100 Jahre Wasserkraftwerk Höllenstein: Grüner Strom aus dem Schwarzen Regen

15. Mai 2026, Lesedauer: 6 min

Bild: © SW Straubing

Am 14. Januar 1926 ging das Wasserkraftwerk am Höllensteinsee in Betrieb und schrieb Geschichte. Das imposante Flusskraftwerk am Schwarzen Regen im Bayerischen Wald ist bis heute ein Symbol für technische Ingenieurskunst und nachhaltige, regionale Energiegewinnung. Im Regeljahr erzeugt das Traditionskraftwerk rund 13,5 Millionen Kilowattstunden grünen Strom. Um das Jubiläum in diesem Jahr gebührend zu feiern, planen die Stadtwerke Straubing als Hauptgesellschafter der Kraftwerk am Höllenstein AG im Frühsommer einen Tag der offenen Tür.

100 Jahre Wasserkraft am Höllensteinsee

Dass ein Wasserkraftwerk 100 Jahre wird, sei bei Weitem nicht selbstverständlich, erklärt Stadtwerke-Geschäftsführer und Vorstand der Kraftwerk am Höllenstein AG Günter Winter. Denn Kraftwerksanlagen werden in regelmäßigen Abständen geprüft und es gibt hohe Auflagen zu erfüllen, um die Erlaubnis zum Weiterbetrieb zu erhalten. So muss eine Talsperre z. B. für Fische durchgängig sein. Im Kraftwerk am Höllensteinsee gibt es dafür eine Lösung, die sogar patentiert ist.
Außerdem arbeitet die Kraftwerks-Mannschaft unermüdlich und mit Weitsicht daran, die Technik zur Energieerzeugung auf dem neuesten Stand zu halten und möglichst effizient zu gestalten. „Uns kommt zugute, dass das Kraftwerk sehr umsichtig geplant worden ist und die verbauten Maschinen von einer hohen Qualität sind“, erklärt Werkleiter Stephan Neumeier. Trotzdem dürfe man sich darauf nicht ausruhen, sondern müsse stetig investieren. „Wenn man die außergewöhnliche Leistung bedenkt, die zum Bau einer solchen Talsperre zu dieser Zeit aufgebracht werden musste und welche Bedeutung das Kraftwerk seit je her hat, ist für mich klar, dass wir diesen besonderen Geburtstag feiern müssen!“, betont Günter Winter.
Haupteigentümer der Kraftwerk am Höllenstein AG sind mit 88,92 % die Stadtwerke Straubing. Weiterer Gesellschafter der Aktiengesellschaft ist mit 11,08 % die Bayernwerk AG.

Blaue Turbine in der Maschinenhalle vom Kraftwerk Höllenstein, historische Industriearchitektur mit hellen Fliesen.
Drei baugleiche Francis-Turbinen aus dem Hause Voith mit je 1.225 kW Leistung erzeugen im Jahr rund 13,5 Millionen Kilowattstunden Strom.
© SW Straubing

13,5 GWh Strom aus drei Francis-Turbinen

Beim Kraftwerk am Höllensteinsee handelt es sich um ein zweigeteiltes Flusskraftwerk am Schwarzen Regen im Bayerischen Wald. Die 19 m hohe Staumauer als Talsperre wird auf der einen Seite durch den Höllensteinfelsen begrenzt, auf der anderen durch das Kraftwerksgebäude. So wird der Fluss auf 5,6 km Länge aufgestaut und erreicht ein Speichervolumen von 1,4 Mio. m³. Zwischen Viechtach und dem Arber verfügt das Kraftwerk über ein Niederschlagseinzugsgebiet von 980 km² bei einem Höhenunterschied von 1.000 m. Drei Voith-Francis-Turbinen mit je 1.225 kW Leistung haben zusammen mit drei Drehstrom-Synchrongeneratoren eine gesamte Kraftwerksleistung von 3.400 kW und produzieren durchschnittlich 13,5 Mio. kWh Strom pro Jahr. Um Abflussschwankungen auszugleichen und die Leistungsfähigkeit des Höllensteinkraftwerks zu erhöhen, wurde 1963 das Ausgleichswerk Pulling eröffnet. Die beiden Kraftwerke zusammen produzieren durchschnittlich 18 Mio. kWh grünen Strom aus Wasserkraft pro Jahr.

