigen Herausforderung, die Bedürfnisse aller Beteiligten unter einen Hut zu bringen. „Dass am Ende ein umsetzungsreifes Gesamtkonzept stand, das diese unterschiedlichen Bedürfnisse in Einklang bringt, grenzt fast an ein kleines Wunder. Ehrlich gesagt, ich bin im Laufe dieser Jahre öfter als einmal an meine persönlichen Grenzen gestoßen“, resümiert schmunzelnd der hauptverantwortliche Planer von Patscheider & Partner, Dr. Walter Gostner, seines Zeichens Geschäftsführer und Bereichsleiter für den Bereich Wasserbau bei Patscheider & Partner. Die Vielzahl der historisch gewachsenen Nutzungen bedeutete eben auch jede Menge Spannungsfelder. „Zwar hat es früher durchaus immer wieder einmal Konflikte gegeben, speziell wenn im Frühling noch nicht ausreichend Wasser für die volle Entnahme gemäß Konzessionen gegeben war. Aber da hat sich doch vieles geändert. Heute gehen die Vertreter der unterschiedlichen Interessensgruppierungen immer mehr aufeinander zu“, so der Planer. Ein weiterer Punkt, der früher suboptimal gelöst war: Wenn im April und im Mai noch zu wenig Wasser vorhanden war, gab es auch kein Restwasser für den unteren Abschnitt, sodass die ökologischen Bedingungen mangelhaft waren. Darüber hinaus war die Nutzung des Triebwassers im bestehenden Kraftwerk keineswegs optimal. Und weil auch bei einigen Zubringerleitungen Sanierungsbedarf bestand, bot es sich an, das gesamte Wasserverteilungssystem auf neue Beine zu stellen und die Wassernutzung am Schlandraunbach zu optimieren.

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Hochkomplexes Wassernutzungssystem am Schlandraunbach
Was das Konzept ausmacht, das von Walter Gostner und seinem Team erarbeitet wurde: Es verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Die vorhandenen Wasserressourcen des Schlandraunbaches sollten zwar im Wesentlichen den bestehenden Aufteilungen folgen, zugleich aber auch in einer Kraftwerkskette systematisch erschlossen werden. Anstelle einer unübersichtlichen Nutzung in vielen Einzelanlagen entstand die Idee, das Wasser in Stufen zu fassen, es mehrfach zu nutzen und dabei die Bedürfnisse von Energieproduktion, Trinkwasserversorgung und Landwirtschaft in adäquater Weise zu berücksichtigen.

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Den Dreh- und Angelpunkt bildet dabei ein Verteilbauwerk auf rund 1.400 m Seehöhe, von den Planern auch „die Drehscheibe“ genannt. Aus gutem Grund, denn hier wird aufgeteilt. Je nach Bedarf wird das Wasser ins Beregnungssystem und/oder dem Kraftwerkssystem zugeführt. Von hier zweigt die Leitung für das neue KW II und das ebenfalls neue Beregnungskraftwerk Zahlwaal ab, das in das Bewässerungssystem von Kortsch einspeist. Davon unabhängig wird hier auch Wasser für das neue Trinkwasserkraftwerk „Dr. Waldele“ gefasst. In der Wasserverteilung zwischen Kraftwerksnutzung und Beregnung hat die Landwirtschaft stets höhere Priorität.

