Tiroler Branchenprofi liefert hochlegierte Stahlrohre für das KW Tauernbach-Gruben
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Kurz vor dem anstehenden Jahreswechsel biegt die Baustelle des neuen Osttiroler Kraftwerks Tauernbach-Gruben in die Zielgerade ein. Bereits im Sommer 2026 soll das neue Ausleitungskraftwerk mit 85 GWh Regelarbeitsvermögen vom Tiroler Landesenergieversorger TIWAG sauberen Strom erzeugen. Die Realisierung der Anlage, welche die Herstellung einer rund 8,5 km langen Triebwasserstrecke beinhaltet, ist mit erheblichem Bauaufwand verbunden. So musste für den ersten Abschnitt des Triebwasserwegs ein rund 2,4 km langer Druckstollen hergestellt werden. Nach dem Stollenende geht der Kraftabstieg in eine geschweißte Stahlleitung mit der Dimension DN1800 über, die auf ihrem ca. 6,1 km langen Trassenverlauf die Transalpine Ölleitung (TAL) und den Tauernbach unterquert. Für die Lieferung der hochlegierten Stahlrohre sorgte die im Tiroler Stams ansässige ALPE PIPE SYSTEMS GmbH & Co. KG, die ihrem Ruf als zuverlässiger Vertriebsspezialist einmal mehr gerecht werden konnte.

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Wasserkraftwerk Tauernbach-Gruben: Neubau stärkt erneuerbare Energie in Osttirol
Anfang Oktober 2023 startete nach einem ausführlichen Behördenverfahren die Bauphase des neuen Wasserkraftwerks Tauernbach-Gruben in Osttirol. Beim symbolischen Spatenstich im Ortsteil Gruben der Marktgemeinde Matrei betonte Landeshauptmannstellvertreter und Energielandesrat Josef Geisler die Sinnhaftigkeit der Stromproduktion aus Wasserkraft für das westösterreichische Bundesland. „Für die Tiroler Energieautonomie ist der Ausbau der heimischen, erneuerbaren Ressourcen zwingend notwendig. Dieses Projekt wird die Versorgungssicherheit für den Bezirk nachhaltig erhöhen.“ TIWAG-Vorstandsdirektor Alexander Speckle ergänzte: „Dieses Bauvorhaben hat einen doppelten Nutzen. Die geplanten Investitionskosten sind ein wichtiger Konjunkturbeitrag für die Bauwirtschaft im Bezirk. Der später erzeugte Strom wird zudem 1:1 in der Region benötigt und verbraucht.“

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Neues Wasserkraftwerk Tauernbach-Gruben als zentrales Ökostromprojekt
Insgesamt betreibt der Tiroler Landesenergieversorger TIWAG in Osttirol acht Wasserkraftanlagen. Erst zwischen 2021 und 2023 wurde das TIWAG-Kraftwerk Schwarzach um einen zweiten Maschinensatz erweitert, womit die durchschnittliche Jahresstromproduktion der Anlage von 61 GWh auf 83 GWh massiv gesteigert werden konnte. Die Erzeugungskapazität des neuen Kraftwerks Tauernbach-Gruben ist noch etwas höher angesiedelt, dieses soll zukünftig im Jahresdurchschnitt rund 85 GWh CO2-freien und erneuerbaren Strom produzieren. Der Neubau, in dessen Errichtung die TIWAG rund 175 Millionen Euro investiert, ist als klassisches Ausleitungskraftwerk konzipiert. An der Wasserfassung, die sich in der Nähe des Südportals des Felbertauerntunnels befindet, wird der namensgebende Tauernbach mit einer Wehrklappe aufgestaut. Das ausgeleitete Wasser fließt nach der Ausleitung durch einen mit drei Kammern ausgeführten Entsander, in dem die Sedimente aus dem Triebwasser abgeschieden werden. Danach folgt der Beginn des insgesamt rund 8,5 km langen Kraftabstiegs. Die Triebwasserstrecke überwindet entlang ihres Verlaufs einen Höhenunterschied von ca. 380 m und unterquert sowohl den Tauernbach als auch die Transalpine Ölleitung (TAL). Im Krafthaus in Gruben kommen zwei gleich groß dimensionierte Pelton-Turbinen zum Einsatz. Diese werden nach der Inbetriebsetzung bei einer Ausbauwassermenge von 9 m³/s eine gemeinsame Engpassleistung von rund 27 MW erreichen.