Elektrifizierung des Bayerischen Waldes durch das Kraftwerk Höllenstein

Ursprünglich wurde das Kraftwerk in unberührter Natur errichtet. Das Gebiet war nur auf dem Wasserweg erreichbar, Wege gab es nicht. Sämtliche Baumaterialien mussten beschwerlich mit Pferdefuhrwerken herangeschafft werden – ein wahrer Kraftakt. Erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs bekam das Kraftwerk eine Zufahrtsstraße. Die Talsperre des Höllensteinkraftwerks war zur Zeit ihrer Inbetriebnahme mit 74 Metern Länge und 19,2 Metern Höhe die größte Talsperre Bayerns. Der Stromtransport nach Straubing erfolgte über zwei Hochspannungsleitungen von 40 km Länge, die extra dafür gebaut wurden. Das Höllensteinkraftwerk bescherte durch die Elektrifizierung der relativ armen Region rund um Viechtach einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Luftaufnahme vom Wasserkraftwerk Höllenstein mit Staumauer, Betriebsgebäude und Stausee inmitten bewaldeter Hügel im Tal.
Seit 100 Jahren liefert das Kraftwerk am Höllensteinsee zuverlässig sauberen Strom. Im Frühsommer feiern die Stadtwerke Straubing das Jubiläum.
© SW Straubing

Patentierte Druckkammerfischschleuse sichert Fischdurchgängigkeit am Schwarzen Regen

In Höllenstein stellt eine Druckkammerfischschleuse die Durchgängigkeit für Fische sicher. Die Fischschleuse wurde in einem zweiten, nicht genutzten Grundablasskanal unter dem Kraftwerksgebäude eingebaut. Mittels Lockströmung, die zusätzlich über ein Turbinenaggregat zur Stromerzeugung geleitet wird, werden wanderwillige Fische in die Schleusenkammer gelockt. In variabel einstellbaren Zeitintervallen wird das unterwasserseitige Einstiegschott geschlossen, und in der Schleusenkammer mittels Schieber der Oberwasserdruck aufgebaut. Herrscht in der Schleusenkammer der gleiche Druck wie im Oberwasser, wird der oberwasserseitige Schott geöffnet. Durch einen einstellbaren Abfluss aus der Schleusenkammer entsteht eine Lockströmung, die die Fische gegen die Strömung zum Ausschwimmen ins Oberwasser animiert. Anschließend wird der Fischausstieg (Oberwasserschott) wieder geschlossen und der Unterwasserdruck wiederhergestellt. Bei Druckgleichheit wird das Unterwasserschott wieder geöffnet und die Einschwimmphase beginnt von Neuem.

Tag der offenen Tür im Kraftwerk Höllenstein

Am Sonntag, den 14. Juni findet von 10 bis 17 Uhr ein Tag der offenen Tür im Kraftwerk am Höllensteinsee statt. Alle Besucher und Interessierten sind dabei herzlich eingeladen, das Kraftwerk hautnah zu erleben. Führungen durch das Kraftwerk ermöglichen spannende Einblicke in die Technik, die seit einem Jahrhundert für nachhaltige Energie sorgt. Begleitet wird der Tag von einem bunten Rahmenprogramm mit Streetfood, Kinderschminken, einer Hüpfburg und weiteren Attraktionen für die ganze Familie. Details zur Veranstaltung werden rechtzeitig in der Lokalpresse bekanntgegeben.

Historische Schwarz-Weiß-Aufnahme vom Bau des Kraftwerks Höllenstein mit Holzgerüsten und Betonröhren im Schwarzwald.

Geschichte des Kraftwerks Höllenstein

  • 1900: Stromerzeugung in Straubing im Elektrizitätswerk in Form von Wärmekraftstrom – Problem: Brennstoffe durch 1. Weltkrieg knapp und teuer
  • 1923: Stadtrat fällt Entscheidung für Wasserkraftwerk
  • Juli 1923: Gründung der „Kraftwerk am Höllenstein Aktiengesellschaft Straubing“ zusammen mit der „Bayerischen Aktiengesellschaft für Energiewirtschaft Bamberg“ mit dem Zweck „Versorgung der Stadt Straubing, des Kreises Niederbayern und von angrenzenden Bezirken der Oberpfalz mit elektrischer Energie“
  • November 1923: „Ostbayerische Stromversorgung Aktiengesellschaft München“ (OSTROMAG, ab 2001 Bayernwerk AG) tritt als Mitgesellschafter ein
  • Oktober 1923: Baubeginn des Flusskraftwerks
  • Januar 1926: Inbetriebnahme des Höllensteinkraftwerks (Produktion im ersten Jahr: 7,8 Mio. kWh Strom – das entsprach dem Dreifachen des Straubinger Strombedarfs zu dieser Zeit)
  • 1945: Umstellung von Lauf- auf Speicherbetrieb
  • ab 1961: Stromeinspeisung in das Netz der OBAG (jetzt Bayernwerk-Netz)
  • 1963: Inbetriebnahme Kraftwerk Pulling (Ausgleich von Abflussschwankungen, Steigerung der Leistungsfähigkeit des Höllensteinkraftwerks)
  • Juni 2009: Kraftwerksbetrieb für weitere 30 Jahre genehmigt
  • 2013 Inbetriebnahme Druckkammer-Fischschleuse in Höllenstein
  • 2014 deutsches Patent auf energetische Nutzung der Druckkammer-Fischschleuse
  • 2015 europäisches Patent auf energetische Nutzung der Druckkammer-Fischschleuse

Erschienen in zek HYDRO, Ausgabe 1/2026