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Technisches Herzstück der Wasserkraftkaskade auf 1.400 Metern Seehöhe
Gleich mehrere Bauwerke bilden in diesem Talabschnitt auf relativ engem Raum das technische Herzstück des Konzepts: die erneuerte Fassung Zahlwaal und KW II mit angeschlossenem Verteilbauwerk, das neue Krafthaus KW I sowie das Krafthaus für das Trinkwasserkraftwerk Schupferquellen. Eine Kaskade oberhalb, auf knapp 1.800 m wurde im Zuge des Gesamtprojekts auch die Fassung für das neue, rund 400 m Höhenmeter tiefer gelegene KW I erneuert. Eine Kaskade darunter, auf rund 800 m Seehöhe wurde das Krafthaus für das Trinkwasserkraftwerk „Dr. Waldele“ neu errichtet, das Krafthaus für KW II – in dem das aufgelassene KW 0 (früher „KW Schlandraunbach“) untergebracht war – erweitert und adaptiert. Ergänzt wird das komplexe System durch mehrere Fassungen, die größtenteils schon bestehend waren. Während das Trinkwasser nach Passieren der Turbine im TWKW „Dr. Waldele“ dem Trinkwassernetz der Fraktion Kortsch zufließt, wird das turbinierte Trinkwassser aus dem TWKW Priel – das erweitert und ins Gesamtsystem eingebunden wurde – dem Trinkwassernetz der Fraktion Schlanders zugeführt. Jenes Wasser das in KW II hydroenergetisch genutzt wird, gelangt schließlich in die Beregnungsleitung Schlanders. Das letzte Glied in der Kraftwerkskette bildet das KW III in der Nähe der Sportzone, das über eine Parallelnutzung direkt an die Beregnungsleitung gekoppelt ist und überschüssiges Wasser für die Energiegewinnung einsetzt. Dieses Kraftwerk kann also vor allem in den Wintermonaten in Betrieb sein, oder wenn genügend Wasser vorhanden ist.
Im Schlandrauntal wurde eine Vielzahl von Leitungen verlegt. Das Gros der Druckrohrleitungen wurde aus Gussrohren von TRM erstellt. © Patscheider & Partner
Im Schlandrauntal wurde eine Vielzahl von Leitungen verlegt. Das Gros der Druckrohrleitungen wurde aus Gussrohren von TRM erstellt. © Patscheider & Partner
Im Schlandrauntal wurde eine Vielzahl von Leitungen verlegt. Das Gros der Druckrohrleitungen wurde aus Gussrohren von TRM erstellt. © Patscheider & Partner
Kilometerweise neue Rohrleitungen für Trinkwasser, Beregnung und Wasserkraft
Um dieses breit aufgefächerte Wassersystem optimal an das neue Konzept anzupassen, waren umfangreiche Bauarbeiten erforderlich, beginnend mit der Verlegung von mehr als 10 Kilometer an neuen Rohrleitungen unterschiedlicher Ausführungen und Dimensionen für Druck-, Trinkwasser- und Beregnungswasserleitungen, der Errichtung von sieben neuen Kraftwerken sowie weitere Arbeiten an den Quellfassungen, wie den Schupferquellen sowie den Schimpfesquellen. Die Bauaufsicht oblag dabei ebenso dem beauftragten Planungsbüro Patscheider & Partner.
Bei der Wahl des Rohrmaterials kam wenig überraschend eine breite Palette an Rohrvarianten zum Einsatz. Während man im untersten Abschnitt der Druckrohrleitung für KW II auf Stahl setzte, wurde der Großteil der anderen Druckrohrleitungen in Guss ausgeführt. Dabei vertrauten die Verantwortlichen auf die Qualität der Rohre aus dem Hause TRM (Tiroler Rohre GmbH). So wurden etwa 2,5 km Gussrohre DN400 für das neue Beregnungskraftwerk, 2,8 km Gussrohre DN600 für die neuen Wasserkraftwerke und 4,0 km Gussrohre DN200 für die neuen Trinkwasserkraftwerke unterirdisch verlegt. Das Besondere an der Ausführung: „Alle Gussrohre wurden innen mit einer Sonderbeschichtung aus Tonerdezement ausgeführt. Damit soll einer möglichen Korrosionsneigung vorgebeugt werden, die durch das weiche Wasser aus dem Schlandrauntal gegeben ist“, erklärt Walter Gostner. Die Gussrohre von TRM bringen darüber hinaus Vorteile in punkto Wirtschaftlichkeit mit sich. Nicht zuletzt deshalb, da sie eine sehr einfache Verlegung im schwierigen, alpinen Gelände ermöglichen.
Bauarbeiten über das gesamte Schlandrauntal hinweg
Nachdem das Planungsteam von Patscheider & Partner über 13 Jahre hinweg damit beschäftigt war, Kompromisse mit den landwirtschaftlichen Konsortien zu finden, behördliche Genehmigungen einzuholen sowie strenge ökologische Auflagen zu erfüllen – und nachdem die letzte erforderliche Konzession erteilt worden war, wurde für die Errichtung der Kraftwerkskette die „Schlandraun Konsortial GmbH“ gegründet. Sie gehört zu 95 Prozent der Gemeinde Schlanders und zu 5 Prozent dem VEK (Vinschgauer Energie Konsortium). Im Spätherbst 2023 stand dem Baubeginn somit nichts mehr im Weg. Sehr schnell verwandelte sich zu dieser Zeit das beschauliche Schlandrauntal in eine Großbaustelle – zumindest zum überwiegenden Teil. Über eine Gesamtstrecke von circa 13 Kilometern, angefangen am Taleingang bei Plazoal bis hinauf zu den „Schupferquellen“, wurde das Landschaftsbild geprägt durch eine Vielzahl von Firmenfahrzeugen, Baggern, Baumaschinen, Lagerstellen für die jeweiligen Rohrschüsse, Stromkabeln und die zahlreichen behelmten Arbeiter der beauftragten Baufirmen, die das komplexe Projekt umsetzten. Die Baulose wurden an verschiedene lokale und überregionale Firmen für den Hoch- und Tiefbau vergeben – darunter Andi Bau, Vinschger Bau und Marx / Mair für die Baumeister- und Erdarbeiten, was sich in der Folge als Glücksgriff erweisen sollte, wie Planer Walter Gostner bestätigt: „Es hat sich gezeigt, dass es sehr sinnvoll war, Firmen aus der Umgebung für die bauliche Umsetzung beauftragen zu können. Sie kennen die Region, die Topographie und konnten sich dementsprechend auch mit dem Projekt identifizieren. Ich glaube, nur dadurch war es möglich, den engen Terminplan einzuhalten.“

