Wasserkraftwerk Kleinmünchen: Oberwasserkanal an der Traun umfassend saniert

26. März 2026, Lesedauer: 10 min

Bild: © LINZ AG

Beim Kraftwerk Kleinmünchen in der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz wurde vor dem vergangenen Jahreswechsel ein aufwändiges Sanierungsprojekt abgeschlossen. Zwischen Juli und Dezember 2025 wurde der über drei Kilometer lange Oberwasserkanal des leistungsstärksten Wasserkraftwerks der LINZ AG einer großangelegten Sanierung unterzogen. Da an der Ausleitungsstrecke nach jahrzehntelangem Dauerbetrieb zahlreiche Undichtigkeiten entstanden waren, musste der Kanal umfassend revitalisiert werden. Der aus den 1970er Jahren stammende Dichtasphalt, der sein bautechnisches Lebensende erreicht hatte, wurde in Teilbereichen saniert und die Kanalstrecke durch das Aufbringen einer Kunststoffdichtbahn zuverlässig abgedichtet. Dank der grundlegenden Erneuerung, die innerhalb des geplanten Zeitraums abgeschlossen werden konnte, ist der Triebwassertransfer zum Maschinengebäude wieder für die kommenden Jahrzehnte sichergestellt.

Kraftwerk Kleinmünchen
Mit dem Kraftwerk Kleinmünchen kann die LINZ AG den Jahresstrombedarf von ca. 20.000 durchschnittlichen Haushalten abdecken.
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Wasserkraftwerk Kleinmünchen an der Traun: Schlüsselanlage der LINZ AG

Für die LINZ AG, die auch Biomasse- und Gaskraftwerke sowie ein Reststoffheizkraftwerk zur Strom- und Wärmeproduktion betreibt, bildet die Stromgewinnung aus Wasserkraft nach wie vor eine wichtige Säule ihrer Energiestrategie. Das leistungsstärkste Wasserkraftwerk im Anlagenpark der LINZ AG­ ist das Kraftwerk Kleinmünchen, das 1978 im gleichnamigen Stadtteil fertiggestellt wurde. Betrieben wird das Kraftwerk von der LINZ AG-Tochtergesellschaft LINZ STROM GAS WÄRME GmbH. Das für 120 m³/s Ausbauwassermenge ausgelegte Kraftwerk funktioniert nach dem klassischen Ausleitungsprinzip, wobei das aus der Traun entnommene Triebwasser durch einen rund drei Kilometer langen Oberwasserkanal zur Turbinierung ins Krafthaus geführt wird. Dort erzeugen zwei horizontalachsige Kaplan-Rohrturbinen mit jeweils ca. 6 MW Engpassleistung im Regeljahr ca. 70 GWh Ökostrom, umgerechnet entspricht dies dem Jahresstrombedarf von rund 20.000 durchschnittlichen Haushalten. Zwischen 1983 und 1984 wurde an der Wehranlage des Kraftwerks, dem Traunwehr, ein Restwasserkraftwerk mit rund 1,3 MW Engpassleistung errichtet. Dieser Anlage stehen im Winter 7,5 m³/s bzw. im Sommer 15 m³/s Ausbauwassermenge zur Verfügung, die nutzbare Fallhöhe schwankt zwischen ca. 3,1 und 5,2 m.

Kraftwerk Kleinmünchen KDB Verlegung 122 x 80 mm-compressed
Die neue Kanalabdichtung wurde mit dem SIBELON® Geomembrane-System von Carpi Tech hergestellt, das weltweit bei einer Vielzahl von Anwendungsszenarien zum Einsatz kommt.
LINZ AG

