Erneuerung mit Tiefgang: Intake-Gate-Tausch am Pumpspeicherkraftwerk Kruonis

4. September 2026, Lesedauer: 5 min

Bild: © Bilfinger

Das Pumpspeicherkraftwerk Kruonis des litauischen Energieversorgers Ignitis Gamyba zählt zu den leistungsstärksten Regelenergieanlagen im Baltikum. Im Zuge der Arbeiten an der Druckrohrleitung P5 (Penstock 5) übernimmt Bilfinger ein umfassendes Leistungspaket: die Fertigung, die Korrosionsschutz-Beschichtung in einer eigens am Baufeld errichteten Beschichtungshalle sowie die Montage der über 850 m langen Druckrohrleitung mit einem Innendurchmesser von 5.250 mm. Ergänzend dazu wurde Bilfinger mit einer anspruchsvollen Aufgabe im Stahlwasserbau betraut: der vollständigen Erneuerung des Intake Gates im dazugehörigen Intake Gate Building. Das zu erneuernde Schütz weist mit einer lichten Höhe und Breite von je 7.500 mm beachtliche Dimensionen auf und stellt damit besondere Anforderungen an Logistik, Montage und Koordination. Neben dem eigentlichen Schütztausch umfasst der Auftrag auch die Sanierung der gesamten Armierungen an Sohle, Seiten und Brust. Mit dem Starttermin im April 2026 und einer geplanten Inbetriebnahme im Oktober 2026 bewegen sich die Arbeiten in einem straffen Zeitrahmen von rund sechs Monaten.

Bilfinger Werbebanner auf grüner Wiese vor Industrieanlage mit Rohrleitungen und Betonbauwerk unter bewölktem Himmel.
Das Pumpspeicherkraftwerk Kruonis ist das einzige Kraftwerk seiner Art im gesamten Baltikum.
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Taucharbeiten schaffen die Basis für den Schütztausch

Bevor die eigentlichen Montagearbeiten beginnen konnten, war eine sorgfältige Vorbereitung des Zulaufbereiches unabdingbar. Speziell ausgebildete Taucher führten im Vorfeld Reinigungsarbeiten in rund 40 m Tiefe durch. Dabei entfernten sie mehr als 600 Kubikmeter Sediment, um den Bereich vor dem bestehenden Schütz von Ablagerungen zu befreien und den Einbau des Dammbalkens auf der Zulaufseite zu ermöglichen. Nach dem Setzen des Dammbalkens wurde der Bereich zwischen diesem und dem bestehenden Schütz über das sogenannte Hot-Tapping-Verfahren mittels Kugelhahnverbindungen kontrolliert entleert. Erst nach dieser Druckentlastung war ein sicheres Arbeiten am Schütz und den umliegenden Strukturen möglich. Dieser vorbereitende Schritt ist exemplarisch für den gesamten Projektablauf: Sorgfalt und Sicherheit haben bei Bilfinger in jeder Phase der Arbeit Vorrang, auch dann, wenn der Terminplan Druck macht.

Portalkran hebt massives Rohrbauteil auf einer Baustelle mit Arbeitern in Warnweste bei strahlendem Sonnenschein.
Abtransport des zu sanierenden Hydraulikzylinders über die Dammkrone des Intake Gate Gebäudes
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Demontage und Armierungssanierung als nächste Etappe

Nach der kontrollierten Druckentlastung folgte die Demontage des bestehenden Bestandsdeckels im Intake Gate Building sowie des vierteiligen Schützes selbst. Die Schützenelemente wurden an den Auftraggeber zur Entsorgung übergeben. Parallel dazu wurde der vorhandene Hydraulikzylinder ausgebaut, abtransportiert und einer umfassenden Sanierung unterzogen. Die freigelegten Bestandsarmierungen wurden anschließend sandgestrahlt, um eine optimale Haftung für die nachfolgende Sanierung zu gewährleisten. Herzstück der ­Armierungssanierung war die Montage neuer Sohlarmierungen samt Verguss mit hochfestem Epoxidharz über eigens dafür vorgesehene Vergussöffnungen. Für die seitlichen Armierungen und die Brustarmierung wurden zunächst Bewehrungseisen auf den bestehenden Strukturen montiert und eine Haftbrücke aufgebracht. Anschließend wurden die neuen, unteren seitlichen Armierungen sowie die Brustarmierung montiert und etappenweise über spezielle Betonieröffnungen mit Beton vergossen. Erst danach erfolgte die Montage der oberen seitlichen Armierungen, die ebenfalls etappenweise mit Beton über Betonieröffnungen vergossen wurden, um eine lückenlose und homogene Füllung sicherzustellen.