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Extreme topografische und logistische Herausforderungen für die Baufirmen
Schließlich sollten sich die Bauarbeiten und deren logistische Abstimmung ähnlich komplex erweisen wie das Projekt selbst. Die größten Herausforderungen für die Baufirmen lagen dabei in der extremen Topografie des Schlandrauntales, den parallel verlaufenden Leitungssystemen für Trinkwasser, Beregnung und Energie sowie dem engen Terminplan. Hinzu kamen logistische Probleme, bedingt durch Straßenschäden und die generell sehr engen Bergstraßen, geologisch instabile Hänge und witterungsbedingte Erschwernisse. „Gerade in den extrem steilen Bereichen, wie etwa beim Bau der Stahlrohrleitung für KW II, waren die Arbeiten nur mithilfe von Schreitbaggern möglich. Eine weitere Herausforderung war die Errichtung des Maschinenhauses von KW II. Die Hänge hier waren so instabil, dass wir sie mit Mikropfählen sichern mussten“, erklärt Gostner und lobt die Baufirmen, dass sie auch in den kalten Wintermonaten effektiv durchgearbeitet hatten. Schließlich lautete ein zentrales Ziel der Arbeiten: Im März 2024 musste die Beregnungsleitung wieder in Betrieb gehen – ein Versprechen an die Beregnungskonsortien, das trotz aller Hindernisse eingehalten wurde. Rechtzeitig zu Beginn der Beregnungssaison konnten die Landwirte zum vereinbarten Zeitpunkt über ihr Wasser verfügen. Das gesamte Bauprojekt konnte im Wesentlichen nach eineinhalb Jahren Bauzeit abgeschlossen werden.
Besonders erleichtert zeigt sich der verantwortliche Planer auch darüber, dass der Baustellenbetrieb nur einen einzigen Unfall zu verzeichnen hatte. „Das war ein wichtiges Thema. Die Straßen sind steil und eng, und teilweise fällt das Gelände daneben fast senkrecht über mehrere hundert Meter ab. Da waren alle Beteiligten voll gefordert, ständig die Konzentration hoch zu halten“, so Walter Gostner.

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Moderne Wasserfassungen mit Coanda-Technik im alpinen Raum
Was im Gesamtkonzept bei den Anpassungen beziehungsweise Erneuerungen der Wasserfassungen auffällt: Im Schlandrauntal kommen ausschließlich Coanda-Systeme zum Einsatz. Dies aus gutem Grund: Hat sich die Technik, die den sogenannten Coanda-Effekt nutzt, gerade in den letzten Jahren in der Wasserkraft immer stärker etabliert. Über den Rechenrost, der von massiven Metallstäben vor mechanischer Beschädigung geschützt wird, wird das Wasser am Feinsieb entnommen und weiter in die Druckrohrleitung geführt, während gröbere Feststoffe wie Geschiebe, Laub oder Schwemmholz über die Oberfläche abgeleitet werden. Im Vergleich zu herkömmlichen Fassungen mit einfachem Tirolerwehr bedeutet dies mehrere Vorteile: Die Anpassung an wechselnde Wasserführungen erfolgt zuverlässiger, die Gefahr des Verlegens wird reduziert, und der Wartungsaufwand sinkt deutlich. Gleichzeitig sorgt die hohe Abscheideleistung der Coanda-Systeme dafür, dass sedimentfreies Wasser in die Druckleitung gelangt, was wiederum die Lebensdauer der Turbinen erhöht. Beim Kaskaden-Projekt Schlandraun wurden daher sämtliche Fassungen mit Coanda-Technik ausgestattet, realisiert durch die erfahrenen Hersteller Gufler Metallbau und Hydro Screen.