Sanierung des Oberwasserkanals und neue Abdichtung

Zwischen dem Spätsommer 2013 und dem Frühjahr 2014 stand beim Kraftwerk Kleinmünchen ein großangelegtes Revitalisierungsprojekt auf dem Programm. Dabei erfolgten sowohl Sanierungsarbeiten am Ausleitungskanal als auch Revisionen und Ertüchtigungen an der elektromechanischen Ausstattung sowie an der gesamten Maschinen- und Stahlbautechnik. Im Zuge der Kanalinstandhaltung wurden rund 500 kleinere Beschädigungen und rund 2.000 m² der Kanalsohle saniert. Dem LINZ AG-Projektleiter Jürgen Pichler zufolge wurde bereits bei dem früheren Sanierungsprojekt festgestellt, dass am Oberwasserkanal des Kraftwerks in absehbarer Zeit noch umfangreichere Instandhaltungsmaßnahmen notwendig sein werden: „Die Lebensdauer von Dichtasphalt bei Ausleitungskanälen ist aufgrund von Erfahrungen bei ähnlichen Anlagen gut abschätzbar. Durch die Prüfung des Zustandes bei der letztmaligen Großsanierung und weiteren Inspektionen an der Wasseranschlaglinie konnte die Restlebensdauer gut abgeschätzt werden. Somit war der Sanierungszeitpunkt früh bekannt und die konkrete Umsetzung wurde für das Jahr 2025 eingetaktet.“ Der Projektleiter ergänzt, dass der zwischen 1977 und 1978 aufgetragene Dicht­asphalt einem natürlichen Alterungsprozess unterliegt. Wie schnell eine Asphaltschicht konkret altert, hängt von mehreren Faktoren ab, wobei schon die spezifischen Gegebenheiten beim Auftragen des Asphalts eine zentrale Rolle spielen. Zusätzlich sorgen auch die Witterungseinflüsse und die UV-Strahlung für eine zunehmende Versprödung der Dichtschicht, was in weiterer Folge zur Entstehung von undichten Stellen führt.

Kraftwerk Kleinmünchen
Auch am Maschinengebäude, den Kanalböschungswänden und der Wehranlage erfolgten verschiedene Sanierungsmaßnahmen.
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Kunststoffdichtbahn als effiziente Lösung für den Ausleitungskanal

Die ersten Vorarbeiten des Projekts begannen 2021, im Jahr darauf folgte das Startgespräch mit der Behörde, um den Umfang und den Inhalt der Genehmigungsplanung erstmals zu erörtern. Dabei wurde auch die Vorstudie des Projekts vorgestellt und kritische Themen weiter betrachtet. Die finale Genehmigung konnte dank einer engen Zusammenarbeit und den regelmäßigen Abstimmungen mit den Sachverständigen und der Behörde ohne Nachreichungen erwirkt werden. Im Rahmen der Vorstudie beschäftigten sich die Anlagenbetreiber eingehend mit zwei möglichen Sanierungsvarianten, wobei die Erneuerung der Asphaltdichtung oder der Einbau einer Kunststoffdichtbahn zur Debatte standen. Beide Varianten wurden mit den Fachplanern der LINZ AG­ und externen Experten auf zentrale Faktoren wie Bauzeit- und Wirtschaftlichkeitsvergleich, Erlösentgang, Risikoanalyse, CO2-Bilanz und künftige Revisions- und Abkehrzeiten eingehend geprüft. Letztendlich sprach eine ganze Reihe von Gründen für den Einbau einer Kunststoffdichtbahn. Mit dieser Variante konnte die Kanalsanierung mit viel weniger Transporten und einem geringeren Einsatz von Baumaschinen durchgeführt werden, wovon die Anrainer der Baustelle und Erholungssuchende profitieren sollten. Zudem ermöglichte der Einsatz der Kunststoffdichtbahn eine Optimierung der Baukosten und eine Verkürzung der Bauzeit. Damit konnte das generelle Baurisiko durch Wettereinflüsse minimiert werden, gleichzeitig wurde ein Bauzeitpuffer zur Kompensation bei etwaigen Komplikationen geschaffen. Mit dem Einbau der Kunststoffdichtbahn anstelle der Asphaltabdichtung waren zudem keine Umbauten am Dammkörper der Ausleitungsstrecke erforderlich.