Kran hebt massive Stahlkonstruktion am Wasserkraftwerk Kruonis; industrielle Verladearbeiten mit Schwerlastgurten.
Einheben eines Schützelements über die Dammkrone des Intake Gate Gebäudes
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65-Tonnen-Schütz für das Intake Gate

Das neue Schütz wurde als vierteiliges Bauteil gefertigt. Mit einem Gesamtgewicht von rund 65 Tonnen stellen die vier Elemente die Montage im beengten Intake Gate Building vor hohe Anforderungen an Hebetechnik und Präzision. Nach der Montage des Deckels und dem Einbau des sanierten Hydraulikzylinders werden die vollständige Hydraulikanlage sowie die Wegmessung mit moderner Sensorik installiert. Anschließend folgen die Strom- und Steuerungsanschlüsse sowie der Aufbau einer neuen Plattform für die künftige Bedienung und Wartung des Zylinders. Der Inbetriebnahme- und Schulungsprozess ist klar gestaffelt: Nach der Trockeninbetriebnahme mit Basic Training für das Betriebspersonal des Kunden folgt die Nassinbetriebnahme. Den Abschluss bilden ein Advanced Training nach der Synchronisation sowie die Erstellung und Übergabe der vollständigen Dokumentation an den Kunden.

Senkrechte Metallstruktur mit Halterungen im Kraftwerk Kruonis, hohe Betonwände und industrielle Deckenbeleuchtung.
Einheben der Armierungsteile im Intake Gate Gebäude
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Schnittstellen als größte Herausforderung

Projekte dieser Komplexität stehen und fallen mit dem Zusammenspiel aller Beteiligten. Bei Kruonis treffen viele Gewerke und Verantwortlichkeiten aufeinander: der Turbinenlieferant, mehrere Subunternehmer aus den Bereichen Bau und EMSR sowie ein örtliches Planungsbüro auf litauischer Seite. Diese Schnittstellen sauber zu koordinieren und gleichzeitig den engen Zeitplan einzuhalten, ist die eigentliche Kernaufgabe des Projektmanagements. Hinzu kommt die besondere Herausforderung, alle Arbeiten in einer bestehenden, in Betrieb befindlichen Anlage durchzuführen. Der Platz im Intake Gate Building ist begrenzt, die Eingriffe in die Bestandsstruktur sind tiefgreifend und jede Maßnahme muss mit dem laufenden Betrieb der übrigen Anlagenteile abgestimmt sein. Auch die bürokratischen Rahmenbedingungen in Litauen erfordern eine frühzeitige und sorgfältige Vorbereitung aller Genehmigungen und Dokumentationsprozesse.

Abschluss der Erneuerung für Oktober 2026 geplant

Das Projekt Kruonis steht exemplarisch für die Leistungsfähigkeit von Bilfinger im Bereich Stahlwasserbau und Anlagensanierung. Die Kombination aus Taucharbeiten, ­Hochdruckverguss, Hydraulik, EMSR und präziser Stahlmontage unter beengten Verhältnissen verlangt ein eingespieltes Team mit tiefem Fachwissen und robuster Projekterfahrung. Mit dem geplanten Abschluss im Oktober 2026 wird Bilfinger dem Energieversorger Ignitis Gamyba ein vollständig erneuertes, dokumentiertes und betriebsbereites Intake Gate übergeben und damit einen wesentlichen Beitrag zur langfristigen Betriebssicherheit des Pumpspeicherkraftwerks Kruonis leisten.

Erschienen in zek HYDRO, Ausgabe 4/2026