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Sieben neue Kraftwerke im integrierten Wasserkraftsystem Schlandraun
In Summe wurden im Schlandrauntal sieben Kraftwerke gebaut. Mit KW I, KW II und KW III wurden drei größere Kleinwasserkraftwerke realisiert, wobei im KW III eine Anlage mit zwei Maschinensätzen errichtet wurde. Hinzu kommen das Beregnungswasserkraftwerk Zahlwaal sowie die drei Trinkwasserkraftwerke Dr. Waldele, Schupferquelle und das eingebundene TWKW Priel. Was die drei Trinkwasserkraftwerke von den anderen vier Kleinkraftwerken grundsätzlich unterscheidet, ist ihre Ausführung und ihre doppelte Funktion im Hinblick auf Druckreduzierung im Trinkwassernetz und Energieproduktion. „Die Turbinen für Trinkwasserkraftwerke müssen so ausgelegt sein, dass sie hygienisch unbedenklich, korrosionsfest und ölfrei betrieben werden können“, erklärt der erfahrene Planungsingenieur. „Und zudem müssen die Trinkwasserkraftanlagen mit Bypass-Systemen ausgerüstet sein, damit im Falle eines Maschinenstillstands jederzeit die Trinkwasserversorgung gewährleistet ist.“

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Mit der elektromechanischen Ausrüstung der drei Trinkwasserkraftwerke wurde der Sextner Turbinenspezialist Tschurtschenthaler beauftragt, der auf eine jahrzehntelange Erfahrung im Kleinwasserkraftsektor zurückgreifen kann. Das Unternehmen aus Sexten steht für maßgefertigte Qualitätsarbeit und kurze Lieferzeiten durch komplette In-House Konstruktion und Fertigung mit modernstem Maschinenpark und langjährigen MitarbeiterInnen. Turbinen aus dem Hause Tschurtschenthaler zeichnen sich durch Langlebigkeit, geringen Wartungsaufwand aufgrund der hohen Materialqualität, robuste Bauweise und Top-Effizienz aus. Ihr jahrzehntelanges Know-how konnten die Profis von Tschurtschenthaler auch bei diesem Südtiroler Referenzprojekt unter Beweis stellen.
Für die Steuerung von 5 der 7 neuen Anlagen zeichnete mit Electro Clara ein höchst erfahrenes Branchenunternehmen verantwortlich, das sowohl beim leistungsstarken Kraftwerk Zahlwaal als auch beim KW III mit den beiden Francis-Turbinen seine große Kompetenz in Sachen Steuerungs- und Automationstechnik demonstrieren konnte.

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Starke Turbinen-Performance in den Maschinenhäusern
Auch die großen Turbinen für die Kraftwerke KW I, KW II und KW III konnten an einen Südtiroler Turbinenbauer vergeben werden. Die zwei Peltonturbinen für KW I und KW II sowie die beiden Francis-Turbinen für das KW III wurden von der Firma Sora konstruiert, gefertigt, geliefert und in Betrieb gesetzt. Hohe Materialqualität und modernstes Design sorgen zugleich für hohe Betriebssicherheit und Top-Effizienz. Für die beiden Kraftwerke KW I und KW II lieferte der Turbinenbauer aus Kiens jeweils eine 4-düsige Peltonturbine, die beide aus Gründen der Laufruhe einbetoniert wurden. Während die Turbine für KW I auf eine Leistung von 2,1 MW ausgelegt ist, kommt die Turbine für KW II auf eine Nennleistung von knapp 3,5 MW – sie ist damit die leistungsstärkste im gesamten Kraftwerksportfolio des Schlandrauntals. Die beiden Francis-Spiralturbinen in KW III sind auf 480 kW ausgelegt. Dank einer hochmodernen neuen hydraulischen Form konnte der Wirkungsgrad dieses Maschinentyps von Sora in den letzten Jahren weiter hochgeschraubt werden. Die einzelnen Komponenten der Sora-Turbinen werden hochpräzise mit modernsten CNC-Maschinen in der eigenen Werkstätte in Kiens hergestellt.