Kraftwerk Kleinmünchen Felbermayr Betonglätter-compressed
Die etwa 5 Hektar große Oberfläche des sanierten Oberwasserkanals wurde mit sogenannten Aufsitz-Flügelglättern geglättet.
© Felbermayr

Spezialisierte Unternehmen übernehmen Planung und Bau

Sowohl bei der Planung als auch bei der Umsetzung des Sanierungsprojekts setzte die LINZ AG auf die Kompetenz bewährter Unternehmen aus dem Wasserkraft- und Bausektor. Für die Erstellung des technischen Einreichprojekts sorgte das renommierte Ingenieurbüro BHM INGENIEURE – Engineering & Consulting GmbH. Mit der Umsetzung der umfangreichen Baumeisterarbeiten wurden die Kraftwerksbauspezialisten der Felbermayr Bau GmbH & Co KG beauftragt. Damit die Arbeiten durchgeführt werden konnten, musste der Oberwasserkanal vollständig trockengelegt werden. Dazu wurden von Felbermayr mehrere temporäre Dammbauwerke – darunter Schütt-, Schutz- und Hochwasserdämme – sowie Pumpen und Pumpleitungen zur Ableitung von Reinigungs- und Niederschlagswasser erstellt. Im Anschluss an die Trockenlegung ging es an die Reinigung des Kanals, wobei Bagger mit Langarm und Anbaubürste sowie Hochdruck-Spezialgeräte zum Einsatz kamen, um Sedimente, Algen und Ablagerungen zu entfernen. „Erst wenn die Sohle sauber und frei von Rückständen ist, greifen unsere Folgegewerke. Die Vorbereitung entscheidet maßgeblich über die Qualität der neuen Sohlbetonplatte“, betonte der Felbermayr-Bauleiter Hubert Feuerhuber. Nach der Reinigung des Kanals wurden grobe Fehlstellen am Asphalt saniert, die Dichtungsbahn eingebaut und dann ein Schutzvlies auf einer Fläche von rund fünf Hektar verlegt. Das Vlies dient als Schutz- und Trennlage und gewährleistet zudem die gleichmäßige Betonauflage. Im Anschluss an die Reinigungsarbeiten und dem Auftragen des Schutzvlieses konnten die Betonierarbeiten für die neue Sohlbetonplatte entlang der Kanalstrecke, deren Sohlenbreite zwischen 7 und 63 m beträgt, starten. Für die Herstellung der durchgängig 15 Zentimeter starke Bodenplatte wurden in Summe ca. 7.500 m³ Faserbeton verarbeitet. Die fünf Hektar große Betonoberfläche wurde mittels sogenannter Akku-Rüttelpatschen abgezogen, für die Glättung der Fläche kamen Aufsitz-Flügelglätter zum Einsatz. Da die Einbringung des Betons nur von einer Seite des Kanals möglich war, musste die Betonförderung über eigens eingerichtete Pumpleitungen mit bis zu 140 m­ Länge erfolgen. Neben der Herstellung der Sohlplatte führte Felbermayr zudem umfangreiche Betoninstandsetzungen an den Kanalböschungswänden und der Wehranlage sowie am Kraftwerksgebäude durch.

Kraftwerk Kleinmünchen
Die Triebwasserstrecke des Linzer Wasserkraftwerks Kleinmünchen wurde in der zweiten Jahreshälfte 2025 grundlegend erneuert.
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Geomembran-System von Carpi Tech dichtet Kanal dauerhaft ab

Die neue Kunststoffabdichtung des Kanals wurde mit dem ­SIBELON® Geomembrane-System vom international aktiven Hersteller Carpi Tech ausgeführt. Das seit Jahrzehnten bewährte System des Abdichtungsspezialisten kommt weltweit bei einer Vielzahl von Anwendungsszenarien zum Einsatz, beispielsweise bei Staumauern, Stauseen, Pumpspeicherkraftwerken, Kanälen, Hydraulik- und Verkehrstunneln oder unterirdischen Bauwerken. Ein wesentlicher Vorteil der Geomembrane ist ihre hohe mechanische Festigkeit und Dichtwirkung. Dabei bildet das System eine durchgehende, wasserdichte Auskleidung, die den bestehenden Untergrund zuverlässig schützt und das Eindringen von Wasser in die Bausubstanz verhindert. Mit diesen Eigenschaften leistet die Geomembrane einen wesentlichen Beitrag zur Verlängerung der Lebensdauer von hoch beanspruchter Infrastruktur. Darüber hinaus sorgt die äußerst glatte Oberfläche des Systems für eine Erhöhung der hydraulischen Effizienz und reduziert gleichzeitig den Wartungsaufwand, der bei der Entfernung von Bewuchs entsteht.