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Tiroler Rohrkompetenz für den Kraftwerksbau Tauernbach-Gruben
Damit das Ökostromkraftwerk fristgerecht in Betrieb gehen kann, wurde vom Baustart weg mit Hochdruck an der Erstellung der Anlageninfrastruktur gearbeitet. Beim ca. 2,4 km langen Druckstollen, der den ersten Abschnitt der Triebwasserstrecke bildet, wurde im August 2024 bereits sieben Monate nach Beginn des Vortriebs der Durchschlag geschafft. „Die Vortriebsarbeiten konnten aufgrund der guten Geologie und noch besserer Mineure mit Tagesspitzenleistungen von bis zu 24,2 m vier Monate vor Plan abgeschlossen werden“, betonte TIWAG-Projektleiter Klaus Mitteregger im Vorjahr. Auch an der Wasserfassung und dem Maschinengebäude schritten die Arbeiten zügig voran. Am zweiten Abschnitt des Triebwasserwegs, der rund 6,1 km langen erdverlegten Druckrohrleitung mit 1.800 mm Durchmesser, wurde an mehreren Angriffspunkten gleichzeitig gearbeitet. Dieser Teil des Kraftabstiegs besteht zur Gänze aus geschweißten Stahlrohren, die vom Tiroler Rohrexperten ALPE PIPE SYSTEMS GmbH & Co. KG geliefert wurden. Die besonders anspruchsvolle Unterquerung des Taunernbachs mit der großformatigen Stahlleitung wurde bereits im Frühjahr 2025 geschafft. Ein anderer komplexer Abschnitt der Druckrohrleitungstrasse liegt im Bereich der Felbertauernstraße, dort wurde die Rohrverlegung noch im heurigen November abgeschlossen.
Hochlegierte Stahlrohre für alpine Druckrohrleitungen
ALPE-Geschäftsführer Luis Kluibenschädl zeigt sich sehr erfreut, dass sein Unternehmen bereits zum dritten Mal bei einem TIWAG-Wasserkraftprojekt zum Zug gekommen ist. Auch beim Tiroler Brennerwerk in Matrei am Brenner sowie beim Kraftwerk Schwarzach in Osttirol wurden von ALPE gelieferte Stahlrohre in den Dimensionen DN1500 (ca. 800 m) und DN1600 (ca. 900 m) verlegt. Angesichts der beträchtlichen Länge des Triebwasserwegs beim Projekt Tauernbach-Gruben ist der ALPE-Lieferumfang um einige Nummern größer ausgefallen, so Luis Kluibenschädl: „Für die erdverlegte Druckrohrleitung mit einer Gesamtlänge von rund 6,1 km wurden hochlegierte Stahlsorten in der Dimension DN1800 verwendet. Je nach Druckanforderungen entlang der Rohrstrecke wurden die Wandstärken optimiert. Im Niederdruckbereich der Leitung wurde die Stahlqualität P355NH und S460N mit der Wandstärke 14,2 mm verwendet. Im Mitteldruckbereich kommt die Stahlsorte S460N mit den Wandstärken 16 mm und 17,5 mm zum Einsatz. Vor dem Krafthaus im Hochdruckbereich wurden aus der Stahlsorte S460N bestehende Rohre mit 20 mm Wandstärke verlegt.“ Der Geschäftsführer weist darauf hin, dass aufgrund der höheren Stahlqualitäten geringere Wandstärken ausreichend waren, und somit Material- und Schweißkosten eingespart werden konnten. Zudem wurden die Rohre mit einer Länge von jeweils 13,5 m hergestellt, wodurch Transportkosten verringert und die Anzahl der benötigten Schweißnähte minimiert wurden.

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Qualitätssicherung bei Stahlrohren und Schweißnähten
Der ALPE-Leistungsumfang für das Kraftwerk Tauernbach-Gruben beinhaltete ausführliche Beratungen zur Materialauswahl und Beschichtungsmöglichkeiten, die auf die individuellen Projektanforderungen abgestimmt wurden. Für die Produktion der Stahlrohre im Herstellerwerk erstellte ALPE ein Inspektionsprotokoll in Abstimmung mit dem Hersteller. Zudem sorgten die Tiroler für die Aufbereitung und Lieferung der Prüfzeugnisse (Werkszeugnis und externe Überwachung), die eine Einzelrohrverfolgung in der Produktion ermöglichen. Komplettiert wurde der ALPE-Leistungsumfang durch die Logistik und Lieferung der Stahlrohre zum Kraftwerk sowie die Baustellen- und Verlegeeinschulungen. Im Rahmen der Qualitätssicherung werden die Spiralnähte der Rohre schon bei der Herstellung einer Ultraschallprüfung unterzogen, zudem kommt das Verfahren der Magnetpulverprüfung zur Anwendung. Auf der Baustelle wird vor dem Aufbringen des Korrosionsschutzes jede einzelne Verbindungsschweißnaht der Rohre einer weiteren Ultraschallprüfung unterzogen, um die Stabilität und Sicherheit der Triebwasserstrecke im Betrieb zu gewährleisten. Für zuverlässigen Schutz vor Umwelteinflüssen dient die bereits werkseitig erstellte PE-Umhüllung der Rohre. Im Inneren der Rohrleitung wird nach der Verlegung noch eine Zementmörtelbeschichtung aufgetragen, die für den Korrosionsschutz sorgt.

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Inbetriebnahme des Wasserkraftwerks für Sommer 2026 geplant
Für Luis Kluibenschädl nimmt das Projekt Tauernbach-Gruben eine Vorreiterrolle im Bereich alpiner Druckrohrleitungen ein: „Trotz extrem anspruchsvoller Verlegebedingungen und Witterungseinflüsse wurde das Projekt mit vollem Engagement vorangetrieben. Die Rohrlieferungen von ALPE und die Verlegearbeiten der ausführenden Unternehmen ergänzten sich nahtlos.“ Kurz vor dem anstehenden Jahreswechsel hat das Projekt seine Endphase erreicht. Ende Oktober 2025 ist der über 65 Tonnen schwere Transformator im Krafthaus eingetroffen, wo noch die letzten Betonarbeiten stattgefunden haben. Auch bei der Wasserfassung geht die Bauphase ihrem Ende zu, über die kommenden Wintermonate hinweg wird die Installation des elektromechanischen Equipments sowie die Montage der Wehrklappe erfolgen. Der Probebetrieb des neuen TIWAG-Kraftwerks, das den Jahresbedarf von rund 20.000 Haushalten zu 100 Prozent nachhaltig abdecken wird, ist für den Sommer 2026 geplant. Im Zuge des Gesamtprojekts wurden bereits zahlreiche ökologische Ausgleichsmaßnahmen abgeschossen, diese beinhalteten eine Vielzahl gewässerökologischer Maßnahmen und die Schaffung neuer Lebensräume für Insekten und Kleinstlebewesen.
Erschienen in zek HYDRO, Ausgabe 6/2025