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Landwirtschaft behält Oberhoheit bei der Wasserzuteilung
Eine der größten Herausforderungen des gesamten Projekts betraf die übergeordnete Leittechnik für das gesamte System, die von der Firma EN-CO aus Ratschings meisterhaft realisiert werden konnte. In den Verteilungsbauwerken erfassen Sensoren und Durchflussmessungen präzise, wie viel Wasser wo einströmt und weitergeleitet wird. Auf dieser Basis sorgt die neue Software nicht nur für eine optimale Energienutzung, sondern auch für ein transparentes und faires Wassermanagement. Eine absolute Besonderheit ist, dass die Landwirtschaft von Kortsch und Schlanders direkten Zugriff auf definierte Steuerungsparameter hat. So können die Bewässerungskonsortien selbst festlegen, in welchem Verhältnis das verfügbare Wasser verteilt wird – etwa nach Prozentsätzen oder konkreten Literwerten pro Sekunde. Die Priorität liegt stets bei der Bewässerung, während die Energieproduktion flexibel nachgelagert ist. Walter Gostner: „Entscheidend war, dass die Oberhoheit über die Wasserzuteilung bei den Landwirten verbleibt: Damit ist sichergestellt, dass sowohl die Versorgung als auch die Stromproduktion im Rahmen der Konzessionen reibungslos zusammenwirken. Durch die von en-co entwickelte Visualisierung ist der Betrieb jederzeit nachvollziehbar, Spekulationen über die Wasserverteilung haben damit ein Ende.“ Dass heute alle sieben Anlagen über ein digitales Visualisierungssystem miteinander kommunizieren, war eine elektro- und programmiertechnische Meisterleistung. Das Ergebnis ist ein System, das auf Knopfdruck zwischen Energieproduktion und Landwirtschaft balanciert – und damit beispielhaft zeigt, wie Wasserwirtschaft im alpinen Raum der Zukunft funktionieren kann.
Ein wichtiger Teil des Projekts waren auch die Mittelspannungsleitungen – insgesamt rund 5 km – mit sieben Verteilerkabinen. Diese Infrastruktur wurde ebenfalls von EN-CO umgesetzt, inklusive vollständiger Überwachung und Schutztechnik sowie Einbindung in die Leitstelle der Stromversorgung.
Jahrhundertprojekt steigert Wasserkraft- und Ökostromproduktion in Schlanders
Das neue Wasserwirtschaftssystem im Schlandrauntal ist ein Jahrhundertprojekt für die Region, das Energieproduktion, Trinkwasserversorgung und Beregnung synergetisch vereint. „Das Projekt zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn technisches Know-how und politischer Gestaltungswille im Sinne von Landwirtschaft und Bevölkerung konsequent umgesetzt werden“, freut sich Schlanders Bürgermeisterin Christine Kaaserer. Die Realisierung ist nicht zuletzt auch der Weitsicht und Beharrlichkeit von Alt-Bürgermeister Dieter Pinggera und Gottfried Niedermair vom Bonifizierungskonsortium zu verdanken, die mit ihrer Arbeit den Grundstein legten – davon ist Planer Walter Gostner überzeugt. Aber auch ihm gebühre großer Dank, wie Bürgermeisterin Kaaserer betont: Schließlich habe er mit Fachkompetenz und Überzeugungskraft selbst einen zentralen Beitrag für das Gelingen des Vorhabens geleistet.

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Rund 19 Mio. Euro flossen in das Jahrhundertprojekt – eine enorme Investition für eine kleine Gemeinde mit rund 6.400 Einwohnern. Mit den neuen Kraftwerken ist es allerdings gelungen, die bisherige Stromproduktion zu verdreifachen. Die sieben neuen Kraftwerke liefern im Durchschnittsjahr rund 19 Mio. Kilowattstunden sauberen Strom – genug, um rein rechnerisch sämtliche Haushalte und Klein- und Mittelbetriebe der Gemeinde weitgehend unabhängig mit Strom zu versorgen. Es ist ein wegweisendes Modell für integrierte Wasser- und Energienutzung, das weit über die Gemeinde hinausstrahlt.

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Erschienen in zek HYDRO, Ausgabe 5/2025