Kraftwerk Kleinmünchen
Die Grundwasserthematik erforderte eine Vielzahl von Vorkehrungen und Ersatzmaßnahmen.
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Grundwassermanagement während der Bauarbeiten

Laut Projektleiter Jürgen Pichler bildete die Grundwasserthematik eine wesentliche Herausforderung während der Bauarbeiten: „Durch die Staulegung der Traun und dem damit einhergehenden freien Durchfluss beim Traunwehr reduzierte sich der Pegel des Gewässers oberwasserseitig. Da die Traun in diesem Bereich in das Grundwasser dotiert, waren im Projektvorfeld bei den hydrogeologischen Planungen Änderungen im Grundwasserkörper prognostiziert worden.“ Um etwaigen Problemen bei der Grundwasserthematik vorzugreifen, wurden von der LINZ AG eine ganze Reihe von Vorkehrungen getroffen. So wurden alle haustechnischen Anlagen wie Grundwasserwärmepumpen oder Brauchwasserversorgungen in ein Register im betroffenen Gebiet aufgenommen und gefährdete Anlagen für eine Ersatzversorgung vorbereitet. Im angrenzenden Augebiet des Ausleitungskanals befinden sich grundwassergespeiste Gewässer, die während der Bauzeit notversorgt werden mussten. Für diesen Zweck wurden eigene Pumpen zur dauerhaften Dotierung der Nebengewässer installiert. Zudem machte auch die Trockenlegung der Ausleitungsstrecke mehrere aufwändige Begleitmaßnahmen notwendig. Durch die Trockenlegung des Kanals war eine Ableitung des Kubogscheid – dabei handelt es sich um ein Nebengewässer, das in den Kanal mündet – nicht möglich. Deswegen mussten im Bereich der Oberlieger-Anlagen Änderungen an der Wasserführung vorgenommen werden. Für das Nebengewässer Magerbach, der im Regelbetrieb vom Oberwasserkanal gespeist wird, wurde eine Ersatzversorgung durch die Errichtung eines Grundwasserbrunnes hergestellt. Bei der Kanalsohle des Oberwasserkanals herrschte vom Einlaufbereich bis zur Autobahnbrücke bei erhöhten Grundwasserständen, die bei Extremwetterereignissen entstehen können, Auftriebsgefahr. „Aus diesem Grund wurde der Grundwasserpegel in diesem Bereich dauerhaft mittels Grundwassersonden aufgezeichnet und täglich an die Projektleitung und die 24 Stunden besetzte Kraftwerkswarte übermittelt. Für den Notfall wurde ein Alarmplan erarbeitet und Materialien zum Einbau von Notdämmen vorgehalten, um eine Not-Teilflutung innerhalb weniger Tage zu ermöglichen“, erklärt Jürgen Pichler.

Kraftwerk Kleinmünchen
Dank der umfassenden Sanierung ist die Ausleitungsstrecke wieder fit für die nächsten Jahrzehnte.
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Revitalisierung sichert Betrieb für die nächsten Jahrzehnte

Der Betriebsstillstand des Kraftwerks wurde von der LINZ AG auch dazu genutzt, um an den beiden Maschinensätzen, den Stahlwasserbaugewerken und den Rechenreinigungsmaschinen sowie dem elektro- und leittechnischen Equipment Inspektionen, Wartungen und Revisionen durchzuführen. Die Kanalsanierung konnte wie geplant innerhalb von sechs Monaten abgeschlossen werden, noch vor dem vergangenen Jahreswechsel ging das Kraftwerk Kleinmünchen wieder in Betrieb. Jürgen Pichler zieht ein durchwegs positives Fazit über den Projektverlauf: „Das Ziel der Sanierung war es, den sicheren Betrieb der Anlage für ca. 30 weitere Jahre gewährleisten zu können. Durch den Einbau der Kunststoffdichtbahn und des Sohlbetons mit flügelgeglätteter Oberfläche erwarten wir uns weniger Bewuchs und Algen und gehen in weiterer Folge davon aus, dass künftige Revisionsintervalle in größeren Abständen stattfinden können. Rückblickend war es von entscheidender Bedeutung, dass eine Erhöhung des Einbautaktes des Sohlbetons und die Vergrößerung der Betonierabschnitte vorgenommen wurde. Damit konnte der termingerechte Projektabschluss trotz schlechter Witterungsbedingungen im Herbst eingehalten werden.“

Erschienen in zek HYDRO, Ausgabe 1/2026